Mängel am Dach seien bereits bekannt gewesen

Schließung der Therme Bad Emstal: Geschäftsführer macht der Gemeinde Vorwürfe

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Nicht gut zu sprechen auf die Gemeinde Bad Emstal: Hans-Ulrich Plaßmann, Geschäftsführer der Arcadia Vita GmbH. 

Bad Emstal. Der Geschäftsführer der Therme Bad Emstal, Hans-Ulrich Plaßmann, ist nicht gut auf die Gemeinde zu sprechen. "Die Dinge werden nicht richtig angepackt", sagt er. 

Von einer großen Betroffenheit unter den Patienten berichtet Birgit Bring, die für Arcadia Vita im Anbau der Therme in Bad Emstal an der Rezeption sitzt und Gäste empfängt. Viele seien traurig, bei einigen liefen Tränen. Sie erkundigten sich nach alternativen Behandlungen, um eine geeignete Therapie für ihre gesundheitlichen Probleme zu finden.

Mit Sperrung der Therme wegen Einsturzgefahr des Daches ist der Badbereich mit dem Heilwasser für sie ebenso tabu wie für alle übrigen Gäste. Der medizinische Bereich mit dem Bewegungsbecken, in den Arcadia Vita bereits investiert hat und der für deren Patienten vorgesehen ist, sei bereits seit anderthalb Jahren geschlossen, sagt Geschäftsführer Hans-Ulrich Plaßmann. Grund hierfür: morsche Balken. Um weiterhin Wasser-Therapien anbieten zu können, durften die Arcadia-Patienten stundenweise das große Thermenbecken nutzen.

Nichts Schriftliches

Auf die Gemeinde Bad Emstal ist Plaßmann derzeit nicht gut zu sprechen. Nach der Krisensitzung Ende November, bei der die Sperrung der Therme bekanntgegeben wurde, habe er von Bürgermeister Ralf Pfeiffer (parteilos) bis heute nichts Schriftliches erhalten. So beruhe die Weiterbehandlung der Patienten im Anbau der Therme lediglich auf der Annahme, dass dieser Bereich von der Schließung nicht betroffen sei, sagt Plaßmann, der bis vor fünf Jahren als Architekt gearbeitet hat.

Der Unternehmer wirft der Gemeinde mangelnde Entschlossenheit beim Herangehen an die baulichen Mängel der Immobilie vor. „Die Dinge werden nicht richtig angepackt.“ Die Probleme am Bewegungsbad seien seit zwei Jahren bekannt. Im Dezember 2014 sei Wasser vom Dach getropft. Einige Monate später wurde der Bereich geschlossen. Verschiedene Gutachten seien zwar erstellt worden, denen folgten aber keine Taten. So sei auf seine Empfehlung hin Bauphysiker Dr. Thomas Duzia aus Wuppertal eingeschaltet worden, sagt Plaßmann. In dessen Gutachten gebe es klare Handlungsempfehlungen, auch seien die einzelnen Interventionsschritte mit Kosten hinterlegt. So sollte die Sanierung des Daches über dem Bewegungsbecken etwa 390 000 Euro kosten, zuzüglich der Mehrwertsteuer. Mit allein 110 000 Euro schlage der Anteil zu Buche, der für Arbeiten an der Lüftung anfalle. „Das deutet darauf hin, dass es neben den Mängeln am Dach auch größere Probleme mit der Lüftung gibt.“ Basierend auf dem Duzia-Gutachten habe die Gemeinde zwar Zuschüsse aus dem Kommunalen Investitionsprogramm beantragt. Jedoch seien keine Überlegungen angestellt worden, welche Notfallmaßnahmen ergriffen werden könnten und wie eine grundhafte Sanierung aussehen könnte.

Das sagt der Bürgermeister: 

Die mündliche Information, wonach die Therme gesperrt ist, sei für Hans-Ulrich Plaßmann bindend, sagt Bad Emstals Bürgermeister Ralf Pfeiffer. In dieser Frage habe er sich mit dem Rechtsanwalt der Gemeinde beraten. Pfeiffer beruft sich dabei auf das Hessische Gesetz für Sicherheit und Ordnung. Um die Aussagen zu untermauern, werde Plaßmann in den kommenden Tagen ein Schreiben des Rechtsanwaltes bekommen. Der Rathauschef geht derzeit davon aus, dass Schäden, die Arcadia Vita entstanden sind, ersetzt werden.

Die Gemeinde verfolge zudem die Frage, inwieweit in der Vergangenheit bei Arbeiten Fehler begangen wurden. Sollten Fehler gemacht worden sein, müsse geklärt werden, wer diese zu verantworten habe. Hinsichtlich des Zeitpunkts, seit dem die Mängel am Dach bekannt sind, sagt Pfeiffer: „In dieser Tragweite wissen wir das erst seit Ende November.“ Am Dach sei ja auch erst vor acht, neun Jahren gearbeitet worden. Vor anderthalb Jahren habe ein Gutachter entdeckt, dass es an den Trägern im Bereich des Bewegungsbades einen Pilzbefall gibt. Das habe weitere Überprüfungen nach sich gezogen. In deren Folge seien die massiven Schäden am Dach deutlich geworden.


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