Thema ist wenig präsent

Wenn die Zunge streikt: Heute ist Welttag des Stotterns

+
Therapie am Bildschirm: Bei der vom Institut der Kasseler Stottertherapie mitentwickelten Teletherapie helfen Logopäden Patienten, die ihr Stottern in den Griff bekommen möchten.

Heute ist Welttag des Stotterns. Er soll das Leiden von Stotternden sichtbar machen. Etwa 800.000 Betroffene gibt es in Deutschland, doch nur wenige suchen Hilfe

Diese finden sie etwa bei der Kasseler Stottertherapie in Bad Emstal. Fragen und Antworten zum Thema:

Ist Stottern noch ein Tabuthema?

Kristina Anders, klinische Linguistin

„Tatsächlich kommt es vor, dass Eltern erzählt wird, sie sollen es ignorieren, wenn ihr Kind stottert“, sagt Kristina Anders, klinische Linguistin und therapeutische Leiterin der Kasseler Stottertherapie. Dabei zeigten aktuelle Forschungen, dass Eltern mit ihren Kindern behutsam über das Thema sprechen sollten, da es für die Kinder komisch sei, wenn der Gegenüber nicht reagiere, wenn sie kein Wort rausbringen. Generell ist das Thema Stottern in der Gesellschaft wenig präsent. Ältere Betroffene gehen sehr unterschiedlich mit ihrem Stottern um – je nach Temperament. „Während einige verunsichert sind, fühlen sich andere schnell angegriffen und wieder andere sind offen und selbstbewusst“, erklärt Anders.

Wann tritt Stottern auf?

Etwa fünf Prozent aller Kinder beginnen bis zum sechsten Lebensjahr zu stottern. Vereinzelt ist auch ein späteres Auftreten möglich. Grund ist, dass zwischen dem zweiten und dem sechsten Lebensjahr die Sprachentwicklung in rasanten Schritten erfolgt, sodass bei vielen Kindern Sprechunflüssigkeiten auftauchen. Nur bei etwa einem Prozent bleibt das Stottern.

Welche Ursachen hat Stottern?

Stottern ist genetisch bedingt, es gibt also eine Veranlagung. Oft sind mehrere Familienmitglieder betroffen. „Wir hören immer wieder, dass es in der eigenen Familie keine Fälle gebe“, sagt Anders. Allerdings wüsste längst nicht jeder, ob nicht der Urgroßvater oder ein Großonkel als Kind nicht doch gestottert habe. Psychische Pro-bleme wie Ängste sind dagegen keine Ursache des Stotterns, können aber die Folge sein.

Wann sollte man eine Therapie beginnen?

Im Kindesalter ist die Heilungsrate noch sehr hoch, mit der Pubertät sind sowohl ein Stotterbeginn als auch eine Rückbildung des Stotterns sehr selten, erklärt Anders.

Generell sollte man zeitnah eine Therapie beginnen, wenn die Symptome sehr häufig auftreten und wenn Eltern merken, dass ihr Kind unter dem Stottern leidet. Dann sollten sich Eltern zumindest beraten lassen.

Wie verhält man sich richtig im Umgang mit Stotternden?

Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören, nicht zu unterbrechen oder Sätze zu vervollständigen. „Viele Betroffene sagen außerdem, dass es ihnen unangenehm ist, wenn der Gegenüber keinen Blickkontakt hält, wenn sie stocken“, sagt Anders.

Über Worte stolpern: Das passiert beim Stottern

Bei chronischen Stotternden hemmt eine Störung der Sprachverarbeitung im Gehirn den natürliche Redefluss. Das kann sich auf dreierlei Arten äußern: Einzelne Silben oder Wörter werden wiederholt (Gu-Gu-Guten Tag), gedehnt (Gu-uu-uu-ten Tag) oder blockiert (G-G-G-Guten Tag). Diese Stotterarten treten oft gleichzeitig auf – Logopäden sprechen dann von Clustern-Symptomen. Zu diesen Symptomen zählen auch Grimassierungen: In schweren Fällen verziehen die Patienten ihr Gesicht oder verdrehen ihre Augen, während sie reden. Je früher Stottern therapiert wird, umso größer ist die Heilungschance.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.