Baugeschichte des Gutshofes

Gutshof Riede: "Schornsteinbusen" und dicke Gefängnismauern

Wuchtiges Gebäude: Der Gutshof wurde im Jahr 1682 von Wolradt von Meysenbugk erbaut. Der Adlige war als Marschall in landgräflich hessischen Diensten. Rechts im Bild Norbert Zimmermann, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Schlosses Riede. Foto:  Norbert Müller

Bad Emstal. Spannende Einblicke in die Baugeschichte des Gutshofes Riede gibt ein neues Buch, das der Verein zur Förderung des Schlosses Riede herausgebracht hat.

Ihr Gefängnis ließ sich die Herrschaft etwas kosten: Etwa den Jahresverdienst eines Schäfers investierte Wolradt von Meysenbugk 1685, seinerzeit Eigentümer von Schloss Riede, um Delinquenten sicher wegschließen zu können. Das finstere, keine neun Quadratmeter große Sandstein-Verlies ist bis heute erhalten.

Dass es all die Jahrhunderte überstand, ist ein Beleg dafür, dass der adlige Herr zu Riede von Leichtbauweise bei der Gestaltung seines dem Schloss vorgelagerten Gutshofes nichts hielt. Um genau diesen Hof mit seinen verschiedenen Gebäuden, Vorwerk genannt, geht es in der neuesten Veröffentlichung des Vereins zur Förderung des Schlosses in Riede e.V.

Vermögender Adel

Auf fast 120 Seiten hat das Autorenteam um den Vereinsvorsitzenden Norbert Zimmermann eine „Baugeschichte und Bestandsaufnahme“ verfasst, die die Entwicklung des Vorwerks detailliert nachzeichnet. „Das Vorwerk des Schlosses zu Riede“ beleuchtet die Bauaktivitäten ab 1680. Es ist ein Werk, das auch den heimatgeschichtlich interessierten Laien mitnimmt in eine Zeit, als der vermögende Landadel, und dazu zählte Wolradt von Meysenbugk, standesgemäß baute.

Die Autoren geben zunächst über eine Zeittafel einen Überblick über die Geschichte Riedes, das erstmals 1074 erwähnt wurde. Seine Blüte erlebte der heutige Ortsteil Bad Emstals, als Dorf und Burg im Besitz der von Meysenbugks waren (1443 bis 1810).

Norbert Zimmermann beschreibt die Baugeschichte des Vorwerks. In den zehn Kapiteln vergisst er auch nicht, den Bauherrn gebührend vorzustellen, ehe er auf Gebäude wie Kirche, Burgscheune und das Kutschenhaus eingeht, aber auch die Küchengärten vorstellt.

Die Nutzungs- und Baugeschichte des Gutshauses rekonstruiert Elmar Altwasser vom Freien Marburger Institut für Bauforschung und Dokumentation e.V. Aufmaßzeichnungen des Architekten Manfred Quehl ergänzen den Schwerpunkt Gutshaus.

Bauholz aus Wolfhagen

Richtig lebendig wird der Blick auf die Bautätigkeit in Riede zwischen 1672 und 1686 durch kommentierte Ablichtungen alter Handschriften und Zeichnungen. Horst Zimmermann hat sie gesichtet und mit dem nötigen Gespür in heutiges Deutsch übersetzt. Da geht es auch um das Problem, geeignete Materialien zu finden. Elbische und Sandische Ziegel, erfährt man, seien nicht von so hoher Qualität wie jene aus Kassel. Bauholz wird nicht nur aus der näheren Umgebung bezogen, sondern beispielsweise auch aus Wolfhagen herangeschafft. Von einem Fenstermacher aus Zierenberg ist die Rede. Und vom Brau- und Backhaus. Die Feuerstellen wurden mit einem großen hölzernen Rauchfang, einem „Schornsteinbusen“ ausgestattet.

Und schließlich wurde das kleine Gefängnis gebaut. Auch diese Räumlichkeit ist erhalten geblieben und dient den heutigen Eigentümern, der Familie Kahl, als Abstellraum.

Das hochwertige und üppig bebilderte Buch ist zum Preis von zehn Euro erhältlich in Bad Emstal in der Buchhandlung Schmidt und in Wolfhagen in der Buchhandlung Mander. Außerdem kann es per Mail bestellt werden: FoerdervereinSchlossRiede@freenet.de.

Von Norbert Müller

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