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Windpark Wolfhagen: Beteiligung der Anrainergemeinden geplant

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Von: Antje Thon

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Anfang 2023 beginnen die Arbeiten für den Windpark am Stadtwald Wolfhagen. 70 Gigawattstunden sollen ab 2024 produziert werden. 39 Millionen Euro werden investiert.

Wolfhagen – Beim Ausbau der Windenergie hechelt Deutschland seinen Zielen hinterher. 2020 seien Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1400 Megawatt ans Netz gegangen, 2021 seien Mühlen mit immerhin 1900 Megawatt zugebaut worden, sagt Stefan Kieweg, Geschäftsführer der Projektentwicklung Waldeck-Frankenberg, die den neuen Park zwischen Bühle und Ippinghausen betreiben wird.

Anfang nächsten Jahres fallen am Rand des Wolfhager Stadtwaldes die Bäume. Die Rodungsarbeiten sind erforderlich, um in einem Waldgebiet zwischen Bühle, Leckringhausen, Ippinghausen und Freienhagen einen Windpark mit vier Mühlen errichten zu können. Das hat jetzt Stefan Kieweg angekündigt, er ist der Geschäftsführer der Projektentwicklung Waldeck-Frankenberg GmbH & Co. KG, die den Park künftig betreiben wird.

Windpark Wolfhagen: Bäume müssen unwiederbringlich gefällt werden

Bereits Ende 2021 habe die Genehmigung für den Bau der Anlagen vorgelegen, in die das Verbands-Energie-Werk (VEW) mit Sitz in Korbach 39 Millionen Euro investiert. Dass die Arbeiten nicht schon in diesem, sondern erst im kommenden Jahr beginnen, habe zwei Gründe: Zum einen habe man nach der Genehmigung noch eine Änderung bei der Leistung der Windräder auf den Weg bringen können – sie werde nun sechs Megawatt pro Mühle betragen, statt zuvor 5,6 Megawatt. Zum anderen dürften die Rodungsarbeiten nur zwischen Anfang Oktober und Ende Februar über die Bühne gehen. Dieses Zeitfenster habe man 2021/2022 verpasst, sagt Kieweg.

Auf einer Fläche von 2,8 Hektar müssten unwiederbringlich Bäume gefällt werden. Auf weiteren 2,4 Hektar werde Wald vorübergehend gerodet, diese Fläche werde nach Abschluss der Bauarbeiten wieder aufgeforstet. Zudem sei das VEW verpflichtet, seinen Eingriff zu kompensieren. Hierfür werde bei Bad Arolsen eine vier Hektar große Fläche einer ehemaligen Standortschießanlage der Bundeswehr wieder mit Bäumen bestückt.

Im Mai soll der Bau der Windanlagen beginnen. Der Park mit einer jährlichen Energiemenge von bis zu 70 Gigawattstunden soll Ende 2024 ans Netz gehen. Mit der Windenergie können 20 000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Die Mühlen werden eine Gesamthöhe von 247 Metern haben. Die Anlieferung der Windenergieanlagen erfolgt über die A 44, ab Diemelstadt über Bundesstraßen in Richtung Wolfhagen und ab Landau weiter in Richtung Freienhagen. Von der Landesstraße geht es direkt in den Wald.

Wolfhagen: „Dringend benötigte Erzeugungskapazitäten aufbauen“

Doch das sei nicht genug. Nach den Vorgaben der Bundesregierung müssten weit mehr Windräder errichtet werden, ihre kumulierte Leistung müsse zwei bis drei Mal größer sein. „Wir sprechen also beim jährlichen Zubau von Anlagen mit einer Leistung von 4000 bis 7000 Megawatt“, sagt Kieweg, der sich ab Ende 2024 im Kreis Waldeck-Frankenberg um den Betrieb von Windmühlen mit einer Gesamtleistung von 66 Megawatt kümmern wird. 24 Megawatt der Summe steuern die dann neuen Anlagen nahe Ippinghausen bei.

Und weil der Ausbau der regenerativen Energien ins Stocken geraten sei, wolle der Bund nun ein Maßnahmenpaket zum Abbau von Genehmigungshemmnissen umsetzen. Das habe auch schon die vorherige Bundesregierung auf der Agenda gehabt. „Wir erachten es als zwingend erforderlich, entsprechende Hemmnisse umgehend abzubauen, um die dringend benötigten Erzeugungskapazitäten aufzubauen“, sagt der 49-jährige Diplom-Ingenieur.

Nachdem in der vergangenen Woche öffentlich wurde, dass Bernhard Klug, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) viele Jahre eine enge Verbindung zum umstrittenen Verein „Vernunftkraft“ hatte, äußert sich nun die Windpark Reinhardswald GmbH.
Windräder im Wald: Der Bau der vier Windkraftanlagen am nordöstlichen Rand des Landkreises Waldeck-Frankenberg, etwa 2,5 Kilometer entfernt von Ippinghausen und Leckringausen, wird am Wolfhager Stadtwald nicht spurlos vorübergehen. Die Rodungen beginnen Anfang 2023, der Anlagenbau soll im Mai starten. (Archivbild) © Thomas THiele

Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger und Kommunen am Windpark Wolfhagen

Die Betreibergesellschaft beabsichtige, Bürgern und Kommunen, die unmittelbar von der Errichtung der vier Windräder betroffen sind, eine Beteiligungsmöglichkeit einzuräumen. Im Falle der Städte und Gemeinden handele es sich um eine sogenannte „einseitige Zuwendung ohne Gegenleistung“, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt sei und die vom Betreiber freiwillig erfolge. Die Kommunen – das wären Bad Arolsen, Wolfhagen und Waldeck – könnten sie also nicht einfordern. Diese jährliche Zuwendung beträgt 0,2 Cent pro Kilowattstunde.

Bei einer Anlage mit einem Jahresertrag von 15 Millionen Kilowattstunden bedeutet dies 30 000 Euro. Der Betrag wird in Abhängigkeit von der Größe der jeweils betroffenen Flächen unter den Kommunen aufgeteilt. Hinsichtlich einer Bürgerbeteiligung wolle das VEW erst kurz vor der Inbetriebnahme konkret werden. Bürgergeld einzusammeln, ohne die Risiken einer Beteiligung benennen so können, sei aus seiner Sicht nicht in Ordnung, so Kieweg.

Während der Transport der riesigen Bauteile in der Nacht erfolge, dürften die Arbeiten im Wald nur tagsüber stattfinden. Eine Flutlichtbaustelle sei nicht zulässig. Während der Rodungen und Arbeiten müssen sich Waldbesucher auf Einschränkungen einstellen. (Antje Thon)

Auch Fotovoltaik ist in Wolfhagen heiß begehrt. Explodierende Energiepreise und die Pläne der neuen Ampel-Koalition für mehr Klimaschutz geben der ohnehin florierenden Branche im Bereich Erneuerbare Energien weiter Rückenwind.

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