Schnelle Ersthelfer

DRK startet im Sommer mit dem Helfer-vor-Ort-System in Breuna

Engagieren sich für die Einführung des Helfer-vor-Ort-Systems in Breuna: (Von links) Raimund Reith (Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Breuna), Sabrina Salzmann (stellvertretende DRK-Bereitschaftsleiterin), Werner Engel (Bereitschaftsleiter) und Timo Jassmann (Fachbeauftragter für die Helfer vor Ort des DRK-Kreisverbandes.
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Engagieren sich für die Einführung des Helfer-vor-Ort-Systems in Breuna: (Von links) Raimund Reith (Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Breuna), Sabrina Salzmann (stellvertretende DRK-Bereitschaftsleiterin), Werner Engel (Bereitschaftsleiter) und Timo Jassmann (Fachbeauftragter für die Helfer vor Ort des DRK-Kreisverbandes).

In Breuna und Wettesingen soll bald ein Helfer-vor-Ort-System vom DRK eingerichtet werden.

Breuna – Ob Herzinfarkt, Schlaganfall oder Unfall – im Notfall sollte medizinische Hilfe so schnell wie möglich verfügbar sein. In den Orten, die weiter von einer Rettungswache entfernt liegen, dauert es wegen der längeren Anfahrt allerdings recht lange, bis die Einsatzkräfte beim Patienten sind. Genau hier setzt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit seinem Helfer-vor-Ort-System an.

In wenigen Wochen soll auch in Breuna und Wettesingen eine medizinisch geschulte schnelle Einsatztruppe des DRK an den Start gehen.

Timo Jassmann bezeichnet Breuna als „Paradebeispiel“, als einen Ort, der prädestiniert sei für den Einsatz der schnellen Helfer. Jassmann ist Fachbeauftragter für das Helfer-vor-Ort-System des DRK-Kreisverbandes Kassel-Wolfhagen und lässt keinen Zweifel daran, dass es in Breuna und Wettesingen, wo man mit dem Aufbau des Systems begonnen hat, „passt“: Es ist keine Rettungswache in der Nähe, die Anfahrt des Rettungsdienstes also ziemlich lang, aber es gibt einen Ortsverein des DRK mit medizinisch geschultem Personal.

Und genau mit diesen Leuten wolle man nun dafür sorgen, dass künftig bei Notfällen innerhalb kürzester Zeit qualifizierte medizinische Hilfe beim Patienten ist, Hilfe, mit der die therapiefreie Zeit bis zum Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes überbrückt wird.

In Naumburg und Zierenberg macht das DRK damit schon seit Jahren gute Erfahrungen. Ein Helfer vor Ort, sagt Jassmann, sei gewissermaßen ein gut ausgebildeter Ersthelfer aus der Nachbarschaft. Diese ehrenamtlichen Mitglieder des DRK, die mindestens eine abgeschlossene Sanitätsausbildung haben, oft auch hauptberuflich im Rettungsdienst tätig sind, werden bei Notarzteinsätzen zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert. Mit dem privaten Auto nehmen die Helfer, zu deren Vorzügen auch beste Ortskenntnisse zählen, den kürzesten Weg zum Einsatzort.

Während der Rettungsdienst noch auf der Anfahrt ist, beginnen die Helfer vor Ort bereits mit der Ersten Hilfe, die dank ihres schnellen Einsatzes gerade bei Herz-Kreislauf-Stillstand, Infarkt oder schweren Verletzungen oft lebensrettend ist.

Ausgerüstet sind die Helfer mit einer Notfalltasche, in der sich unter anderem ein Blutdruckmessgerät, ein Beatmungsbeutel, ein Gerät zur Blutzuckermessung und Verbandsmaterial befindet. Für jeden Ort gibt es dazu auch einen Defibrillator und ein Sauerstoffgerät.

Zum Einstieg haben sich drei DRK-Mitglieder aus Breuna und zwei aus Wettesingen bereit erklärt, sich zu beteiligen. Zu ihnen gehören der Leiter der Breunaer DRK-Bereitschaft, Werner Engel, und seine Stellvertreterin, Sabrina Salzmann. „Wir haben uns zunächst schon die Frage gestellt: Kann man das mit den fünf Leuten stemmen“, sagt Werner Engel. Aber bei den Fünfen soll es nicht bleiben: „Wir suchen noch weitere Interessierte, auch aus den anderen Breunaer Ortsteilen“, sagt Timo Jassmann, um das Helfer-vor-Ort-System mittelfristig im gesamten Gemeindebereich zu etablieren. „Je mehr Helfer wir haben, desto höher ist der Grad der Abdeckung.“

Leute, die bereits entsprechend ausgebildet sind, wären derzeit zum Aufstocken des Personals ideal, da coronabedingt aktuell keine Fortbildungsmaßnahmen stattfinden können. Aber auch wer ohne entsprechende Ausbildung komme, könne Mitglied werden und werde eingegliedert und sobald es wieder möglich ist, entsprechend ausgebildet. Dazu gehört zunächst ein Erste-Hilfe-Kurs mit neun Doppelstunden, dann eine Sanitätsausbildung mit 48 Unterrichtseinheiten sowie eine Helfer-vor-Ort-Einweisung inklusive Schulung am Defibrillator.

Und damit sei man dann auf die Aufgaben als schneller Helfer in der Nachbarschaft schon recht gut vorbereitet. „Wir machen ja keine Rettungsmedizin auf höchstem technischen Niveau“, sagt Timo Jassmann. Schließlich seien die Helfer vor Ort keine Konkurrenz zum professionellen Rettungsdienst, sondern ein zusätzliches Glied in der Rettungskette für die Patienten.

In Naumburg 80 bis 100 Einsätze pro Jahr

Im Wolfhager Land werden vom DRK in Zierenberg und Naumburg Helfer vor Ort eingesetzt. In Naumburg, wo es das System seit zehn Jahren gibt, sind etwa zwei Dutzend Helfer in allen Stadtteilen sowie im angrenzenden Fritzlarer Stadtteil Züschen im Einsatz. Bei jedem Notarzteinsatz im Ort werden alle dortigen Helfer über einen Funkmelder von der Leitstelle mitalarmiert. „Es klingelt bei allen gleichzeitig“, sagt Timo Jassmann, der das System in Naumburg aufgebaut hat und dort auch Bereitschaftsleiter ist. Jeder Helfer entscheide dann bei Alarm selbst, ob er zum Einsatz fahre oder nicht, weil andere näher am Einsatzort sind. Laut Jassmann komme man im gesamten Naumburger Stadtgebiet und Züschen auf 80 bis 100 Einsätze pro Jahr. 2020 waren es 92 Alarmierungen. In Breuna rechne man derzeit mit 40 bis 50 Einsätze pro Jahr. Das Helfer-vor-Ort-Systems in Breuna soll im Sommer starten. Wer in Breuna mitmachen möchte, kann sich telefonisch bei Sabrina Salzmann melden (0173 / 99 54 12 4) oder per Mail an bl-breuna@drk-kassel.de. (Norbert Müller)

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