„Alles drehte sich ums Geschäft“

Diese drei Frauen prägten ein halbes Jahrhundert die Geschäftswelt in Sand

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Geschäftsfrauen aus Sand: Beim Stöbern in alten Fotoalben werden bei Marianne Schwarz, Uschi Schlimbach und Elfriede Schmidt (von links) wieder glückliche Erinnerungen an die Anfänge ihres Geschäftsleben im Dorf wach.

Bad Emstal. Zusammen sind sie 237 Jahre alt und haben ein halbes Jahrhundert lang die Geschäftswelt in Sand mitgeprägt: Elfriede Schmidt (75) Uschi Schlimbach (81) und Marianne Schwarz (81).

Die drei Geschäftsfrauen haben dabei viel erlebt. Die Sanderin Elfriede Schmidt erzählt, dass es vor 50, 60 Jahren noch kein Bad Emstal gegeben habe, sondern nur das kleine Dorf Sand. Damals hätten die Einwohner die Zeitung und Schulhefte im Schreibwarengeschäft Schmidt, die Waschmaschine bei Schlimbachs Elektrohandel und das Radio im Fernseh- und Radioladen Schwarz gekauft.

„Unser Laden war winzig und wir verkauften anfangs nur Schallplatten und Musikkassetten“, erinnert sich auch Uschi Schlimbach, die mit ihrem Mann aus Thüringen nach Sand kam.

Wirtschaftswunderjahre brachten Aufschwung nach Sand

In den Anfängen des Geschäftslebens haben die Frauen den Laden geführt und die Ehemänner waren überwiegend anderweitig beschäftigt. Doch die Wirtschaftswunderjahre erreichten auch Sand. Der Bau des Feriendorfs Habichtshof und besonders das Thermalbad brachten Aufschwung.

Elfriede Schmidt erzählt, dass sie im Schreibwarengeschäft am Anfang sogar noch eine Leihbücherei mit einer Leihgebühr von 10 bis 30 Pfennig pro Buch gehabt hätten.

Doch dann wurden Geschäft und Sortiment erweitert um eine Toto/Lotto-Annahme, Geschenkartikel und Spielzeug. Ihr Mann sei eine Zeit lang jeden Mittwoch zum Großhändler nach Kassel gefahren und habe das Auto mit Plastikspielzeug vollgeladen.

"Geregelte Arbeitszeiten und Freizeit kannten wir kaum"

Bedingt durch den Bauboom expandierten auch das Elektrogeschäft Schlimbach und das Radio- und Fernsehgeschäft Schwarz. Die drei Geschäftsfrauen übernahmen ganz selbstverständlich neben Haushalt und Kindererziehung auch den Verkauf im Laden. „Geregelte Arbeitszeiten und Freizeit kannten wir kaum, denn es drehte sich alles ums Geschäft“, sagt die gebürtige Sanderin Marianne Schwarz.

So manche lustige oder ärgerliche Begegnung mit Kunden hätten sie gehabt, meint auch Uschi Schlimbach. Und Elfriede Schmidt fügt hinzu, dass die Leute nicht nur zum Einkaufen gekommen wären, sondern auch, um mal wieder „ein kleines Schwätzchen“ zu halten.

Sie sind immer noch im Geschäftsleben eingebunden

Trotz ihres Alters sind alle drei Frauen immer noch sehr im Geschäftsleben eingebunden. So haben sie auch die wirtschaftlichen Einbrüche durch den Online-Handel und die Digitalisierung mitbekommen. Mit der derzeitigen wirtschaftlichen Situation im Ort sind sie nicht zufrieden, aber mit ihrem Leben insgesamt schon.

Eigentlich könnten sie als Rentnerinnen die Füße hochlegen, denn auch die Nachfolge der Geschäfte ist geklärt. Doch das kommt für sie nicht in Frage. Der Laden sei ihr Lebenswerk, die Arbeit mache Spaß und habe sie fit gehalten. Deshalb würden sie auch weiterhin mitarbeiten, versichern die drei jung gebliebenen Seniorchefinnen aus Sand.

Termin: Frauen berichten im Erzählcafé

Elfriede Schmidt, Uschi Schlimbach und Marianne Schwarz werden unter dem Thema „Dörflicher Handel und Wandel“ im Erzählcafé des Bad Emstaler Kultur- und Geschichtsvereins am Samstag, 19. Januar, ab 15 Uhr im Festsaal der Vitos Klinik, Merxhausen, bei Kaffee und Kuchen über ihr Leben als Geschäftsfrauen erzählen. Eintritt: 5 Euro.

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