Flächen liegen im Wasserschutzgebiet

Balhorner Bauer testet Bakterien als Helfer

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Bakterien machen Stickstoff in der Luft für Pflanzen verfügbar: Landwirt Eckhard Bröske aus Balhorn hat Winterraps angebaut. Eine Hälfte des Feldes bei Balhorn wurde herkömmlich bestellt, die andere wurde mit vier Sporenstämmen vorbereitet. Im kommenden Jahr will er beide Flächen hinsichtlich Stickstoffgehalt und Ertrag miteinander vergleichen.

Im Trinkwasserschutzgebiet ist der Einsatz von Stickstoff eine heikle Sache. Landwirt Eckhard Bröske aus Balhorn, dessen Flächen allesamt im Schutzgebiet liegen, hat deshalb nun einen Versuch gestartet.

Der Balhorner Landwirt nutzt Bakterien, die den Stickstoff aus der Luft binden, ihn in Ammonium-Ionen umwandeln und so für Pflanzen verfügbar machen. Das neuartige Produkt eines ungarischen Herstellers enthält vier Bakterienstämme, die im Boden unterschiedliche Funktionen übernehmen.

Ende August hat Bröske auf zwei Flächen die mit Wasser vermischten Bakterien aufgespritzt und anschließend auf einem Feld Winterraps und auf dem anderen Wintergerste ausgedrillt. Um im kommenden Jahr die Wirkung der Bakterien bewerten zu können, hat er jeweils die Hälfte der Flächen herkömmlich behandelt, also auf die Bakterien verzichtet. Ende Oktober will er auf die gleiche Art zwei weitere Flächen mit Weizen und Triticalen bestellen. Neben ihm testen noch ein Landwirt in Breuna und ein Biobetrieb in Wettesingen die Sporenstämme.

Eckhard Bröske knüpft hohe Erwartungen an das Produkt. Ein Vorteil, der vor allem der Natur und der Wasserqualität zugutekommen soll, ergibt sich aus der Eigenschaft, dass der aus der Luft entnommene Stickstoff, der über die Bakterien in den Boden gelangt, aus der Erde nicht ausgewaschen werden kann. Er landet also nicht im Trinkwasser. „Egal wie viel es regnet, der Stickstoff bleibt im Boden, und die Pflanzen nehmen ihn auf“, sagt der 61-Jährige. Wenn das funktioniert, könne der Anteil des Stickstoffs bei der Düngung reduziert werden.

Einsparung erhofft er sich grundsätzlich bei der Gabe von mineralischem Dünger. Denn einer der vier Bakterienstämme sorgt dafür, dass das im Boden enthaltene Phosphat und Kalium mobilisiert und von den Pflanzen aufgenommen werden. Darüber hinaus sollen die Sporen biogene Aminosäuren produzieren, die die Entwicklung von Feinwurzeln positiv beeinflussen. „Und je besser das Wurzelwachstum, umso besser die Nährstoffaufnahme der Pflanze“, sagt der Landwirt aus Balhorn.

Doch damit nicht genug. Das Produkt soll schädliche Pilzsporen und Krankheitserreger abtöten. Beispielsweise gibt es Pilze, die sich auf Pflanzenresten vom Mais ansiedeln. So eine Fläche konnte Bröske im Folgejahr bislang nicht für die Aussaat von Weizen nutzen, der für die Herstellung von Brot geeignet ist. Spuren von Pilzen machen das Getreide als Lebensmittel für Menschen unbrauchbar.

Und schließlich sollen die vier Bakterien den pH-Wert des Bodens in den neutralen Bereich verschieben, was zu einem höheren Humusgehalt führt. „Dann könnte ich auf die Gabe von Kalk verzichten“, sagt der 61-Jährige. Der Landwirt im Nebenerwerb hofft auch, dass sich mit Gabe der Bakterien der Arbeitsaufwand reduziert.

Während der Testphase wird der Stickstoffgehalt der unterschiedlich behandelten Böden zu verschiedenen Zeitpunkten erfasst und verglichen. Für das nächste Frühjahr hofft Bröske auf erste Ergebnisse. „Wenn alles so eintrifft, ist das auch finanziell lukrativ.“

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