Bert Kubina (87) aus Wettesingen bemalt Zinnfiguren

Schon immer kreativ: Bert Kubina (87) aus Wettesingen bemalt seit 1990 Zinnfiguren, davor Bilder wie das im Hintergrund. Diese Zinnsoldaten sind sein Lieblingsstück und zeigen den Einmarsch nach Küstrin (Schlesien, heute Polen) - seinem Heimatland. Fotos: Daher

Wettesingen. Die Kunst war schon immer ein Teil von Bert Kubina. „Als wir gerade zusammen waren, hat er mir ein Bild gemalt“, erzählt seine Frau Lieselotte, mit der er seit 66 Jahren verheiratet ist.

Nach einer schweren Operation im Jahre 1989 begab er sich auf die Suche nach einem weiteren Hobby und fand es: Das Bemalen von Zinnfiguren.

„Ich habe sie nie gezählt, aber es dürften über 1000 Stück sein. Ich müsste 120 Jahre alt werden, um alle, die ich noch gekauft habe, zu bemalen“, erzählt Bert Kubina erfreut. So kaufe er die unbemalten Figuren und gebe ihnen mit der Zeit Farbe. Eine größere, farblose koste etwa 140 Euro. Doch trotz Interessenten: Er würde nie verkaufen.

Seine Werke zieren den Flur, aber auch Ess- und Wohnzimmer. Dass er sich als Kind für Ritter und Soldaten interessierte, wird sofort deutlich: der Einmarsch nach Küstrin (Polen) unter Friedrich dem Großen in der einen Vitrine, zwei kämpfende Ritter in der nächsten.

Historische Ereignisse, die von Schlesien handeln, stellt der 87-Jährige häufiger dar, weil er mit dem heutigen Polen viel verbindet. Er lebte dort, bis er mit 17 Jahren in den Krieg eingezogen wurde.

Dabei stand die richtige geschichtliche Darstellung anfangs nicht im Vordergrund: „Ich habe damals die Uniformen der britischen Soldaten rot gemalt. Doch dann wurde mir gesagt: Die sind schwarz. Umgemalt habe ich sie nicht.“ So merkte er: Auf den Ausstellungen, an denen er ebenfalls teilnimmt, geht es kritisch zu.

Beginn des neuen Hobbys 

Auf die Idee, Zinnfiguren zu bemalen, kam er durch die Hobby-Ausstellung in Dortmund. „Ich habe beobachtet, wie begeistert die Leute dabei waren“, erinnert sich Kubina - und es gefiel. In Kassel gab es zu der Zeit auch einen Club, dem er beitrat: Die Kasseler Freunde der Zinnfiguren.

Doch die Zeit verstrich, genau wie Kubina viel Farbe. Heute lebe kaum einer der Mitglieder mehr. Mit einem Bekannten tausche er sich immer mal aus. Seine Frau Lieselotte unterstütze ihn voll und ganz, ist begeistert von seiner Kunst. Aber: Sie ist auch seine schärfste Kritikerin: „Ich sage dann: Der guckt aber ein bisschen grell. Was so ein Punkt im Auge alles ausmacht“, erzählt sie schmunzelnd.

Bert Kubina aus Breuna bemalt Zinnfiguren

Alle zwei Jahre findet im bayerischen Kulmbach die Zinnbörse statt, auf die das Ehepaar fährt - so auch in diesem Jahr. Beim ersten Mal sei ihnen ein mittlerweile befreundetes, englisches Paar begegnet, das den Weg nicht kannte. „Zu Weihnachten haben sie uns geschrieben, dass sie dieses Jahr wieder hinkommen werden“, sagt Lieselotte Kubina.

Das ganze Jahr über malt ihr Mann an den Zinnpersonen. An einem Tag schafft er es, eine 33 Millimeter-Figur zu bemalen.

Letztendlich sei es für Bert Kubina ein Hobby, dass ihn entspanne. In jeder Figur wird sichtbar: Da steckt Herzblut drin.

Von Johanna Daher

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