Emstaler Christine-Brückner-Schule beteiligt sich an bundesweitem Netzwerk

Bad Emstaler Schule mit Courage gegen Rassismus

Nach der Feierstunde: Lukas Mühlbauer, Fabio Markert, Heinz Helge Fach und Schulsprecher Tom Schulz (von links) halten das Schild, das im Eingangsbereich der Schule montiert werden soll. Mit im Bild Erste Kreisbeigeordnete Silke Engler sowie rechts Bürgermeister Stefan Frankfurth und Schulleiter Ulf Imhof, im Hintergrund die Schüler der Klassen 10G und 10A und Klaus Sprafke.
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Nach der Feierstunde: Lukas Mühlbauer, Fabio Markert, Heinz Helge Fach und Schulsprecher Tom Schulz (von links) halten das Schild, das im Eingangsbereich der Schule montiert werden soll. Mit im Bild Erste Kreisbeigeordnete Silke Engler sowie rechts Bürgermeister Stefan Frankfurth und Schulleiter Ulf Imhof, im Hintergrund die Schüler der Klassen 10G und 10A und Klaus Sprafke.

Der Anspruch ist hoch: Seit Donnerstag darf sich die Bad Emstaler Christine-Brückner-Schule offiziell „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen.

Bad Emstal – Damit ist sie nun Teil eines Netzwerkes, dem bundesweit rund 3600 und hessenweit 141 Schulen angehören. Es ist eine Selbstverpflichtung, die die Schulgemeinschaft – Lehrkräfte wie Schüler – eingeht:

Sich einsetzen für die Menschenwürde, gegen Diskriminierung jeglicher Art.

Klaus Sprafke vom Staatlichen Schulamt hat während des kleinen Festaktes in der Aula der Schule, bei dem 45 Schüler der zehnten Klassen dabei sein durften, an einem Beispiel aus seiner Schulzeit deutlich gemacht, worum es geht. Damals, vor gut 35 Jahren gab es eine Mitschülerin in seiner Klasse, „die so war wie alle“, erzählte Sprafke, einziger Unterschied: „Sie war dunkelhäutig.“ Und nur deswegen sei sie massiv rassistisch beleidigt worden – in den Pausen, auf dem Schulweg, auch vor der Klasse. Er erinnere sich noch gut daran, „dass sie massiv darunter gelitten hat und dass ich nichts gemacht habe“. Er habe zugesehen, statt etwas dagegen zu unternehmen. „Ich war nicht der Täter, aber ich habe mich mitschuldig gemacht, weil ich nicht den Mut hatte, einzugreifen und der Mitschülerin beizustehen.“ Es wäre gut gewesen, wenn es damals an seiner Schule ein solches Projekt gegeben hätte wie heute an der Brückner-Schule, eine Selbstverpflichtung aller, gegen Rassismus und Diskriminierung aufzustehen.

„Was wir heute bekommen ist kein Preis“, unterstrich Schulleiter Ulf Imhof, „sondern Verantwortung und Verpflichtung in einem“. Jeder an der Schule sei nun aufgefordert, sich gegen Diskriminierung und Mobbing einzusetzen.

Imhof dankte seinem Kollegen Heinz Helge Fach, der den Anstoß zur Beteiligung am Netzwerk gegeben hatte und gemeinsam mit der Schülervertretung (SV) den Prozess vorantrieb. Dass man die Initiative ergriffen habe, „bedeutet zunächst einmal nicht, dass wir an unserer Schule ein Problem mit rassistischen Vorkommnissen, Äußerungen und Einstellungen haben“, betonte Fach. Aber es gebe auch in Bad Emstal Einzelfälle. Als Schule ohne Rassismus gehe es nun vor allem um die Frage, „wie wir das Schulklima so verändern, dass wir uns gegenseitig achten, respektieren und gewaltfrei miteinander umgehen“.

Fabio Markert war vor knapp zwei Jahren Schulsprecher. Er beschrieb, wie Fach die SV für das Thema gewann, wie man dann viele Diskussionen führte, mit Präsentationen allen Altersgruppen das Vorhaben vorstellte und am Ende dann die Schüler für eine Beteiligung am Netzwerk stimmten.

Ehe man den Antrag allerdings stellen konnte, galt es noch, eine Persönlichkeit für eine Patenschaft zu gewinnen. Das sei mit der Bundestagsabgeordneten Esther Dilcher gelungen, die wegen der Kanzlerwahl noch in Berlin weilte und an der Veranstaltung in der Brückner-Schule nicht teilnehmen konnte. Sie ließ sich durch Lukas Mühlbauer vertreten.

Sowohl Bad Emstals Bürgermeister Stefan Frankfurth, als auch die Erste Kreisbeigeordnete Silke Engler begrüßten die Entscheidung der „Schulfamilie“, wie Engler sagte, Schule ohne Rassismus sein zu wollen. Die Schule mache damit deutlich, dass sie „für eine tolerante, offene und bunte Welt“ stehe.

Die Aufnahme ins Netzwerk erfolgte dann per Videoschalte. Landeskoordinatorin Sabrina Becker präsentierte die Urkunde. Sie machte deutlich, dass die Aufnahme keine Auszeichnung für bislang geleistete Arbeit sei, sondern der „Startschuss für einen nachhaltigen Prozess“. (Norbert Müller)

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