Arbeit mit gechillten Schweinen

Landwirt Maik Wicke hat seinen Betrieb von konventionell auf bio umgestellt

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Schweine an der Raufe: Seit Maik Wicke seine Ladwirtschaft auf bio umgestellt hat, dürfen die Schweine vom wettergeschützen Stall auch in einen Auslauf unter freiem Himmel.

Maik Wickes Schweine haben es saugut. Nicht nur, dass sich für sie der Platz im Stall nahezu verdoppelt hat. Jederzeit können sie das Gebäude verlassen und im Stroh unter freiem Himmel umhertollen.

„Die sind total gechillt“, sagt der Nebenerwerbslandwirt aus Balhorn, der seinen Betrieb vor über einem Jahr von konventionell auf bio umgestellt hat. Für den 29-Jährigen, der den Hof vor fünf Jahren von seinen Eltern übernommen hat, war der Wechsel eine bewusste Entscheidung und eine finanzielle Herausforderung.

Etwa 100 000 Euro und viel Eigenleistung hat sich Wicke, der als Industriemeister bei Mercedes arbeitet, die Umstellung kosten lassen. Ein neuer Stall musste gebaut werden und eine Halle für die Maschinen. Da er mehr Platz benötigte, kaufte er das Nachbargrundstück. Und er schaffte sich einen mechanischen Unkrautstriegel an. Mit dem bearbeitet er nun die Felder, auf denen er das Futter für seine Schweine anbaut – neben einem Bohnen-Hafer-Gemenge unter anderem Weizen, Sommergerste, Roggen und Triticale.

„Irgendwann habe ich mir gedacht, es kann doch nicht sein, dass die meiste Arbeit auf dem Feld Pflanzenschutz ist.“ Mit der Umstellung auf bio verzichtet Wicke auf Pflanzenschutzmittel. Die Unkräuter beseitigt er mechanisch, sie werden mit der Wurzel aus der Erde gelöst und vertrocknen. Mehrmals pro Saison fährt er mit Schlepper und dem zwölf Meter breiten Striegel durch die Pflanzenreihen. Dabei gehen auch Kulturpflanzen verloren. Der Verlust wird mit einer größeren Menge bei der Aussaat aufgefangen. Auch achtet Wicke beim Anbau auf Sorten, die gegenüber Schädlingen robuster sind.

Mit der Umstellung auf bio muss der Landwirt für die Bearbeitung seiner Felder mehr Zeit einplanen. So ist er im Sommer zwei Wochen lang jeden Nachmittag auf seinen Äckern unterwegs und schneidet mit der Heckenschere die Blüten der Disteln ab. Das ist richtige Handarbeit. „Aber die Disteln müssen weg, sonst kommen sie immer wieder.“ Der 29-Jährige hat sich für eine siebengliedrige Fruchtfolge entschieden. Das bedeutet, dass er in jedem Jahr auf demselben Feld eine andere Frucht anbaut und dort erst nach sieben Jahren wieder die gleiche Sorte wächst. Von dem intensiven Wechsel erhofft sich der Freizeit-Landwirt, der bei der Arbeit von seinen Eltern unterstützt wird, eine natürlich Reduktion der Unkräuter und eine Steigerung des Humusanteils im Boden.

Bearbeitet seine Felder mit dem Unkrautstriegel: Maik Wicke, Nebenerwerbslandwirt aus Balhorn.

Bio erfordert einen höheren Aufwand. Das fängt beim größeren Platzbedarf für Tiere und Futteranbau an und hört mit strengeren Auflagen bei der Gabe von Medikamenten auf. Mineralischer Dünger ist tabu, nur mit organischen Stoffen dürfen die Felder behandelt werden. Hierfür arbeitet Wicke mit einem Bio-Bauern aus Naumburg zusammen. Dem Kollegen stellt er Kleegras für die Fütterung dessen Rinder zur Verfügung und bekommt dafür Bio-Dünger. Auch mit unangemeldeten Kontrollen muss der Bad Emstaler rechnen, der seine Schweine nach den strengen Richtlinien von Bioland hält.

Bislang ist Maik Wicke, der sich einer Erzeugergemeinschaft von Schweinehaltern in Nordrhein-Westfalen angeschlossen hat, mit seiner Entscheidung und der Umstellung zufrieden. Er akzeptiert, dass die naturnähere Bewirtschaftung Einbußen von etwa 30 Prozent bei den Erträgen mit sich bringt. „Bei der Ernte im Sommer waren die Hänger nicht voll.“

Dafür aber wachsen seine Schweine artgerecht auf. Und beim Verkauf bekommt er für das Kilogramm Bio-Fleisch mehr als das Doppelte gegenüber früher.

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