Messanlage im Klärwerk schlug Alarm

Giftige Stoffe im Abwasser: Ems entging knapp einer Umweltkatastrophe

Die Zentralkläranlage von Bad Emstal: In einem der Vererdungsbecken wird derzeit das verseuchte Wasser zwischengelagert. Am oberen Bildrand sind Häuser von Merxhausen zu sehen. Foto:  Norbert Müller

Merxhausen. Die Ems ist knapp einer Umweltkatastrophe entgangen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand hatte ein Mitarbeiter von Vitos giftige Stoffe über den Abwasserkanal entsorgt.

„Ich hänge heute schon den ganzen Vormittag am Telefon und spreche mit allen möglichen Unternehmen, damit wir keinen Fehler machen. Wir haben die giftige Brühe ja noch in der Kläranlage.“ Auch gut zweieinhalb Wochen nachdem wohl ein Mitarbeiter von Vitos Kurhessen in Merxhausen Chemieabfälle über den Abwasserkanal entsorgte und damit dem Flüsschen Ems beinahe eine Umweltkatastrophe beschert hätte, kostet der im Abfluss verklappte Chemiecocktail den Bad Emstaler Bürgermeister Ralf Pfeiffer (parteilos) täglich kostbare Arbeitszeit.

Rund 400.000 Liter Abwasser - versetzt mit Unkrautvernichter, Amoniaklösung, Desinfektionsmitteln und bislang noch unbekannten Chemikalien - lagert derzeit in einem Becken auf dem Gelände der Bad Emstaler Kläranlage. Wenn nicht die Messanlage des Klärwerks am Mittag des 12. August Alarm geschlagen hätte, weil ein Wert schlagartig in die Höhe schnellte, wäre die Brühe wohl in die Ems gerauscht. Mit fatalen Folgen.

So aber, erzählt der Verwaltungschef, eilten die Klärwärter zur Anlage, stellten fest, dass dort Wasser ankam, „das komisch roch und eine merkwürdige Farbe hatte“. Sofort stellten sie die Pumpen ab, das Abwasser sammelte sich in der Leitung, ohne weiteren Schaden anrichten zu können.

Schnell stellte sich heraus, dass das Wasser vom Pumpwerk Merxhausen weitergeleitet wurde. Dort wurde abgeriegelt, das verseuchte Wasser in einen Sammler der alten Kläranlage geleitet. Vom Pumpwerk führte die Spur zum Klinikgelände in Merxhausen.

„Wir haben dann die Behörden informiert“, berichtet Pfeiffer weiter, die Untere Wasserbehörde wurde ins Boot geholt, die Polizei und auch die Klinikleitung informiert.

Gesonderte Entsorgung

Mit der Wasserbehörde entschied man, die inzwischen aufgelaufenen rund 400 Kubikmeter kontaminierten Wassers per Tanklaster zur sicheren Zentralkläranlage zu schaffen. An die 40 Fuhren seien da zusammengekommen.

Zeitgleich sei mit der Polizei nach dem Verursacher gesucht worden. Wie inzwischen auch von Vitos bestätigt, soll ein Mitarbeiter „versehentlich flüssige Substanzen über den Abwasserkanal entsorgt“ haben, so Vitos-Sprecherin Andrea André.

Seit gestern weiß der Bürgermeister, dass das verseuchte Wasser nicht verdünnt über die Kläranlage abfließen darf. Eine Vorgabe der Unteren Wasserbehörde, so Landkreissprecherin Ute Jäger. Es muss gesondert entsorgt werden. Dafür benötigen die Spezialfirmen die genauen Inhaltsstoffe, die Ergebnisse der Laboruntersuchung.

Die Abfuhr des Gefahrguts, die Entsorgung des Chemiegemischs und die Sanierung des Beckens werde wohl mehrere hunderttausend Euro kosten, schätzt der Verwaltungschef. Eine ordnungsgemäße Entsorgung der Chemikalien über den Landkreis wäre nahezu zum Nulltarif möglich gewesen. Pfeiffer geht davon aus, dass die Kosten, da der Verursacher bekannt sei, von einer Versicherung übernommen werden. Wäre es nicht so, bliebe der Schaden an der Gemeinde und damit letztlich an den Bürgern hängen.

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