Breuna

Dr. Walter Flotho kam am 1. Oktober vor 50 Jahren nach Breuna

Der Landarzt: Dr. Walter Flotho war vor 50 Jahren der jüngste Allgemeinmediziner im Kreis Kassel. Im November wird er 80 Jahre alt, am 1. Oktober feiert er 50-jähriges Arztjubiläum. Im Bild ist Golden Retriever-Dame Suki.
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Der Landarzt: Dr. Walter Flotho war vor 50 Jahren der jüngste Allgemeinmediziner im Kreis Kassel. Im November wird er 80 Jahre alt, am 1. Oktober feiert er 50-jähriges Arztjubiläum. Im Bild ist Golden Retriever-Dame Suki.

Dass ein Arzt seine Patienten bis ins Krankenhaus begleitet, wird es heute wohl kaum geben. Dr. Walter Flotho war aber so ein Arzt. Vor 50 Jahren kam er nach Breuna.

Breuna – Immer und ständig im Dienst, kein Wochenende frei, auch nachts war er allzeit bereit, Menschen zu helfen. Am 1. Oktober 1971 kam er nach Breuna, um als niedergelassener Arzt zu arbeiten. Er war mit gerade einmal 29 Jahren der jüngste und der erste Allgemeinmediziner im Landkreis Kassel.

Damals waren seine beiden Kinder noch klein, Sohn Markus gerade mal drei Jahre alt, Sohn Tobias nur ein paar Monate.

Seine damalige Ehefrau Renate, die inzwischen verstorben ist, war die erste Arzthelferin in der Praxis. „Das war schon eine Herausforderung“, sagte Flotho. Doch bereuen würde er diesen Schritt nicht. Vor zwei Jahren feierte Flotho sein Promotionsjubiläum im Schloss Marburg.

Sein schönster Erlebnis war die Geburt seiner beiden Söhne

Zu dieser Zeit hat er auch noch gearbeitet: In der Bad Arolser Schön-Klinik war er zwei Mal wöchentlich Aufnahmearzt. Die Pandemie hat das aber beendet.

Fragt man den Allgemeinmediziner nach seinem schönsten Erlebnis während seiner Zeit als Arzt erzählt er mit leuchtenden Augen von der Geburt seiner beiden Söhne. Denn er selbst hat seine Frau entbunden, weil er im Hofgeismarer Krankenhaus in der Gynäkologischen Abteilung beschäftigt war, bevor er nach Breuna ging.

Sein traurigstes und schlimmstes Erlebnis insgesamt war der viel zu frühe Unfalltod seines Vaters, ebenfalls Arzt. Walter Flotho war damals 17 Jahre jung.

Wegen einer Sportverletzung konnte er nicht Sport studieren

Durch seine sportlichen Aktivitäten (er gehört sei 72 Jahren dem Turn- und Sportverein Hofgeismar an und war Handballtrainer der Jugend) war Walter Flotho auch in kleinen Orten gut vernetzt. Nicht zuletzt wollte er ein Sport-Studium aufnehmen. Doch eine Sportverletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Gut für Breuna.

Sein komplizierter Unterschenkelbruch und die damalige Versorgung weckte in ihm den Wunsch, Arzt zu werden. Nach dem Studium in Frankfurt und Marburg, Promotion in Hessisch Lichtenau und weiteren Stationen als Arzt war es der damalige Breunaer Bürgermeister August Hartmann der nicht locker ließ und den jungen Arzt unbedingt nach Breuna, dem Luftkurort, holen wollte.

„Das war eine schwierige Anfangsphase“

„Das war eine schwierige Anfangsphase“, sagte Flotho. Es gab keinen so jungen niedergelassenen Arzt im Landkreis Kassel. Krankenscheine wurden damals immer nur dem behandelnden Arzt gegeben. Ein Wechsel war dann nicht mehr möglich.

Zu dieser Zeit gab es weder ein Notarztsystem, noch Wochenend-Bereitschaftsdienste. Für den jungen Arzt hieß das: eigene Praxis, drei Außensprechstunden in Oberlistingen, Niederelsungen und Wettesingen und die ärztliche Betreuung für den Autobahnabschnitt Breuna-Warburg.

Nebenbei gründete er noch eine Koronar-Sportgruppe und gemeinsam mit dem damaligen und bereits verstorbenen Volkmarser Chirurgen Dr. Hans Maus das Rote Kreuz in Breuna. Mit einem neuen Notarztsystem im Jahr 1993 absolvierte er „in einem Crashkurs“ den Nachweis als Rettungsarzt.

„Der grüne Doktor“

Politisch war Flotho grundsätzlich nicht. Aber er fuhr immer mit einem „Atomkraft – nein, danke“-Aufkleber am Auto umher. Sein Widerstand gegen eine geplante Wiederaufbereitungsanlage im Waldeckischen brachte ihm den Ruf „der grüne Doktor“ ein, wie er lachend erzählt.

So kannte man ihn. Und dazu steht er auch heute noch. „Ich habe immer gesagt, wenn mir einer erklären kann, dass Atomkraft nicht schädlich ist, dann bin ich sofort dafür. Aber das konnte halt niemand“, sagte Flotho.

Blickt auf eine sehr intensive Arbeitszeit zurück

Nach der turbulenten Zeit als Arzt ist Flotho aber längst nicht außen vor und arbeitet noch als Akupunktur-Arzt mit. Sohn Tobias hat die Arztpraxis gemeinsam mit Dr. Sabine Peine in Breuna übernommen. Und nicht nur das. Auch einige langjährige Arzthelferinnen seines Vaters sind geblieben.

Was nicht zuletzt für ein vorzügliches Klima und guten Bedingungen in der Praxis spricht. Sohn Markus, ebenfalls Facharzt für Allgemeinmedizin, hat eine Praxis in Hamburg.

Wenn der sympathische Landarzt am 9. November seinen 80. Geburtstag im kleinen Kreis feiert, blickt er auf eine sehr intensive Arbeitszeit zurück, die ihm aber trotz aller Belastung immer Freude bereitet hat. Zufrieden sagt er: „Ich konnte so arbeiten, wie ich mir das in der Medizin vorgestellt hatte.“ (Monika Wüllner)

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