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Mehr Platz für Zeugnisse der Vergangenheit im Klostermuseum Merxhausen

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Von: Norbert Müller

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Mehr Platz und viele Pläne: Museumsleiter Ernst Rogge im Bereich des alten Kuhstalls, wo die landwirtschaftliche Abteilung untergebracht wird. Alte
Mehr Platz und viele Pläne: Museumsleiter Ernst Rogge im Bereich des alten Kuhstalls, wo die landwirtschaftliche Abteilung untergebracht wird. Alte © Norbert Müller

Die Winterpause des Klostermuseums Merxhausen nutzen die Aktiven um Museumsleiter Ernst Rogge, die heimatkundliche Abteilung zu erweitern und neu zu gestalten.

Merxhausen - Es hat etwas Meditatives, wie Bad Emstals früherer Bürgermeister Eckehard Bräutigam mit breitem Pinsel und hellgrauer Farbe die große Spanplatte koloriert. Jeder einzelne Strich wirkt wohldosiert und bringt das Klostermuseum ein Stück weiter zur Vollendung eines neugestalteten Ausstellungsareals im Kellergeschoss des Museumsgebäudes an der Landgraf-Philipp-Straße in Merxhausen.

Keine Hektik

Von übertriebener Hektik keine Spur. Hier folgt alles einer Melodie, der Museumsleiter Ernst Rogge als Bauleiter und Kopf der ehrenamtlichen Schaffenden Takt und Richtung gibt.

Und während also der 72-jährige Bräutigam die Fläche monochrom beschichtet, bereitet er damit eine weitere Box vor, in der Heimatgeschichte aus den früheren Dörfern Sand und Merxhausen für die künftigen Besucher anschaulich und begreifbar werden soll.

Überraschung

Jeden Mittwoch- und Samstagvormittag sind die Akteure dabei, das Museum auf eine neue Saison vorzubereiten, was für die Besucher mit einer Überraschung verbunden sein dürfte. Wer die heimatkundliche Abteilung des Klostermuseums noch in Erinnerung hat, darf sich auf neu gestaltete Präsentationsflächen und zusätzliche Exponate freuen. Die Grundkonzeption wird beibehalten: Landwirtschaft und altes Handwerk – irgendwo angesiedelt zwischen Kaiserzeit und Wirtschaftswunder – wird in den neuen, geräumigen Präsentationskabinen zu sehen sein. Friseur, Steinmetz, Zimmermann, Stellmacher, Stuckateur, Schuhmacher und weitere Handwerke werden hier berücksichtigt mit ihren typischen Materialien, Werkzeugen und kleinen Maschinen. Und dann wird es auch so manche Kuriosität zu bewundern geben, wie die kleine schwarze Maschine, die mit einer Kurbel betrieben wird. Selbst der Techniker des Museums und gelernte Schlosser Ernst Rogge gesteht, dass er lange gerätselt habe, welche Funktion dieses Teil denn nun habe.

Gast lüftete Geheimnis

Erst durch Zufall sei er vom Grübeln erlöst worden, als nämlich ein Gast, der das Maschinchen sah, das Geheimnis lüftete: Damit wurden früher die Zähne von Handsägen eingestellt und geschärft. Das kleine, gut geölte Ding steht schon in seiner neuen Abteilung, denn die Männer sind nebenbei auch schon am Sortieren, nachdem die Hauptarbeiten an den Räumlichkeiten erledigt wurden.

„Wir haben hier den alten Kuhstall noch dazubekommen“, sagt Museumsleiter Rogge, gut 120 Quadratmeter, auf denen sich einst Tiere des Klosterguts tummelten. Die marode Decke hat der Hauseigentümer Vitos, von dem man das Gebäude für einen symbolischen Preis gemietet hat, zuvor erneuern lassen.

Wuchtige Sandsteinmauer

Rogge hat im Anschluss gemeinsam mit Eckehard Bräutigam die wuchtige östliche Sandsteinmauer, von der die Heimatgeschichtler überzeugt sind, dass es sich um ein Stück der historischen Klostermauer handelt, von Putz und Patina befreit. Sie spendet dem neu dazu gewonnen Abschnitt des Museums eine ganz besondere Atmosphäre. Zur Atmosphäre wird auch gehören, dass die insgesamt 400 Quadratmeter umfassende Fläche, auf der auch mit Küche, Wäscherei, Spinnstube und guter Stube Einblicke in die Lebensweise der einfachen Dorfbewohner gegeben wird, nicht auf Teufel komm raus vollgestopft wird mit Exponaten.

„Wir haben viele Sachen auch doppelt und werden reduzieren“, so der 73-jährige. Aber nicht, indem man die Dinge entsorgt. „Wir haben in der Zeit der Pandemie den Dachboden ausgebaut.“ Dort stehen nun Regale, in denen die Duplikate leicht auffindbar deponiert werden.

Keine importierte Folklore

Bei der anstehenden Gestaltung der Museumsräume gehe es auch darum, sagt der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsverein Martin Biskamp, „dass wir bei jedem ausgestellten Handwerk einen Bezug zu Sand herstellen werden“. Es solle eben ein echtes Heimatmuseum werden, ohne importierte Folklore aus anderen Regionen Deutschlands.

Die Kabinen und Gewerke selbst sollen mit historischen Fotos bestückt werden, die die Gerätschaften in Aktion zeigen und deren Funktion eine Beschriftung erklärt. Dazu, sagt Ernst Rogge, wäre es eine große Hilfe, wenn Bad Emstaler aus den alten Fotoalben ihrer Familie Bilder für das Museum zur Verfügung stellen könnten: Vom Opa, der Handwerker war oder ein Pferdegespann hatte zum Beispiel. Damit hoffe man, den lokalen Bezug noch stärker herzustellen.

In Kürze wird mit der Umgestaltung der Altfläche begonnen. Auch hier werden die Ausstellungsboxen großzügiger dimensioniert und mit dem gleichen Grau gestrichen, das sich auf allen Ebenen des Museums als optische Klammer wiederfinden wird.

Hoffen auf junge Helfer

Der Museumsbereich im ersten Stock hat noch bis zum 2. April geschlossen. Diese Zeit gelte es, im Keller zu nutzen, sagt Ernst Rogge. Einen deutlichen Schub könnte das Projekt bekommen, „wenn wir von jüngeren Leuten Unterstützung bekämen“ Sie selbst seien ja alle schon um die 70 Jahre.

Nach der Erneuerung der Stalldecke müsse nun der Staub von den Exponaten entfernt werden. Auch da wäre Hilfe willkommen. „Insgesamt sind es an die 3500 Teile, die wir anpacken müssen“ – vom Kräuterhobel bis zum Stucklöffel. Das ganze Projekt sei eine Herausforderung, die man aber gerne angehe. „Denn uns geht es darum, dass wir das Wissen aus vergangenen Zeiten weitergeben“, sagt Ernst Rogge.

Im nächsten Sommer plane man ein Museumsfest. „Unser mutiges Ziel ist, dass dann auch die Eröffnung der heimatkundlichen Abteilung stattfindet“, sagt der Museumsleiter. (Norbert Müller)

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