Rathauschef ist dienstältester Bürgermeister im Kreis Kassel

Breunas Bürgermeister setzt auf mehr "Wir-Gefühl"

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Er ist der dienstälteste Bürgermeister im Kreis Kassel: Klaus-Dieter Henkelmann Bürgermeister (60) der Gemeinde Breuna. 

Breuna. In der Gemeinde Breuna ist Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann (SPD) seit 27 Jahren im Amt. Die Haushaltssituation ist gut, die Gemeinde kann nach wie vor investieren. Wir sprachen mit dem Bürgermeister über die Gemeinde und die Dinge, die sich nicht ändern lassen.

Herr Henkelmann, als Außenstehender erlebt man Ihre Gemeinde als sehr aktiv. Viele Ehrenamtliche sind unterwegs und bewegen eine Menge Themen. War das schon immer so?

Klaus-Dieter Henkelmann: Ja, das war schon immer so. Es gibt immer wieder neben den klassischen Vereinen neue Gruppierungen, die auf sich aufmerksam machen und auch Initiativen, wie zum Beispiel die Gaststätten-Initiative oder die Laden-Initiative in Wettesingen, die Dorf-Ini Niederlistingen, die Initiative „DORF-mobil“ und die neuen Initiativen im Rahmen der Dorfentwicklung und auch die Flüchtlingsinitiative.

In kleinen und überschaubaren Orten ist die ehrenamtliche Arbeit der Normalfall. Man engagiert sich für etwas und macht es dann auch mit großer Freude und Begeisterung. Ich finde es richtig gut, weil immer wieder höchst unterschiedliche Menschen zusammenkommen und -arbeiten.

In der Gemeindevertretung läuft überwiegend alles sehr harmonisch ab. Bedeutet das die große Einigkeit zwischen SPD und CDU oder fliegen in den Ausschüssen die Fetzen?

Henkelmann: Auch das stimmt. Wir haben ein auf Ausgleich geprägtes Parlament, das die überwiegende Anzahl von Beschlüssen einstimmig mitträgt. Es wird auch mal gestritten, aber das ist in der Demokratie normal. Auch in den Ausschüssen geht es sehr sachlich zu.

Wir versuchen alle Gremienmitglieder ordentlich zu informieren, damit gute Beschlüsse gefasst werden können. Damit sind wir in den ganzen Jahren sehr gut gefahren.

Kann man Sie in Sachen Interkommunaler Zusammenarbeit als Mann der ersten Stunde bezeichnen?

Henkelmann: Nein, das nicht, aber vielleicht als einer der Männer der ersten Stunde. Wir arbeiten mittlerweile interkommunal auf vielen Ebenen mit ganz verschiedenen Partnern zusammen, zum Beispiel im Abwasserverband Warme-Diemeltal, im Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald, im interkommunalen Gewerbegebiet Wolfhagen-Breuna, im Standesamtsbezirk Nordwaldeck, im Finanzdienstleistungsbezirk Breuna/Habichtswald und im Laufe des kommenden Jahres wahrscheinlich in der Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG) Habichtswald. Früher hat man überwiegend auf die eigene Gemeinde geschaut, während man heute viel mehr über den Tellerrand hinweg sieht. Gemeinsam geht vieles besser, weil man mehr Qualität in die Arbeit bringt.

Was ist denn der nächste Schritt, der für Breuna ganz wichtig ist?

Henkelmann: Das ist sicherlich der Windpark im Rhödaer Holz, den wir gemeinsam mit der EWF-Tochter VEW bauen und betreiben wollen (je zur Hälfte) Hier warten wir auf eine Baugenehmigung durch das RP Kassel. Die Einnahmen aus dem Betrieb kommen unserer soliden Haushaltswirtschaft zu Gute.

Sie sind im Landkreis Kassel der dienstälteste Bürgermeister. Würden Sie – wenn Sie heute noch mal davor stehen würden – noch einmal diesen Weg gehen wollen?

Henkelmann:Ich habe meine Arbeit in den vergangenen 27 Jahren mit Freude gemacht, weil man als Bürgermeister gemeinsam mit einem guten Team viel gestalten kann. Das Familienleben kam sicherlich oft zu kurz, weil ich häufig nicht präsent war und man darüber hinaus schlecht abschalten kann. Da ich die Rahmenbedingungen, die die Hessische Landesregierung für die künftigen Bürgermeister drastisch verschlechtert hat, kenne, würde ich mich nicht mehr um ein solches Amt bewerben.

Was halten Sie davon, dass demnächst auch ein ehrenamtlicher Bürgermeister in Breuna die Amtsgeschäfte führen könnte?

Henkelmann: Davon halte ich überhaupt nichts. Die damals noch selbständige Gemeinde Breuna mit Rhöda hat bereits 1968 meine Vorgänger August Hartmann vom ehrenamtlichen zum hauptamtlichen Bürgermeister gemacht. Und das aus gutem Grund.

Meine Aufgabe ist es, einen Betrieb mit über 60 Mitarbeitern zu leiten, die Gemeinde mit immer neuen Ideen kreativ zu führen, viele Kontakte zu knüpfen, mich um geordnete Finanzen zu kümmern, die gemeindlichen Gremien mit zu nehmen und noch viel mehr. Wie so etwas im Ehrenamt, also quasi nach Feierabend laufen soll, erschließt sich mir nicht. Dafür habe ich ein Studium absolviert.

Wer in Wiesbaden meint, die kleinen Kommunen abzuschaffen, der sollte dies ehrlich sagen. Da man aber eine neue Gebietsreform fürchtet, versucht man es auf dem „kalten Wege“, in dem man sagt, das geht jetzt auch mit dem ehrenamtlichen Bürgermeister bei Gemeinden unter 5000 Einwohner. Es wird dann sicherlich nicht mehr lange dauern, bis es zu einem Gemeindezusammenschluss mit einer Gemeinde, die noch einen hauptamtlichen Bürgermeister hat, kommt. Die Gemeindevertretung wird schon die richtigen Beschlüsse fassen.

Wenn Ihnen jemand einen Wunsch für Ihre Gemeinde erfüllen könnte, was würden Sie sich wünschen?

Henkelmann: Dass das Wir-Gefühl noch etwas wächst und unsere Gemeinde weiterhin auf einem soliden Fundament steht.

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