Podiumsdiskussion in Breuna: Schadet Rechtsextremismus der Demokratie?

"Grundrechte sind nicht vom Himmel gefallen"

Nach der Podiumsdiskussion gab es Redebeiträge und Fragen aus dem Publikum: Im Dorfgemeinschaftshaus in Breuna wäre durchaus noch Platz für weitere Gäste gewesen.

Breuna. Bei der Podiumsdiskussion in Breuna ging es um das Thema: Rechtsextremismus in Deutschland – eine Gefahr für unsere Demokratie? Die Diskussion gehörte zum Begleitprogramm der Ausstellung Verehrt – Verfolgt – Vergessen und wurde vom Arbeitskreis Erinnern. Gedenken. Und nun? initiiert.

Dieses „und nun?“ war eine zentrale Frage des Abends und zog sich als roter Faden durch die Diskussion. Moderator Carsten Gohlke stieg ein mit dem Thema Rechtspopulismus, der Veränderung und den Bezug zur Geschichte. „Das hatten wir alles schon mal. Ich sehe da viele Parallelen“, sagte Gohlke.

„Geschichte ist etwas Vergangenes. Die Gegenwart ist das, was daraus geworden ist“, sagte Dr. Dieter Vaupel, Lehrbeauftragter im Fachbereich Geschichte der Uni Kassel. Die Grundrechte seien nicht vom Himmel gefallen und seien gewonnene Erkenntnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus. Und diesen Teil der Geschichte „dürfen wir nicht als Fliegenschiss ansehen“, sagte Vaupel in Bezug auf die Aussage des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation.

Vaupel sehe die Schule und damit Lehrer in der Verantwortung, Demokratie zu fördern und aktiv gegen Rassismus vorzugehen. Die Zeit der Prägung geschehe bei Schülern zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr. Schüler wollten ernstgenommen werden. Selbst im Schulgesetz stehe etwas von Toleranz und demokratischen Entscheidungen. Aber: „Wo werden Kinder denn ernsthaft einbezogen?“, fragte er.

Hans Eichel, ehemaliger Hessischer Ministerpräsident, warb dafür, der AfD an diesem Abend nicht zuviel Raum zu geben und brachte gleich zu Beginn auf den Punkt: „Wahrheit ist das, was uns vereint“, sagte Eichel. Nationalsozialismus bringe niemanden weiter. Nationalsozialisten seien unfähig, miteinander zu kooperieren oder miteinander zu arbeiten, und sie könnten auch nichts gemeinsam lösen. Er plädierte für ein starkes geeintes Europa. „Und wir müssen Flüchtlinge anständig behandeln, wenn sie hier sind. Und auch, wenn wir sie zurückschicken“, sagte Eichel. Wer das nicht akzeptiere, sei schon nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes in dem steht, dass die Würde des Menschen unantastbar sei.

Welche Rolle die Gewerkschaften in der politischen Diskussion spielen, erklärte verdi-Gewerkschaftssekretärin Hannah Rappe, die auch im Gemeindeparlament Breuna sitzt. „Wir fragen uns natürlich, wie konnte es kommen, dass die Parolen von damals jetzt wieder unterwegs sind? Die AfD vertrete dabei alles andere als die Rechte von Arbeitnehmern. Das würden nun die Österreicher schmerzlich spüren, die nach rechts gerückt seien und als Resultat einen Arbeitstag mit zwölf Stunden zu leisten hätten. „Wir fragen uns auch, warum das in den Köpfen nicht ankommt“, sagte Rappe.

Geschichtsstudentin Jette Helberg sagte, dass der Friedensdienst, den sie in Polen geleistet habe, sie sehr stark geprägt habe. Sie will alles über die Geschichte wissen und andere aufklären. Oft habe sie aber das Gefühl, nicht richtig gehört zu werden. Die Politisierung junger Menschen am Beispiel in Polen sei gering. „Sie glauben, es bringt nichts“, sagte die junge Frau. Und dagegen will sie „grenzenlos alles zum Thema machen“ und das nimmt man ihr auch ab. Dekan Dr. Gernot Gerlach unterstrich die Aufgabe der Kirche: „Wenn es uns gelingt, die Fragen, die junge Menschen bewegen, zu beantworten, dann sind wir gut. Wir müssen miteinander Wege finden.“

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