Traditioneller Wettbewerb in Bad Emstal

Wenn der Fuchs blitzt: Sander Schützen feuern mit Schwarzpulver

Gleich stinkt es: Wenn sich der Schuss gelöst hat, verbreitet eine Schwefelwolke den Geruch von faulen Eiern. Das Mündungsfeuer nennen die Schwarzpulverschützen – auf unserem Foto Timo Malkus – Fuchs. Fotos:  Michl

Das traditionellen Neujahrsschießen des Sportschützenvereins Sand ist etwas Besonderes: Zugelassen sind nur altertümliche Vorderlader-Gewehre.

Für die Schützen war das Tragen eines Ohrenschutzes und einer Schutzbrille ein absolutes Muss. Auch durften sie keine empfindlichen Nasen haben. Denn jedes Mal, wenn sie auf dem Stand im Schützenhaus „Auf den Birken“ einen Schuss abgaben, dann blitzte und donnerte es gewaltig und eine intensiv nach faulen Eiern riechende Schwefelwolke umhüllte sie.

Beim Neujahrsschießen wurde ausschließlich mit Vorderlader-Schwarzpulvergewehren geschossen. Die Sportgeräte waren überwiegend Nachbauten von historischen Originalwaffen, mit denen man im 18. und 19. Jahrhundert auf die Jagd ging, beziehungsweise in den Krieg zog.

Angefangen hatte in Sand alles 1982. Da machte Erich May, langjähriger Vorsitzender der Sander Sportschützen, seinen Sprengstoffschein. Der ist Grundvoraussetzung für das Laden und Schießen mit Schwarzpulver. Eine Vorderladerwaffe darf nur der Inhaber dieses Zertifikats laden, zudem muss dieser einem Schützen ohne Sprengstoffschein bei jedem Schuss als Aufsicht zur Seite stehen. Erich May: „Damals kostete mich der Sprengstoffschein rund 100 Mark, heute schlägt er locker mit 400 bis 500 Euro zu Buche.“ Behördlich überprüft werden die Sprengstoffscheininhaber alle fünf Jahre.

Zwei Gramm Pulver

Neben der nostalgischen Waffe benötigt man zum Vorderlader-Schwarzpulverschießen pro Schuss etwa zwei Gramm Schwarzpulver, die aus Blei hergestellte Kugel, Geschosspflaster und ein Zündhütchen. Damit wird das Gewehr oder die Pistole vom Mündungslauf her mit einem Ladestock gestopft.

Löst sich der Schuss, kracht es nicht nur ohrenbetäubend, sondern oft ist für Sekundenbruchteile auch der „Fuchs“ zu sehen. So wird von den Schwarzpulverschützen der Mündungsblitz aus dem Gewehrlauf, aber auch der Blitz aus dem Zündverschluss bezeichnet.

Seit Mitte der 1980er-Jahre ist Vorderlader-Schwarzpulverschießen ein fester Bestandteil im Sander Sportschützenverein. Die Schützen sind über die Vereinsgrenzen hinaus erfolgreich. Bei den jüngsten Hessischen Meisterschaften mit der Steinschlosspistole schoss sich Jörg Schmidt auf den ersten Platz, bei den „Deutschen“ gewann er die Bronzemedaille. Die Sander Perkussions-Pistolenmannschaft mit Alexander Maul, Ingo Päschke und Jörg Schmidt belegte bei den Hessischen Meisterschaften ebenfalls Rang drei.

Beim Neujahrsschießen musste jeder Schütze auf zwei unterschiedliche Motivscheiben jeweils fünf Schuss ins Ziel setzen. Absolvierte er auch noch einen Glücksschuss auf die Dartscheibe, kam er in die Kombinationswertung.

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