Kranke Tiere verkauft: Haft für Welpenhändler

Opfer illegaler Welpenhändler: Jeannette Schminke und ihre Tochter Alida mit Brutus. Der Hund stammt von dem Seligenstädter Paar, das jetzt ins Gefängnis muss. Archivfoto: Ricken

Balhorn. Späte Genugtung für Familie Schminke: Die Balhorner hatten vor eineinhalb Jahren einen kranken Hund von einem illegalen Welpenhändler aus Seligenstadt in Südhessen gekauft (wir berichteten).

Wie sie später erfuhren, stammt das Tier aus einer grausamen Auslandszucht. Sie zahlten horrende Tierarztrechnungen und verklagten den Seligenstädter. Sie sind nicht die einzigen, die betrogen wurden. Gegen das Paar gibt es eine Fülle von Anzeigen.

Jetzt wurde nach einem Bericht der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die eine Kampagne gegen illegalen Welpenhandel gestartet hat, den Welpenhändlern aus Seligenstadt der Prozess gemacht. Laut Birgitt Thiesmann von Vier Pfoten wurden sie zu 13 Monaten Haft ohne Bewährung und zwei Jahren Berufsverbot verurteilt.

Dieses Urteil wäre ein Meilenstein im Kampf gegen den illegalen Welpenhandel und zeige, dass der Handel mit kranken und ungeimpften Hundewelpen kein Kavaliersdelikt sei. „Hier handelt es sich um Tierquälerei und um Betrug gleichermaßen“, so Thiesmann.

Noch nie seien in Deutschland Welpenhändler zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. An der Tagesordnung seien lediglich Geldstrafen.

Mindestens zehn Jahre lang soll das Ehepaar mit Welpen aus dubiosen Quellen gehandelt haben. Doch weder bereits auf Bewährung erteilte Haftstrafen, Handelsverbote in den Jahren 2006 und 2010 noch das Urteil vom November 2015 konnten die beiden stoppen. Weiter inserierten sie Welpen unbekannter Herkunft und verkauften die ungeimpften Tiere ohne Papiere an ahnungslose Käufer.

Das Paar aus Seligenstadt hatte im großen Stil sämtliche Hunderassen über verschiedene Internetportale angeboten. In diesen Anzeigen war von eigener Zucht, gesunden und geimpften Hunden die Rede. Die Welpen kosteten zwischen 350 und 1050 Euro. Tatsächlich kamen die Hunde aus dubiosen Quellen, waren oft krank, manche starben sogar. In vielen Fällen gab es weder Impfpässe noch Kaufverträge.

Laut der Tierschützer werden vor allem in Osteuropa tausende Welpen unter schlimmsten Bedingungen produziert. Hundebabys trennen die Kriminellen zu früh von ihren Müttern und transportieren sie meist schon krank, verwurmt und mit gefälschten Impfpässen quer durch Europa.

Ihre neuen Besitzer sind meist mit hohen Tierarztkosten und nicht selten sogar mit dem frühen Tod der Welpen konfrontiert.

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