Auszeichnung mit der "Kasseler Polizeimedaille"

Bad Emstal: Mutiger Autofahrer stoppt bewaffneten Dieb - Jetzt wird er belohnt 

+
Hinter dem Busch, auf den Thorsten Siebert-Gutbier zeigt, überwältige er einen bewaffneten Räuber, der zuvor die Apotheke in Sand überfiel.

Ein Bad Emstaler wird mit der Polizeimedaille ausgezeichnet. Couragiert griff er ein, als ein Dieb davon rannte. Erst später wurde ihm bewusst, in welcher Gefahr er  schwebte.

Sand – Eigentlich wollte Thorsten Siebert-Gutbier nur mit seiner Frau und den beiden Kindern auf den Weihnachtsmarkt fahren. Das tat er dann später auch – doch vorher überführte er einen bewaffneten Räuber.Für seine Zivilcourage erhielt er am Montag die Kasseler Polizeimedaille. 

Doch was war genau passiert?

Mit seiner Familie im Auto fuhr Siebert-Gutbier am 4. Dezember auf der Kasseler Straße im Bad Emstaler Ortsteil Sand, als er sah, wie zwei Frauen, die Chefin und eine Angestellte der Apotheke Beyl, um Hilfe rufend einen maskierten Mann verfolgten. Der Gedanke, dass irgendetwas falsch sei, schoss dem Familienvater durch den Kopf und er sagte zu seiner Frau: „Den schnapp’ ich mir!“

Gesagt getan. Er drückte auf das Gas, bog erst in die Hermann- dann in die Schulstraße ab und entdeckte den davon sprintenden Mann in der Nähe des Kindergartens Zwergenhöhle. Mittlerweile verfolgte nur noch eine Apothekerin den flüchtigen Mann und diese war schon weit abgeschlagen.

Bad Emstal: Im Garten konnte er den Dieb schnappen

Der 43-Jährige sah, wie der Räuber in einen Garten geflüchtet war, fuhr auf den Hof des Grundstücks schräg gegenüber des Bäckers Oliev, sprang aus seinem Auto und über ein niedriges Gartentor. Dort im Garten hinter einem Busch überwältigte er den Täter, der vor lauter Schreck das erbeutete Geld, dass er allen Anschein nach gerade zählen wollte, und das zwanzig Zentimeter lange Küchenmesser wegwarf. 

Den Überraschungsmoment hatte Siebert-Gutbier auf seiner Seite. Danach kam es zwischen den Männern zu einem leichten Gerangel, ehe sich der mutige Sander auf den Brustkorb des Mannes setzte und ihn so fixierte. Auf die Frage, was er gemacht habe, erwiderte der Täter nur wilde Geschichten. Siebert-Gutbier vermutet, dass der sehr sportliche, große Mann unter dem Einfluss von Drogen stand.

Bad Emstal: Gerade in der heutigen Zeit sollten Menschen für Mitmenschen da sein

Eigentlich ist der Familienvater ein eher ruhiger Typ, der sich von Schlägereien fernhält, doch in diesen Momenten hatte er keine Angst und wollte nur Gerechtigkeit ausüben. „Gerade in der heutigen Zeit sollten wir für unsere Mitmenschen da sein“, erzählt Siebert-Gutbier und ergänzt, dass vielleicht auch die Tatsache, dass der Vorfall kurz vor Weihnachten passierte, etwas in ihm auslöste.

Seine Frau sagte ihm später, dass sie ihn während der Verfolgungsjagd kaum wiedererkannt habe. Er selbst sagt, er sei, wie in einem Tunnel gewesen und hätte seine Außenwelt ausgeblendet.

Dieb war bewaffnet

Als der 43-Jährige den Mann im Garten festhielt, kam die Tochter des Hausbesitzers heraus, Siebert-Gutbier forderte sie auf, die Polizei zu rufen. Währenddessen erreichte auch die Apothekerin den Garten und warnte ihm vor dem Messer. Siebert-Gutbiers Frau rief derweil einen Arbeitskollegen an, den sie auftrug, Kabelbinder mitzubringen. Gemeinsam mit dem Kollegen bewachte Siebert-Gutbier den Mann und ließ ihn auf die Terrasse setzen. 

Kurz darauf, für Siebert-Gutbier fühlte es sich trotzdem sehr lange an, kam die Polizei mit einem zivilen Wagen und einem Polizei-Transporter.

Erst im Nachhinein wurde er sich der Gefahr bewusst

Erst im Nachhinein realisierte der Anlagen-Mechaniker, was er gerade getan hatte. Erst als er tatsächlich mit seiner Familie auf dem Weihnachtsmarkt war, wurde ihm bewusst, dass er einen Täter eines bewaffneten Raubüberfalls geschnappt hatte. Und wie gefährlich das eigentlich war. Weitere Bedenken, was alles hätte schief gehen können, schob er aber beiseite.

„Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, den Räuber aus dem Verkehr gezogen zu haben“, sagt Siebert-Gutbier. So hätte er dazu beitragen können, dass nichts weiter passiert sei.

Die Anerkennung des Polizeipräsidiums Nordhessen und des Vereins Bürger und Polizei freut ihn.

Verleihung der Polizeimedaille in Kassel

Das Polizeipräsidium Nordhessen und der gemeinnützige Verein Bürger und Polizei in Kassel verliehen die „Kasseler Polizeimedaille“ gestern zum 21. mal. Die Ehrung geht an Menschen, die im vergangenen Jahr die Kasseler oder nordhessische Polizei in bemerkenswerter Weise unterstützt haben. 

In diesem Jahr wurden acht couragierte Männer ausgezeichnet. Vier von ihnen schritten bei beobachteten Diebstählen oder versuchten Diebstählen ein, hielten den Tatverdächtigen bis zum Eintreffen der Polizei fest oder fotografierten denjenigen, sodass schnelle Identifizierungen möglich waren. Unter den Ausgezeichneten sind außerdem ein Bankmitarbeiter, der einen Enkeltrick verhinderte, ein 93-Jähriger, der einen Serienstraftäter mit Handyfotos überführte und zwei junge Männer, die eine schwere Körperverletzung verhinderten.

Wie 2018 Bürger der Polizei halfen, lesen sie hier.  

Von Sandra Böhm

Die Polizei hat auch acht Preisträgern in Kassel eine Auszeichnung verliehen für ihre Hilfe bei der Erfassung von Straftätern: unter ihnen der 93-jährige Winfried Reh.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.