Ausbauziel in Rekordzeit erreicht 

Breitband Nordhessen schließt Glasfaserausbau noch im Dezember ab

Michael Koch

Nach sechs Jahren Planung und Umsetzung wird die Breitband Nordhessen ihr Glasfaserausbau noch im Dezember erfolgreich abschließen.

Bei dem öffentlich geförderten Projekt handelt es sich um das bislang größte dieser Art in ganz Europa.

Ausgebaut wurden vor allem ländliche Bereiche in der Region Nordhessen, in denen private Anbieter wegen zu niedriger Gewinnerwartungen nie zuvor investiert hatten. Die Breitband Nordhessen war im Februar 2014 von den fünf Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner gegründet worden. Nach etwa zweijähriger Planungsphase hatten die eigentlichen Bauarbeiten im Oktober 2016 begonnen.

Mit dem Mitte Dezember 2019 endgültig fertiggestellten Glasfasernetz werden dann rund 160 000 Haushalte sowie 17 000 Gewerbebetriebe in über 570 Ortslagen in ganz Nordhessen erreicht. Insgesamt wurden 2200 Kilometer Kabel sowie rund 1350 neue Verteilerkästen gesetzt. Betreiberin des Netzes ist die Netcom mit Sitz in Kassel.

Das Netz arbeitet auf FTTC-Basis (engl. Fibre To The Curb, dt. Glasfaser bis zum Verteilerkasten). Mit dieser Technik – die „letzte Meile“ zum Kunden bleibt noch ein Kupferkabel – sind Übertragungsraten von bis zu 100 MBit pro Sekunde möglich.

Michael Koch, Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Breitband Nordhessen, sprach gestern bei einer Festveranstaltung in Bad Emstal von einem „historischen Tag“ für die Region. Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus pflichtete dem uneingeschränkt bei. Mit dem Glasfasernetz der Breitband Nordhessen sei nun eine flächendeckende Lösung umgesetzt worden, die zudem perspektivisch die Grundlage für den weiteren Glasfaseranbau auf FTTB-Basis bilde (FTTB, engl. Fibre To The Building, dt. Glasfaser bis ins Haus). „Um aber die ländlichen Gebiete Nordhessens weiter zukunftsfähig zu gestalten, brauchen wir schnelles Internet bald bis zu jeder Milchkanne“, forderte Koch.

Die Landräte Uwe Schmidt (Landkreis Kassel) sowie Reinhard Kubat (Kreis Waldeck-Frankenberg) hoben die „erstklassige Arbeit“ des beauftragten Generalunternehmens, der Weigand Bau, hervor. „Alles ist termingerecht und in Rekordzeit über die Bühne gegangen.“ Auch sei der Kostenrahmen eingehalten worden. Für das Projekt waren zuvor vom Land und der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) rund 140 Mio. Euro als Darlehen bereitgestellt worden.

Landrat Stefan Reuß (Werra-Meißner) betonte die Wichtigkeit eines schnellen Internets mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gebieten. Landrat Winfried Becker (Schwalm-Eder) wies ergänzend auf die Bevölkerungsentwicklung hin. „Wir werden auf dem Land nur dann neue Familien und damit auch Fachkräfte gewinnen, wenn wir eine moderne Internetversorgung anbieten können“.

Mit der endgültigen Fertigstellung des Glasfasernetzes der Breitband Nordhessen im Dezember wird es nun noch einige Wochen dauern, bis auch die letzten Anschlüsse von der Netcom freigeschaltet werden können. „Im April/Mai 2020 wird es soweit sein“, kündigte Netcom-Geschäftsführer Ralph Jäger an.

Zudem habe sich mit dem Wechsel des Callcenter-Dienstleisters (seit Mai die Summacom GmbH) der Kundenservice der Netcom deutlich verbessert. Waren 2018 noch rund 800 Anrufe täglich bei der Netcom eingegangen, „hat sich die Anzahl jetzt drastisch verringert“, sagte Jäger.

Aktuell hat die Netcom 15 000 Internetverträge abgeschlossen. Erklärtes Ziel sind 30 000 bis 40 000. Das entspricht einem Marktanteil von 25 bis 30 Prozent bei jetzt 160 000 erreichbaren Haushalten in Nordhessen.

Die Breitband Nordhessen und ihre nächsten Projekte

Nach dem abgeschlossenen Glasfaserausbau in Nordhessen verfolgt die Breitband Nordhessen mit Katrin Laurier als Geschäftsführerin weitere Projekte: 

Schon jetzt kann das Netz der Breitband Nordhessen 100 MBit pro Sekunde transportieren. Super-Vectoring ermöglicht noch einmal eine Steigerung auf bis zu 400 MBit pro Sekunde. Zuständig für solch eine Aufrüstung wäre die Netcom. „Die Grundlage dafür ist geschaffen“, sagt Laurier. . Mit Bundesmitteln will die Breitband Nordhessen auch 22 Krankenhäuser und 239 Schulen in ganz Nordhessen an das neue Glasfasernetz anbinden, dann aber mit Übetragungsleistungen von bis zu 1000 MBit pro Sekunde. 

Schon seit einiger Zeit verfolgt die Breitband Nordhessen die Gigabit-Strategie. Ziel ist es, bis 2030 alle Kommunen im Ausbaugebiet in den FTTB-Ausbau zu bringen (Glasfaser bis ins Haus). Auch diese Technologie verspricht Datenraten bis zu 1000 MBit pro Sekunde. Solch ein Projekt wäre aber ohne erneute Förderung nicht realisierbar. Jedoch hat das Land Hessen jetzt für das Jahr 2020 weitere 100 Mio. Euro zur Förderung des Breitbandausbaus in den Haushalt gestellt. 

Unabhängig vom Glasfaserausbau erarbeitet die Breitband Nordhessen aktuell noch ein Pionierprojekt für Schulen auf Basis der neuen 5G-Mobil-Funktechnik (bis 10 000 MBit pro Sekunde). Auch hier geht es um die Aktivierung von Bundesmitteln. Die Bewerbung wird gerade vorbereitet. bon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.