Ungewöhnliche Immobilie

Aus Holz und Stroh: Zwei Merxhausener bauen ein ökologisches Haus

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Eigenheim aus Holz und Strohballen: (von links) Dipl.-Ingenieur Sebastian Mette von MetteHolzbau in Balhorn, Bauherr Dominik Bruchmann, Architektin Andrea Herbst und Architekt Ulrich Bräuning aus Grebenstein.

Merxhausen. Stroh, Holz und Lehm steckt im Haus von Dominik Bruchmann. Noch ist es nicht fertig, aber schon vom ersten Moment an ungewöhnlich. Denn die Materialien in Kombination sind relativ jung am Markt.

Für Bruchmann, der Lehrer an der Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal ist, sollte aber die Verwirklichung des Eigenheims auch ein Beitrag für die Umwelt sein. Zudem leiden er und seine Ehefrau Christiane Essig (30) unter Allergien. Da kommen einige herkömmliche Baustoffe nicht in Frage. Zudem wurden für die Herstellung des Hauses nur geringe Ressourcen und Energie verbraucht und auch der Energiebedarf im Haus wird sehr niedrig sein. Das waren weitere Aspekte für das Paar, ein Strohballenhaus zu bauen.

40 Kubikmeter Holz wurden bisher verbaut und 120 Kubikmeter Stroh. Die Holzständerkonstruktion wurde in den Hallen des Unternehmens Mette Holzbau in Balhorn angefertigt, zur Baustelle transportiert und montiert. 

100 Quadratmeter Wohnfläche

„Das ist auch für uns das erste Strohballenhaus“, sagte Sebastian Mette und ist sichtlich begeistert. Die Wohnfläche umfasst circa 100 Quadratmeter. Und schon jetzt ist zu erkennen, wie lichtdurchflutet der Wohnbereich wird. Kein Wunder bei bodenhohen Fenstern mit einer Höhe von drei Metern. Direkt davor kommt ein Balkon, auf das Dach Solarpaneele und eine Rasenfläche.

Einsetzen und verdichten: Die Strohballen werden in die Holzkonstruktion geschoben und dann verdichtet. Ganz links sieht man schon die Öffnung für die drei Meter hohen Fenster.

In knapp drei Monaten soll das Haus zumindest vom Innenausbau her fertig sein. Bis dahin wird Dominik Bruchmann mit Sebastian Mette (Holzbau-Mette in Balhorn) und den Architekten Ulrich Bräuning aus Grebenstein und Andrea Herbst noch einiges geleistet haben.

Auch Freunde des jungen Paares helfen an der Baustelle mit. Durch die Eigenleistung wird das Haus auch günstiger. Das Stroh wird in die Holzgefache eingebaut. Das klingt zunächst mal einfach, ist aber doch mit einigem Kraftaufwand verbunden. Mit Spanngurten und Muskelkraft wird das Stroh in die einzelnen Holzgefache gepresst und so verdichtet.

An der Baustelle spürt man, wie sehr alle hinter diesem Bauprojekt stehen und mit wie viel Eifer der Bauherr anpackt. Und der wird im neuen Haus nicht nur ein Arbeitszimmer haben – aus dem später ein Kinderzimmer werden könnte – er wird unterhalb der Wohnfläche auch einen großen hohen Fitnessraum haben. Denn der Sportlehrer wäre sicher nicht Sportlehrer, wenn er nicht auch sportbegeistert wäre.

Auch Stroh erfüllt Voraussetzungen zum Brandschutz

Dass viele Menschen zunächst mal Vorurteile gegenüber dem Baumaterial Stroh haben, weiß auch Architekt Ulrich Bräuning. Doch die kann er alle wiederlegen. Strohballenhäuser mit einer fünf Zentimeter dicken Lehmschicht erfüllen die Brandschutzklasse F90. Das bedeutet, dass eine solche Wand 90 Minuten einem Feuer widersteht. 

Und auch Mäuse haben wenig Lust auf dieses kornlose Stroh. Zumal sie auch keinen Zugang finden und sich in dem stark verdichteten Stroh auch nicht wohlfühlen würden. Stroh schimmelt, ja. Aber das tun andere Dämmstoffe auch, wenn sie feucht werden. Es ist alles eine Frage der Umsetzung und Planung. Und da verlassen sich die Bauherren auf kompetente Fachkräfte.

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