Serie "Was macht eigentlich?" 

Sportfunktionär Bechtel: „Ich halte mich jetzt raus“

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Auch zu Hause im Trainingsanzug: Gerhard Bechtel hat für seine ehrenamtliche Arbeit für den Sport zahlreiche Auszeichnungen bekommen. In mehreren Räumen hängen Urkunden an den Wänden.

Bad Emstal. In unserer Serie "Was macht eigentlich?" stellen wir das Leben von Persönlichkeiten des Wolfhager Landes jenseits der großen Bühne vor. Diesmal ist es Gerhard Bechtel.

„So viele hat wohl kaum einer gesammelt“, sagt Gerhard Bechtel mit Blick auf die vielen Urkunden an seinen Wänden - darunter auch das Bundesverdienstkreuz. Verliehen bekommen hat der mittlerweile 80-Jährige die Auszeichnungen für sein ehrenamtliches Engagement für den Sport in der Region. Nahezu sein gesamtes Leben hat er beim SSV Sand nicht nur aktiv gespielt, sondern sich vor allem ehrenamtlich engagiert.

Dennoch ist er bescheiden und möchte nicht groß herausgestellt werden. „Es gibt viele, die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen leisten.“ Mittlerweile lässt es Gerhard Bechtel ruhiger angehen. Aus den Vorständen hält er sich bewusst zurück. „Ich hätte damals auch nicht gewollt, dass sich jemand einmischt. Wer Boss ist, ist Boss.“ Bei schwierigen Entscheidungen wird er aber noch um Rat gebeten. Im Sportkreis der Region Kassel ist er als Ehrenvorsitzender gefragt.

„Man muss die Menschen wieder ermutigen, Positionen im Verein zu übernehmen.“

Mit zwölf Jahren trat Bechtel in den SSV Sand ein. Schon mit 18 wurde er Jugendleiter. Mit den Jahren übernahm er im Vorstand Verantwortung und war lange Vorsitzender des Sportkreises Wolfhagen, der mittlerweile zu einem Verbund im Landkreis Kassel gehört. Als es irgendwann nicht mehr genügend Schiedsrichter gab, erklärte sich Bechtel auch hierzu bereit. Später wurde er dann zum Schiedsrichter-Beobachter.

„Es gab Wochenenden, an denen Termin auf Termin folgte. Ich habe mit dem Kalender gelebt“, sagt Bechtel. Große Projekte wie den Bau eines neuen Sportplatzes hat er vorangetrieben. Das bedeutete Arbeit, die ihn nach Feierabend beschäftigte und viele Stunden gekostet hat. Rückblickend betrachtet erkennt er heute: „Die Familie hat darunter gelitten.“

Träger des Bundesverdienstkreuzes: 2008 zeichnete der damalige Landrat Dr. Udo Schlitzberger Gerhard Bechtel aus.

Heute kann er sich darüber freuen, dass seine Enkel sportlich aktiv sind. Beim SSV Sand steht er oft neben dem Platz. Sein kleines Arbeitszimmer betritt er nur noch selten. Doch regelmäßig setzt er sich an den Schreibtisch, um für die Vereinszeitung „Sander Höhe Aktuell“ zu schreiben. „In jeder Ausgabe gebe ich eine Situation vor und die Leser müssen überlegen, wie der Schiri entscheiden sollte.“

Durch seine langjährige Erfahrung im Ehrenamt macht sich Bechtel heute Sorgen, dass sich nicht genügend Freiwillige finden. „Die Verbundenheit zum Verein ist anders geworden. Man muss die Menschen wieder ermutigen, Positionen im Verein zu übernehmen.“ Heute sei kaum noch jemand bereit, ein Amt über viele Jahre zu bekleiden.

Ebenso beobachtet er eine weitere Veränderung in den Vereinen: „Gab es früher eher ein Wir-Denken, steht heute das Ich mehr im Vordergrund.“ Der Erfolg und das Tabellen-Denken sei entscheidender geworden. In Bechtels aktiver Fußballer-Zeit war das noch anders: „Wir waren zwar nicht die besten Spieler, aber wir waren eine Truppe und hatten Spaß.“

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