Dauerausstellung zur Frauengeschichte eröffnet

Klostermuseum in Merxhausen; Schicksale aus 800 Jahren unter einem Dach

+
Zahlreiche Hörstationen: Dagmar Lohmann vom Geschichtsverein Fritzlar ist von der Technik begeistert.

Nach zehn Jahren harter Überzeugungsarbeit und zähen Ringens um eine Finanzierung wurde gestern die Dauerausstellung zur Frauengeschichte im Klostermuseum Merxhausen eröffnet.

Für die Mitglieder des Kultur- und Geschichtsvereins Bad Emstal war es das Ereignis schlechthin: Mit viel Prominenz wurde am Mittwoch das Klostermuseum in Merxhausen eröffnet und mit ihm die Dauerausstellung „Lebensbilder – Leidensbilder – Frauenbilder“. Sie ist das Herzstück des für 309 000 Euro sanierten Museums und erzählt die 800-jährige Geschichte des Klosters, in dem heute ein psychiatrisches Krankenhaus der Vitos Kurhessen untergebracht ist.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Frauenschicksale der vergangenen Jahrhunderte. Aus diesem Aspekt ergibt sich auch die Einzigartigkeit der Darstellung, mit der der Verein möglichst viele Besucher in die neuen Räume locken möchte und auf ein breites überregionales Interesse hofft.

Die Planungen für die Ausstellung sind etwa zehn Jahre alt und gehen auf den früheren Vorsitzenden des Kultur- und Geschichtsvereins, Hartwin Neumann, zurück. Der war ganz begeistert vom Ergebnis seiner Vorarbeiten und dem Einsatz des Vereins, dem er von seinem neuen Wohnsitz in Oberbayern aus weiterhin die Treue hält. „Es ist umwerfend“, lobte er beim Blick in die Räume die Arbeit seiner Nachfolger – „es ist so, wie ich es mir vorgestellt habe“.

Die Ausstellung „Lebensbilder – Leidensbilder – Frauenbilder“ im Klostermuseum Merxhausen ist eröffnet: Grund zur Freude für (von links) Museumsleiter Ernst Rogge, den früheren Vorsitzenden des Kultur- und Geschichtsvereins Hartwin Neumann und den jetzigen Vorsitzenden Joachim Hübner.

Angetan von der zurückhaltenden, modernen Eleganz der Räume zeigten sich auch die 75 geladenen Gäste, die im Anschluss an die Grußworte die Ausstellung in Augenschein nahmen. Exponate und Informationen kommen unaufdringlich und mit dem Fokus aufs Wesentliche daher. Wer tiefer in die Geschichte des Klosters und der in ihm lebenden Menschen eintauchen mag, kann dies an den zahlreichen Hörstationen tun. Auszugsweise werden auf Stoffbahnen, die vor den Fenstern angebracht sind, Schicksale von Frauen skizziert.

Glücklich und stolz zeigte sich gestern auch der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins, Joachim Hübner. „Es war ein langer, steiniger und manchmal auch frustrierender Weg“, den der Verein mit Kurs auf die Dauerausstellung habe nehmen müssen. Doch er habe sich gelohnt. Für die Zukunft des Hauses formulierte er einen Wunsch: Das Museum möge nicht länger als das Museum des Vereins betrachtet werden, sondern als Museum aller.

Dr. Ulrich Adolphs, der vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst angereist war, sagte mit Blick auf den enormen Vorlauf des Projekts, dass dies typisch sei für kulturelle Vorhaben. „Man braucht einen langen Atem. Und es handelt sich um Gemeinschaftsprojekte mit vielen Beteiligten.“

Bad Emstals Bürgermeister Stefan Frankfurth und auch seine Vorredner strichen in ihren Grußworten die Hartnäckigkeit hervor, mit der der Kultur- und Geschichtsverein sein Ziel verfolgte. „Diese Akribie war bewundernswert.“ Am Ende waren es 2600 ehrenamtliche Stunden, die die Mitglieder des Vereins in das Museum und seine Runderneuerung investiert haben. Ausstellung und Museum machten die Gemeinde für den Tourismus und die heimische Wirtschaft interessanter.

An der Finanzierung beteiligten sich mehrere Partner – unter anderem der Hessische Museumsverband, Vitos Kurhessen, die EU, der Kultur- und Geschichtsverein, das Land Hessen, die Gemeinde Bad Emstal, der Landkreis Kassel, die Kasseler Sparkasse und die Gerhard-Fieseler-Stiftung.

Mit dem Abschluss des Museumsprojektes ist der Ideenvorrat des Vereins noch nicht verbraucht. Bestandteil des ehemaligen Gutshofes ist ein etwa 90 Quadratmeter großer Raum, um den sich das Museum noch erweitern ließe. Konkrete Pläne gibt es noch keine, auch deshalb, weil es an Finanzierungsmöglichkeiten fehlt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.