Bad Emstaler Firma für Werkzeugmaschinen

Mit Generalüberholung Geld sparen: MMD peppt Maschinen auf

In der großen Halle der Firma MMD Werkzeugmaschinen: Rechts Geschäftsführer Frank Muehlaus, links Produktionsleiter Mathias Buse, der schon – wie viele andere MMD-Mitarbeiter auch – zuvor im Bad Emstaler Maho-Werk arbeitete. Maho stellte am Standort Bad Emstal Werkzeugmaschinen her und ging 1992 pleite. Bis 2004 überholte MMD ausschließlich-Maho-Maschinen. Foto:  Norbert Müller

Bad Emstal. Die Kundschaft ist international, die bei der Bad Emstaler Maschinenbaufirma MMD ihre teuren Geräte runderneuern lässt. Das Aufarbeiten der Maschinen ist für die Kunden wesentlich günstiger als eine Neuanschaffung. 

Frank Muehlaus macht einen entspannten Eindruck. Wen wundert’s: Seine Firma, die MMD Werkzeugmaschinen-GmbH in Bad Emstal, ist international gefragt. MMD hat sich auf das Überholen und den Service von allen hochwertigen Werkzeugmaschinen im Bereich Fräsen, Drehen und Schleifen spezialisiert. Ein Arbeitsfeld, wie der Geschäftsführende Gesellschafter Muehlaus betont, das eigentlich immer Konjunktur hat.

„Läuft die Wirtschaft schlecht, können sich kleine Firmen keine neuen Maschinen leisten“, sagt er, sie lassen die alten runderneuern. „Und wenn die Wirtschaft brummt, dann kommen die Großen mit ihren Gebrauchten“, weil es wegen der steigenden Nachfrage beim Neukauf zu extrem langen Lieferzeiten kommt. „Aber eine Überholung ist nach drei Monaten durch“, und die Maschinen so gut wie neu. Muehl-aus: „Beim Überholungsgeschäft haben wir es mit einem sehr konstanten Markt zu tun.“

Der umfasst neben Deutschland, Frankreich, Italien und die Benelux-Staaten vor allem Russland. Die Geschäfte mit den Kunden in Putins Reich florieren, trotz des Embargos. Oder gerade deswegen. „Die Russen kaufen nicht zu bei den Maschinen, sondern lassen verstärkt überholen.“ Dieser Bereich sei von den Sanktionen nicht betroffen. Und so sagt der Chef von insgesamt 74 Mitarbeitern mehr als zufrieden: „Wir gehören zu den Wenigen, die von der Russland-Krise profitieren.“

Namhafte Kundschaft hat die Firma MMD, die es seit 1994 in Bad Emstal gibt, auch in Deutschland. Audi gehört beispielsweise dazu und auch Volkswagen. Von VW in Baunatal wird gerade eine wuchtige, zehn Jahre alte Maschine generalüberholt. Das 40 Tonnen schwere Gerät wurde per Schwertransport geliefert. Die Maschine ist inzwischen zerlegt, die ersten neuen Komponenten werden bereits eingebaut.

Das Überholen einer Maschine kostet im Schnitt 30 bis 35 Prozent des Neupreises. Wenn der Kunde auch einen Steuerungsumbau mit Installieren der neuesten Technik wünscht, steigen die Kosten auf 40 bis 45 Prozent des Neupreises, sagt Muehlaus. Zum Preisvorteil kommen für den Kunden noch weitere: „Man braucht keine neuen Werkzeuge, kein neues Fundament zum Aufstellen, und die Mitarbeiter sind mit der Maschine vertraut.“ Die Hardware der Steuerung wird von MMD eingekauft, die Software selbst entwickelt.

Trotz treuer Kundschaft – laut Frank Muehlaus sind 80 Prozent Stammkunden – hat man sich in jüngster Vergangenheit etwas umorientiert im Überholungsbereich: von kleinen und mittelgroßen Maschinen zu mittleren und großen. „Bei den kleinen Maschinen ist die Überholung nicht mehr lukrativ“, sagt der Geschäftsführer. Asiatische Geräte seien neu so günstig wie eine Überholung in Deutschland. „Die Maschinen wirft man dann raus und kauft gleich neu.“

Ein Geschäft, das sich die Bad Emstaler nicht entgehen lassen: Man lässt in Taiwan neue Maschinen bauen, die dann mit einem neuen Label unter dem Dach von MMD vertrieben werden. „Etwa 40 Neumaschinen verkaufen wir pro Jahr“, sagt der Chef, bei den Überholungen schaffe man – je nach Größe – 50 bis 60 Maschinen.

Pro Jahr komme man so auf einen Umsatz von „knapp zehn Millionen Euro“.

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