Mit fliegendem Auge Kitze retten

Rehkitzretter: Mit einer Drohne wird in den frühen Morgenstunden nach jungen Rehen gesucht

Das fliegende Auge: Auf etwa zehn Meter Höhe lässt Drohnen-Pilot Florian Bayan sein Fluggerät steigen, um mit der angehängten Wärmebildkamera Kitze im hohen Gras aufzuspüren. In der Bildmitte Wolfgang Kommallein, Vorsitzender des Kreisjagdvereins Wolfhagen, der von dem System überzeugt ist. Rechts Jagdpächterin Mareike Albert, mit einem zweiten Monitor. In ihrem Revier bei Balhorn ging man Mittwoch ab 4.30 Uhr auf die Suche.
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Das fliegende Auge: Auf etwa zehn Meter Höhe lässt Drohnen-Pilot Florian Bayan sein Fluggerät steigen, um mit der angehängten Wärmebildkamera Kitze im hohen Gras aufzuspüren. In der Bildmitte Wolfgang Kommallein, Vorsitzender des Kreisjagdvereins Wolfhagen, der von dem System überzeugt ist. Rechts Jagdpächterin Mareike Albert, mit einem zweiten Monitor. In ihrem Revier bei Balhorn ging man Mittwoch ab 4.30 Uhr auf die Suche.

Rehkitze liegen in der ersten Zeit im hohen Gras versteckt. Das wird ihnen zum Verhängnis, wenn Landwirte ihre Grünflächen mähen. Ein Ippinghäuser hält mit einer Drohne nach ihnen Ausschau.

Balhorn – Seit gut zwei Wochen ist Florian Bayan fast jeden Morgen auf der Pirsch. Und das, obwohl er mit der Jagd eigentlich nichts am Hut hat. Hinter Rehkitzen ist er her, und das mit richtig viel Passion. Bayan will Beute machen, daran lässt er keinen Zweifel. 

Aber nicht mit einer Waffe, sondern mit seiner Drohne, einem handlichen Fluggerät mit sechs Propellern und zwei Kameras an Bord.

Eines der kleinen optischen Geräte ist eine Wärmebildkamera. Mit ihr lassen sich Menschen und Tiere, deren Körpertemperatur deutlich über den Werten von Luft und Boden liegen, auf einem Monitor sichtbar machen, auch wenn sie sich verborgen halten. Im hohen Gras beispielsweise.

Da sind derzeit die zum Teil erst wenige Tage alten Kitze von ihren Müttern abgelegt. Nur zum Füttern suchen die Ricken ihren Nachwuchs auf. Ansonsten bleiben die Kleinen, die der Mutter noch nicht folgen können, im hohen Gras zurück. 

Droht Gefahr, ducken sie sich. Und das wird ihnen in diesen Tagen häufig zum Verhängnis, denn die Landwirte mähen derzeit die Grünflächen, um die Silage als Futter fürs Vieh einzubringen, bald folgt die Mahd fürs Heu.

Grüne und rote Flecken auf blauen Hintergrund: Da ist ein Kitz versteckt

Wolfgang Kommallein, Vorsitzender des Kreisjagdvereins sagt, dass jährlich 40 000 bis 50 000 Kitze in den Mähwerken sterben, im Wolfhager Land seien es zwischen 40 und 100. Gemeinsam mit Florian Bayan und Mareike Albert ist er am Mittwoch in Alberts Jagdrevier bei Balhorn unterwegs. 

Hier sollen in Kürze Wiesen gemäht werden, weiß man von den Landwirten, und nun ist der 29-jährige Ippinghäuser mit seinem Fluggerät gefragt, er soll klären, ob sich Kitze auf den Flächen befinden.

Zuhause hat er seine Drohne bereits mit den Koordinaten für die abzusuchenden Wiesen gefüttert. Kurz vor Sonnenaufgang steigt der wendige Copter erstmals in die Dämmerung. Auf zehn Meter Höhe zieht er automatisch Bahn um Bahn. Bayan hat den Monitor an seinem Steuergerät im Blick. Ein Tier würde sich farblich deutlich vom dunklen Blau des kalten Bodens abheben. 

Blick auf den Monitor: Die kühle Wiese ist als blaue Fläche zu sehen, Tiere – oder wie hier die Gruppe der Suchenden – werden je nach Temperatur zwischen Grün und Rot abgebildet.

Wenn er eins entdeckt, würde er seine Drohne über dem Fundort in der Luft stehen lassen. Seine Begleiter können das Tier dann vorsichtig aus der Gefahrenzone bringen. Alternativ könnte er auch dem Jagdpächter oder dem Landwirt die GPS-Koordinaten geben, damit diese das Kitz später in Sicherheit bringen können.

Rehkitzretter steht jede Nacht um 4 Uhr auf

An diesem Morgen überfliegt Bayan, hauptberuflich Rettungsassistent, insgesamt gut acht Hektar Grünfläche, ein Kitz findet er nicht. „Auch gut“, sagt er, „dann ist in diesem Bereich aktuell auch kein Kitz in Gefahr.“ Hier kann dann gemäht werden. 

Bei Sonnenaufgang ist Schluss mit der Suche, die Strahlen erwärmen die Wiesen, kleine Erdhügel heizen sich auf, führen auf eine falsche Fährte. Ein wolkenverhangener Himmel schenkt etwas mehr Zeit.

Gut versteckt: Der Naumburger Landwirt Thomas Hocke hat beim Absuchen seiner Wiesen vor dem Mähen schon sechs Kitze gefunden und gerettet. Hier ein Foto von einem Zwillingspärchen. 

Noch ist das Ganze für Florian Bayan ein Hobby, aber er spielt mit dem Gedanken, ein Gewerbe anzumelden. Denn er ist gefragt: „Seit zwei Wochen stehe ich eigentlich jede Nacht gegen vier Uhr auf.“ Bis kurz nach Sonnenaufgang ist er dann auf der Pirsch. Zu erreichen ist der Rehkitzretter unter 0 15 22/33 04 582.

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