Erste Wald-Kita im Altkreis

Kindergarten soll im September in Bad Emstal starten

Ab in die Natur: Bad Emstals Bürgermeister Stefan Frankfurth (links) und der Betreiber des Waldkindergartens Joachim Rose am Forst neben der Wiese, auf der die Kita ihren Stützpunkt haben wird.
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Ab in die Natur: Bad Emstals Bürgermeister Stefan Frankfurth (links) und der Betreiber des Waldkindergartens Joachim Rose am Forst neben der Wiese, auf der die Kita ihren Stützpunkt haben wird.

Ab in die Wildnis: In Bad Emstal soll am 1. September ein Waldkindergarten eröffnet werden, der erste im Wolfhager Land.

Bad Emstal – Träger und Leiter der Einrichtung wird Joachim Rose sein, der bereits den Waldkindergarten im benachbarten Niedenstein betreibt. In der heutigen Sitzung des Bad Emstaler Gemeindeparlaments, die um 19.30 Uhr in der Turnhalle in Balhorn beginnen soll, geht es darum, die vertraglichen Vereinbarungen zwischen Gemeinde und dem Kita-Betreiber abzusegnen.

Für die Kita, die altersübergreifend für Kinder vom zweiten Lebenjahr bis zum Schuleintritt über bis zu 25 Plätze verfügt, stellt die Gemeinde ein Gelände hinter dem früheren Bergcafé am südöstlichen Rand des Ortsteils Sand zur Verfügung, direkt angrenzend an den Gemeindewald.

Joachim Rose: Kita-Betreiber

Derzeit ist die Grünfläche noch Teil einer großen Pferdeweide mit Hanglage. Laut Bürgermeister Stefan Frankfurth (SPD) werde das Gelände noch in Teilbereichen modelliert: Zwei Terrassen sollen entstehen, auf denen der Waldkindergarten seine Unterkünfte aufstellen wird. Das werden laut Joachim Rose ein gut zehn Meter langer Bauwagen sein, der über Solarpaneele mit Strom versorgt wird und eine mongolische Jurte, ein traditionelles Nomadenzelt, in dem es auch einen Holzofen geben wird, der zum Backen und Kochen, vor allem aber auch zum Heizen geeignet ist. In Zelt und Wagen werden sich die Kinder allerdings eher selten aufhalten, sagt der 47-jährige Erzieher, der zudem über weitere Qualifikationen als Natur- und Wildnispädagoge sowie als Trekking-Guide verfügt. Zum Konzept der Kita gehört es, dass sich die Kinder überwiegend in der Natur, im Wald, aufhalten – bei Wind und Wetter, im Sommer wie auch im Winter.

In Bad Emstal einen Waldkindergarten aufzubauen, sagt Joachim Rose, sei naheliegend, da ein großer Teil der Kinder, die die Niedensteiner Einrichtung besuchen, aus Emstal kommt. Für die geplante Kita gebe es bereits eine „hohe Nachfrage“, sagt Rose, „obwohl wir hier öffentlich noch gar nicht in Erscheinung getreten sind“.

Mit gemeindeeigenem Wald ist Bad Emstal nicht gerade gesegnet. Für die Einrichtung eines Waldkindergartens reicht es aber allemal. Oberhalb des Bergcafés am Rand des Ortsteils Sand wird zum 1. September dieses Jahres, so ist der Plan, das naturnahe Betreuungsangebot für Kinder zwischen dem zweiten Lebenjahr und der Einschulung starten.

Es wird eine Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Bad Emstal und Joachim Rose, der bereits den Waldkindergarten in Niedenstein betreibt. Die Gemeinde stellt das Gelände zur Verfügung, auf dem ein großer Bauwagen und eine geräumige Jurte, ein Nomadenzelt, platziert werden.

Im Zelt mit seinem Holzofen bestehe die Möglichkeit zum Backen und Kochen, aber auch zum Aufwärmen, wenn es draußen mal so richtig lausig kalt sein sollte. Ausgestattet mit Tischen und Stühlen sei die Jurte der Gruppenraum, erklärt der 47-jährige Erzieher und Naturpädagoge.

Im Bauwagen sei unter anderem Platz für Bastelutensilien und Bücher, Spielsachen im herkömmlichen Sinne hat der Waldkindergarten nicht auf Lager. Alles, was man zum Spielen benötige und die Fantasie beflügele, finde man in der Natur, sagt Wald-Kita-Leiter Rose. Der Fundus ändere sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten, die man beim täglichen Aufenthalt draußen viel intensiver erlebe. Eigene Spiele erfinden, kreativ sein und experimentieren jenseits von Medienkonsum und dem Überfluss von fertigem Spielzeug stehe auf dem Programm. Rund um Jurte und Bauwagen soll ein Kräutergarten entstehen, Hochbeete will man für den eigenen Gemüseanbau anlegen und Obstbäume pflanzen.

Die Gemeinde spendiert aber nicht nur die Fläche. Im Betreibervertrag, der heute Abend dem Gemeindeparlament vorgelegt wird, sind auch andere Dinge notiert. Beispielsweise, dass sich die Gemeinde unter bestimmten Voraussetzungen finanziell zu beteiligen hat. Laut Bürgermeister Frankfurth habe man 80 Prozent eines möglicherweise entstehenden Defizits zu tragen, wobei dies aber überschaubar bliebe: Bei einer nur 50-prozentigen Auslastung der Kita würde pro Jahr ein Zuschuss in Höhe von 1742 Euro fällig. Ob es dazu kommt, erscheint eher unwahrscheinlich, die Nachfrage nach den 25 Plätzen – wenn ein Integrationskind aufgenommen wird, reduziert sich die Zahl auf 20 – sei jetzt schon mit 15 Anmeldungen sehr hoch, sagt Joachim Rose, obwohl das Projekt öffentlich noch gar kein Thema gewesen sei. Mittelfristig „haben wir die Möglichkeit, eine zweite Gruppe einzurichten“, Platz für eine zweite Jurte sei vorhanden.

„Wir wollen eine Einrichtung für alle sein“, sagt Joachim Rose, „nicht für ein bestimmtes Klientel“. Das hört auch der Bürgermeister gern, der sich „über die Erweiterung des Betreuungsportfolios in Bad Emstal“ freut und darüber, dass das neue Angebot auch für Entspannung im insgesamt stark nachgefragten Kita-Bereich der Gemeinde sorgen dürfte.

Vorgesehen ist eine Betreuung von Kindern ab dem zweiten Lebensjahr bis zur Einschulung. Betrieb ist von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr, in der sechsstündigen Kernzeit ab 8 Uhr sind Kinder ab drei Jahre wie andernorts von Gebühren freigestellt. natourijo.de

Entlastung durch neue Kita

Die Gemeinde Bad Emstal verfügt über drei Kindertagesstätten – eine in Balhorn und zwei in Sand. Träger ist das DRK Bad Wildungen. Laut Yannik Druen, Kita-Koordinator des DRK Bad Wildungen, sind 228 Plätze belegt, lediglich in Balhorn gebe es noch wenige freie Plätze. Für das kommende Kita-Jahr zeichne sich bereits eine komplette Auslastung ab. Den Waldkindergarten sehe man nicht als Konkurrenz, sondern als Entlastung der Situation in Bad Emstal. (Norbert Müller)

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