Neugestaltung: "Hinter jedem Grab steht Geschichte"

Kriegsgräberstätte in Bad Emstal wird nach Zerstörungen saniert

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Einer der Gedenksteine, bei dem die Messingplatte abmontiert wurde. Zur Neugestaltung sollen die Platten ersetzt werden.

Bad Emstal. Ende April 2015 wurde die Kriegsgräberstätte zwischen den Bad Emstaler Ortsteilen Sand und Merxhausen geschändet. Unbekannte hebelten von den Gedenksteinen die Metallplatten ab.

Bereits im Juni 2014 wurde an dem Ort des Gedenkens die Totenruhe gestört. Damals wurden sieben Grabsteine zerstört. Doch nun tut sich etwas auf dem Friedhof. Ein neues Konzept wurde erarbeitet, um den Friedhof umzugestalten. Martin Vazquez Boßdorf vom Bauamt der Stadt Bad Emstal und Oberst a. D. Jürgen Damm stellten jetzt die Planungen vor.

„Aus den bisher zwölf Grabreihen sollen sieben werden. Zudem wird das Gelände sichergestellt und Treppenstufen werden auch wieder vorhanden sein“, erklärt Boßdorf die Pläne. Die Gräber sollen einzeln stehen. Dies war Damm, der auch Ehrenvorsitzender des Volksbund Deutscher Gräberfürsorge ist, wichtig: „Wir wollten keine große einzelne Stele. Hinter jedem Grab steht Geschichte.“ Denn auf dem Friedhof liegen nicht nur Soldaten. Auch Zivilisten, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die als sogenannte Hilfswillige dem Schicksal der Gefangenschaft entgehen wollten, liegen hier begraben. Unter den Soldaten sind auch viele, die im Lazarett ihren Verletzungen erlagen. Aus den umliegenden Gemeinden wurden zudem Soldaten auf den Friedhof umgebettet.

So werden die Steinkreuze und die kleinen Stelen erhalten bleiben. Bei der Gestaltung hat der Volksbund die Gemeinde Bad Emstal beraten. Ein Problem bei der Neugestaltung von Kriegsgräberstätten ist laut Boßdorf, dass es oft keine maßstabsgetreuen Zeichnungen gibt. Diese hat er inzwischen angefertigt. Die Höhenunterschiede auf der Gedenkstätte muss er zusätzlich noch berechnen. Im Januar soll es eine Ausschreibung geben. Wie hoch die Kosten für die Neugestaltung ausfallen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Damm hofft, dass bis zum Volkstrauertag 2017 alles fertig ist. „Aber falls nicht, begehen wir ihn auf der Baustelle“. Dann könne man auch einen Vergleich mit 1958 anstellen, als der Friedhof eingeweiht wurde. Damm betont zudem, dass es sich bei dem Ehrenmal für Merxhausen und Sand, um einen Ort des Gedenkens handelt. Und zwar für alle. Denn jeder habe das Recht auf eine letzte Ruhestätte, selbst Täter.

Am Volkstrauertag hält Damm eine Rede auf dem Friedhof. An dem Gedenktag nimmt auch ein Klasse der Christine-Brückner-Schule teil. Damm wird auch über die Zerstörung auf dem Friedhof sprechen: „Wir müssen die Bevölkerung darauf hinweisen, was schlimme Menschen tun.“

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