Stoßgebet nach dem Urteil

Einbrecher kommt mit Bewährungsstrafe davon

Aufatmen, Küsse und Umarmungen bei den Familienangehörigen im Zuhörerraum, ein Stoßgebet des 35-Jährigen Angeklagten – sehr emotional wurde am Freitag am Amtsgericht Kassel das Urteil wegen schweren Diebstahls gegen einen einschlägig vorbestraften Mann aus Herford aufgenommen.

Eineinhalb Jahre Gefängnis lautet die Strafe Einbrecher. Sie wird auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Der Verurteilte kam mit dem Urteilsspruch aus dem Gefängnis frei. In Wehlheiden hatte der geständige Einbrecher seit Mitte April in Untersuchungshaft gesessen, nachdem er noch in der Tatnacht von der Polizei in Bad Emstal festgenommen worden war.

Dort und in Niedenstein (Schwalm-Eder-Kreis) war er in drei Hotels und Restaurants auf Beutezug gegangen. „Planmäßig“, wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft betonte, und „zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes“. Sie forderte 21 Monate Haft wegen der Einbruchsserie.

Über 10.000 Euro waren in einem Tresor, den der Herforder in Bad Emstal mitnahm. In Niedenstein erbeutete er eine schwarze Kellnerbörse mit über 570 Euro. Der dritte Einbruchsversuch scheiterte in Bad Emstal, weil der Eindringling in einem Technikraum nicht weiterkam. Kurz darauf wurde er festgenommen – und gestand alle drei Taten. Sein Mandant sei wegen Streit mit der Lebensgefährtin und an der Arbeit in einer extremen Stresssituation gewesen, habe „mehr oder weniger im Auto gelebt“ und sich gescheut, in der Familie um Hilfe zu bitten, warb der Verteidiger um Verständnis.

Diese Situation habe sich mittlerweile geändert. Eine günstige Sozialprognose sei möglich, beteuerte der Anwalt in einem leidenschaftlichen Plädoyer und nannte die Untersuchungshaft, in der sein Mandant viel nachgedacht habe, „eine besondere Art der Paartherapie“.

Die Richterin ließ sich von diesen Argumenten beeindrucken, obwohl aus ihrer Sicht die Zukunftsprognose für den einschlägig vorbestraften Mann auf wackligen Füßen stehe. Aber immerhin sei der Herforder seit 2008 strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung getreten, sei offenbar familiär wieder eingebunden und habe Aussicht auf Arbeit. Deshalb setze sie die Strafe zur Bewährung aus, so die Richterin. Bis er Arbeit hat, muss der Mann außerdem 150 Sozialstunden ableisten. (and)

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