Seit zwei Jahren ist Ruhe in Wolfhagens Brauerei - Warten auf neuen Betreiber

Brau-Tradition liegt auf Eis

Alte Ansicht: Flaschenbierhändler Johannes Weber mit Sohn Wilhelm auf dem Wagen sitzend und Ehefrau Marie Weber mit Tochter Georgine vor der Brauerei stehend im Jahre 1911. Foto:  nh

Wolfhagen. In den Brau-Kesseln brodelt es nicht mehr: Die Zeiten, in denen in Wolfhagen Bier produziert wurde, sind vorbei. Die Brau-Tradition, die vor mehr als 500 Jahren begründet wurde, liegt seit zwei Jahren auf Eis. 1491 wurde die Wolfhager Brauerei erbaut. Heute ist es ungewiss, ob die Brau-Kessel in Wolfhagen noch einmal angeheizt werden.

Wolfhager Premium Pils, Wolfsbräu und das Ur-Wolfhager – diese drei Biersorten wurden bis vor zwei Jahren noch in der Brauerei Wolfhagen gebraut und neben der Alten Brauerei Wolfhagen auch in anderen Gaststätten ausgeschenkt. Doch „im Moment sieht es schlecht aus, es ruht alles“, sagt Karl-Heinz Alheid, Eigentümer des Traditionshauses.

1000 Flaschen Bier am Tag

An Ruhe war 1911 nicht zu denken: „Es wurden manchmal pro Tag circa 1000 Flaschen Bier per Hand abgefüllt, verschlossen und bei großen Eiswürfeln im Keller gelagert und gekühlt“, weiß Wilhelm Rost aus den Erzählungen seiner Großmutter Marie Weber.

Zusammen mit ihrem Ehemann betrieb sie rund 20 Jahre lang das Geschäft: „Kasselerbier-Verkauf der Wolfhager Bierbrauerei von Johann Weber“ – diesen Wortlaut zierte im Jahre 1911 das Firmenschild der Brauerei an der Ecke Triangelstraße und Gerichtsstraße. Nach der Flaschenbierabfüllung fuhr Johann Weber die Bierkästen im offenen Wagen an seine Kundschaft in Wolfhagen und Umgebung aus.

Zurzeit kommen die Wolfhager nicht mehr in den Genuss ihres Traditionsbieres: Obwohl die Braukessel bereit stehen und das Originalrezept aus dem Jahre 1799 vorliegt, finde sich zum Bedauern von Alheid kein Pächter für die Alte Brauerei Wolfhagen.

Jederzeit wieder Bier brauen

Dabei gibt es vielerlei Möglichkeiten für die Zukunft der Brauerei: Sie könnte zusammen mit der Gaststätte betrieben werden, aber auch separat. „Jederzeit könnten wir wieder anfangen zu brauen“, so Alheid. Er selbst habe die Brauer-Prüfung gemacht und verfüge somit über das Braurecht. Doch als 63-Jähriger wolle er nicht mehr in die Gastronomie einsteigen und das selbst hergestellte Bier auch ausschenken.

Verhandlungen

Er stehe zurzeit in Verhandlungen mit einem Interessenten, doch es sei ungewiss, ob sich noch dieses Jahr etwas ergibt. Würde die über 500 Jahre Geschichte der alten Brauerei in Wolfhagen fortgesetzt, wäre das auch ganz im Sinne von Wilhelm Rost, dem Enkel der Webers.

Von Lisa Maria Neumeyer

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