Nicht nur für Insider

Boom auf dem Habichtswaldsteig

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Naturbelassene Wege sind bei Wanderern beliebt: Auch Hermann Maiterth aus Grebenstein genießt den Anstieg zwischen zwei Wiesen in der Gemeinde Schauenburg.

Wolfhager Land. Einer spontanen Eingebung folgen und sich mal eben auf den Habichtswald begeben, das hält Claudia Thöne von der Arbeitsgemeinschaft Habichtswaldsteig derweil für keine gute Idee mehr.

Insbesondere während der Sommermonate könnte es schwierig werden, entlang der Strecke eine Unterkunft zu finden. Denn von der Existenz des Premiumwanderweges wissen längst nicht mehr nur Insider.

Auf Tourismus-Messen wird der Streckenweg beworben, im Fernsehen wurden die landschaftlichen Reize des Steiges wiederholt einem breiten Publikum vor Augen geführt. Und auch beim Deutschen Wandertag, einem jährlichen Treffen von Wanderfreunden aus ganz Deutschland in wechselnden Regionen, erregt der Pfad Aufmerksamkeit. Und das hat Folgen, über die sich Thöne freut: Die Betten in den Beherbergungsbetrieben füllen sich zusehends.

Seit Eröffnung des Weges vor sieben Jahren hat die Arbeitsgemeinschaft am Service rund ums Wandern gefeilt. Inzwischen kann man den 85 Kilometer langen Weg unter die Füße nehmen, ohne lästiges Gepäck mit sich herumzuschleppen – eine Dienstleistung, die vor allem Genusswanderer zu schätzen wissen. Für Übernachtungsbetriebe ist es selbstverständlich, Gäste bis zum Einstiegspunkt der jeweiligen Etappe zu bringen. Auch bieten Hotels Lunchpakete und füllen Picknickkörbe.

Nachbesserungen wünscht sich Claudia Thöne noch am öffentlichen Personennahverkehr. Sie möchte die Bus-Linie 52, die von Kassel über Schauenburg und Bad Emstal bis Naumburg verläuft, zumindest von April bis Oktober als Wanderbus etablieren, der bis zum Edersee fährt und zu zwei Zeiten am Tag Wanderer in beide Richtungen transportiert.

Vom Bodensee auf den Habichtswaldsteig: Stefanie Schneider aus Hergatz in Schwaben war in diesen Tagen auf dem Premiumwanderweg in Nordhessen unterwegs und hellauf begeistert von der Natur.

Die zentrale Lage des Habichtswaldsteiges in Deutschland, seine gute Erreichbarkeit mit dem ICE über Kassel und trotz zunehmender Bekanntheit die Tatsache, dass der Weg dennoch nicht überlaufen ist, machen nach Einschätzung Thönes den Steig attraktiv. Und noch etwas hält sie für entscheidend: Der Habichtswaldsteig verbindet die kulturell geprägte Kulisse Kassels mit der Freizeitregion Edersee. Wer also entweder in Zierenberg oder an der Sperrmauer ankommt, kann seinen Urlaub entspannt ausklingen lassen.

Hintergrund

Der Habichtswaldsteig boomt. Seit seiner Eröffnung im September 2011 hat es noch nie so viel Anfragen gegeben wie im letzten halben Jahr. Das sagte jetzt Claudia Thöne, die für die Vermarktung des Premiumwanderweges zuständig ist. Sie geht davon aus, dass 2018 das bislang stärkste Jahr werden wird. Den Grund für den Trend sieht sie in der intensivierten Bewerbung. Konkrete Daten zur Frequentierung zu nennen sei schwierig, schließlich würden die Wanderer auf dem Habichtswaldsteig nicht gezählt. „Aber es ist viel mehr los als noch vor zwei, drei Jahren“, schildert sie ihre Beobachtungen. 

Es gebe Parameter, aus denen sich Veränderungen ableiten ließen. So sei die Zahl der Übernachtungen in Ferienwohnungen und Hotels entlang des Weges deutlich gestiegen. Für Betriebe in Zierenberg, Wolfhagen und Naumburg gab es im März laut Statistischem Landesamt zwischen 15 und 19 Prozent mehr Buchungen als im Vorjahresmonat, in Bad Emstal stieg diese Zahl um knapp 24 Prozent. Die Statistik für April und Mai liegt noch nicht vor. „Vor allem die Anfragen schnellen in die Höhe“, sagt Thöne. Habe es für das Wandern ohne Gepäck im ganzen Jahr 2017 nur zehn Interessenten gegeben, so sei allein dieser Service während der ersten fünf Monate des Jahres bereits 100 Mal gebucht worden. 

Nach Einschätzung Thönes profitierten alle Formen von Beherbergungsbetrieben: Campingplätze, Pensionen, Hotels. Einige Einrichtungen seien über den Sommer ausgebucht. „Ohne Reservierung würde ich mich nicht mehr auf den Weg machen“, rät sie. Der Reisefilm, den der Hessische Rundfunk gedreht hat und der im vergangenen halben Jahr mehrfach ausgestrahlt wurde, habe die Aufmerksamkeit auf den Pfad gelenkt, der sich durch die Landschaft zwischen Zierenberg und Edersee schlängelt.

Wanderweg wird wieder zertifiziert

Der Habichtswaldsteig ist neben dem Burgwaldpfad, der Frankenberg/Eder mit Marburg verbindet, der einzige Premiumstreckenweg in Nordhessen. Rundwege dagegen gibt es einige, auch die Extratouren des Habichtswaldsteiges sind prämiert und tragen das Deutsche Wandersiegel. Aktuell werden der 85 Kilometer Hauptwanderweg und die Extratouren wieder von Experten überprüft und zertifiziert. 

Das Wandersiegel muss alle drei Jahre erneuert werden. Eine abwechslungsreiche Landschaft, die geprägt ist von Kalkmagerrasen, prägnanten Wäldern, zahlreichen Ausblicken auf eine historisch gewachsene Kulturlandschaft und die ein Band spannt zwischen dem Bergpark Wilhelmshöhe und dem Edersee, machen den Weg für Wanderer attraktiv. Seit seiner Eröffnung 2011 steigt die Zahl der Wanderer.

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