Gemeinde Breuna will Details klären

Atommüll-Transporte durch Breuna zum
geplanten Lager in Würgassen?

Frank Krakenberg (links) vom Ortsbeirat Breuna und in seiner Eigenschaft als CDU-Fraktionsmitglied in der Gemeindevertretung und Bürgermeister Jens Wiegand sorgen sich um atomare Mülltransporte durch Breuna in Richtung Würgassen (Kreis Höxter). 
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Frank Krakenberg (links) vom Ortsbeirat Breuna und in seiner Eigenschaft als CDU-Fraktionsmitglied in der Gemeindevertretung und Bürgermeister Jens Wiegand sorgen sich um atomare Mülltransporte durch Breuna in Richtung Würgassen (Kreis Höxter). 

In Breuna geht die Sorge um, dass auf dem Weg zu einem geplanten Atommüll-Lager in Würgassen (Kreis Höxter) atomarer Müll auch durch Breuna transportiert werden wird. Die Auswirkungen für Breuna sollen unter die Lupe genommen werden.

Breuna - Frank Krakenberg, CDU-Mitglied in der Gemeindevertretung und Ortsbeiratsmitglied in Breuna, hat aufwändige Recherchen betrieben und sich tief in das Thema eingearbeitet. „Beim Feierabendmarkt in Beverungen habe ich Informationen über Würgassen gelesen“, sagte Krankenberg. Er habe dort mit dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck gesprochen und danach habe er sich grundlegend informiert. „Uns war das alles so nicht bekannt, insbesondere, dass wir direkt betroffen sind“, sagte Breunas Bürgermeister Jens Wiegand. Klar sei bereits, dass nicht alle Atommüll-Transporte aus ganz Deutschland nach Würgassen und vorn dort nach Salzgitter zum Schacht Konrad über Gleise erfolgen könnten. Würgassen diene sozusagen als Umschlagplatz für Atommüll – so denn ein Lager gebaut werde. „Sobald die Autobahn dicht ist, durch Unfälle oder Baustellen, rollt alles über Breuna“, so beide Beteiligten. Und die Atommüll-Lkw seien sehr unscheinbar.

Dennoch sagen beide: „Wir haben 60 Jahre lang von der Atomkraft profitiert. Irgendwo muss der Müll ja hin.
Doch die Pläne für Würgassen seien längst überholt, es brauche eine neue Ausschreibung nach ganz neuen Kriterien und Erkenntnissen und vor allem unabhängig. Denn laut der Recherche von Frank Krakenberg seien da einige Beteiligte miteinander im Geschäft, ohne dass man es von vornherein klar erkennen könne. „Wir wollen die Menschen auf diese Situation aufmerksam machen“, sagte Frank Krakenberg. Deshalb solle auch eine Petition auf den Weg gebracht werden und ein digitaler Infoabend am 16. Dezember das Thema weiter beleuchten. Nicht zuletzt könnte auch in und um Breuna ein Zwischenlager für Atommüll entstehen. Denn der Boden dort ist salzhaltig. Eine der Grundvoraussetzungen.

Tägliche Lkw-Ladungen mit Atommüll durch Breuna und sogar eine Standortmöglichkeit in Nordhessen für ein Atommüll-Endlager sind die Szenarien, die die Bürgerinitative Atomfreies 3-Ländereck Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen anhand der Planungen der Bundesgesellschaft für Endlagerung recheriert hat. Vorgesehen ist, am Standort Würgassen (Kreis Höxter/Nordrhein-Westfalen) zukünftig Atommüll aus ganz Deutschland zu sammeln und für die Endlagerung im Schacht Konrad (kreisfreie Stadt Salzgitter in Niedersachsen) zu sortieren.

Was genau geplant ist, wer wem welche Gutachten erstellt, welche Ausschlusskriterien relevant sind, zeigt Frank Krakenberg, Mitglied im Breunaer Ortsbeirat anhand einer Präsentation auf. Und er kann nicht verstehen, warum ein Zwischenlager in Würgassen in ein offizielles Überschwemmungsgebiet gebaut werden solle. „Wir haben doch alle jetzt erst gesehen, was im Ahrtal passiert ist“, sagte Krakenberg. Nicht auszudenken, wenn so etwas in Würgassen in der Weseraue geschehe. Zwar sei dort eine Aufschüttung zur Herstellung der Hochwassersicherheit geplant und Pfahlfundamente, doch der Untergrund sei gar nicht tragfähig.

Doch das seien nicht die einzigen Kritikpunkte, die Krakenberg auch in einer digitalen Infoveranstaltung erkären wird. Es gebe mittlweile ganz viele Eckpunkte, die einfach nicht zu einem Zwischenlager passten.

Die Bürgerinitiative hoffe nun auf die neue Ampelregierung, um die Standortplanung neu aufzurollen und um neuste wissenschaftliche und technische Erkenntnisse mit einfließen zu lassen. Die Hoffnung beruht auf einem Aus für das Endlager in Salzgitter und einen kompletten Neustart im Umgang mit schwa- und mittelradioaktiven Abfällen. „Irgendwo muss es ja hin“, sind sich Frank Krakenberg und Jens Wiegand, Breunas Bürgermeister, einig. „Wir wollen den Faden wieder aufnehmen. Aber dann auch nach den heutigen Kriterien“, sagte Krakenberg. In seinem Interesse liege zudem, die Bürgerinitiative zu unterstützen und Unterschriften zu sammeln. Widerstand mache sich seit Jahren sowohl gegen den Standort in Würgassen als auch für das Lager in Salzgitter von allen möglichen Seiten breit.

Breuna will sich dem nun anschließen und hofft, dass die Bewohner sich ein eigenes Bild von der Entsorgung von Atommüll in der Nähe machen.

Von Monika Wüllner

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