Straßennamen

In der Entengasse in Wettesingen waren die Enten heimisch

Quietsche-Enten in der Entengasse in Wettesingen: (von links) Benno Berndt mit seinem Opa Hermann Rappe und Mila Karolus mit ihrem Opa Bernd Flörke.
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Quietsche-Enten in der Entengasse in Wettesingen: (von links) Benno Berndt mit seinem Opa Hermann Rappe und Mila Karolus mit ihrem Opa Bernd Flörke.

Was hat es eigentlich mit Straßennamen auf sich? Woher kommen sie und was verbirgt sich hinter dem Namen. In einer Serie wollen wir einige Straßennamen näher beleuchten.

Wettesingen – Die Entengasse in Wettesingen hat heute mit Enten gar nichts mehr zu tun. Aber genau diese gefiederten Freunde haben der Straße offenbar den Namen gegeben. Wer könnte das besser wissen, als Hermann Rappe, der nicht nur in dieser Straße wohnt, sondern auch ein großes Wissen rund um die Geschichte des Ortes hat und zudem Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins ist.

Hermann Rappe hat nach einer ersten Einschätzung vermutet, dass sich früher in der Entengasse häufiger Enten getummelt haben. Das machte er auch daran fest, dass es in der Entengasse offenbar Wasseradern, Brunnen und viel Grundwasser gibt.

Nach wenigen Zentimetern buddeln schon auf Wasser gestoßen

Sein Haus zum Beispiel, in dem er mit Ehefrau Marlies lebt, die in diesem Haus sogar geboren wurde, habe keinen Keller. Und als er einen Carport bauen wollte, sei er schon nach wenigen Zentimetern Erdaushub direkt auf Wasser gestoßen. Erbaut wurde das Haus in der Entengasse im Jahr 1811.

Auch Aufzeichnungen um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zeigen am Ende der Entengasse einen Entenpfuhl. Damals hieß die angrenzende Obere Straße auch noch Geißenstraße. Wobei Geißen hier nicht für Ziegen steht, sondern wahrscheinlich aus dem niederdeutschen Gaus/Gaise für Gans/Gänse abzuleiten ist.

Wettesingen scheint nicht natürlich gewachsen zu sein

Zwar gibt es über das Geschehen in Wettesingen während des Dreißigjährigen Krieges keine direkten Aufzeichnungen, aber äußerst interessante Indizien und mündliche Überlieferungen. So scheint der Ort in seiner Anlage nicht natürlich gewachsen, sondern geplant zu sein.

Die Straßen sind systematisch und rechtwinklig angeordnet. Nur um die Kirche herum sind Straßen und Häuser so angeordnet, wie man es von einem Dorfcharakter erwartet. Wettesingen soll auch vom Kriegsgeschehen weitestgehend verschont geblieben sein. Allerdings soll der westliche Ortsteil gegen Ende des Krieges (wahrscheinlich im Jahr 1647) zerstört und abgebrannt worden sein.

Ort erstmals im 9. Jahrhundert erwähnt

Hermann Rappe zeigt Auszüge aus dem Preußischen Katasteramt und legt Auszüge aus dem Wettesinger Geschichtsbuch vor. Hier wird Wettesingen in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts erwähnt. Marlies Rappe weiß, dass die Entengasse früher anders aussah.

„Mein Bruder ist etwas älter als ich und er erinnert sich noch daran, dass hier in der Straße früher Feldsteine lagen, zwischen denen bei Nässe immer kleine Fontänen hochsprudelten“, so Marlies Rappe.

Auch wenn das Straßennetz nach dem Dreißigjährigen Krieg umgestaltet wurde und die alten Hauptachsen verschwanden oder geändert wurden, so bleibt vom alten Ort doch noch viel in einigen Straßennamen versteckt. Nicht zuletzt zählt Wettesingen zu den ältesten Dörfern im Kreis Kassel und wurde im Jahr 850 erstmals erwähnt. (Monika Wüllner)

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