Sie verabredeten sich vor der Bombardierung Kassels zum Spielen

Letzter Wunsch: Margret Daubert sucht eine Freundin aus Kindertagen

Möchte so gerne ihre Freundin finden: Margret Daubert, geborene Wille, aus Wettesingen sucht ihre Freundin Herta Fürneisen, geborene Will, aus Kassel. Foto:  Wüllner

Wettesingen/Kassel. Margret Daubert, geborene Wille, wird am 7. November 80 Jahre alt. Sie ist gesundheitlich durch einen Schlaganfall stark eingeschränkt, deshalb kann sie alleine nicht aktiv werden. Doch sie hat einen großen Herzenswunsch: Sie möchte noch einmal ihre Freundin Herta Fürneisen, geborene Will, sehen.

Die hat sie nämlich aus den Augen verloren. Als Kinder haben die beiden Mädchen in Kassel viel zusammen gespielt. Margret Daubert wohnte im Grünen Weg, Herta Fürneisen in der Rothenditmolder Straße. „Wir haben uns einen Tag vor der Bombardierung Kassels noch für den nächsten Tag zum Spielen verabredet. Aber den nächsten Tag gab es nicht mehr“, erzählt Daubert und muss dabei weinen.

Zu schrecklich sind ihre Erinnerungen an den Krieg, die vielen Bomben und das brennende Kassel. Fast acht Jahre alt waren sie und auch ihre Freundin damals. „Und als ich endlich aus dem Keller konnte, hat es über mir, neben mir, unter mir und überall gebrannt.“ Und ihre Freundin habe ihr so leid getan, weil deren Eltern während des Bombenhagels gar nicht bei ihr waren. Sie mussten arbeiten.

Nach dem Krieg haben die Eltern ihrer Freundin noch mal ein Baby bekommen. Das weiß Margret Daubert noch. Die beiden Mädchen haben sich nach der Volksschule in der Schillerstraße in Kassel noch später in der Berufsschule wiedergesehen. „Wir sind oft zusammen spazieren gegangen“, erzählt die 79-Jährige, die gebürtig aus Lemgo stammt. Sie hat im Schuhgeschäft Schäfer in Kassel gearbeitet. Ihre Freundin bei der Bahnhofsmission. Herta Fürneisen habe auch eine ganze Weile bei deren Großeltern in Spiekershausen gelebt. „Meine Freundin war sehr lieb, sehr nett. Und erst als wir verheiratet waren, haben uns die Männer auseinander gebracht. Die mochten sich nicht“, erzählte Daubert. Ungefähr Ende der 90er-Jahre habe sie ihre Freundin zuletzt gesehen. Drei oder vier Kinder habe sie gehabt und eines der Kinder habe offenbar ein Blumengeschäft in Ihringshausen betrieben. Sie glaubt, dass ihre Freundin zuletzt in einem Café am Rot-Kreuz-Krankenhaus gearbeitet habe. „Aber da hatte ich schon den schweren Schlaganfall und konnte nicht mehr laufen.“

Jetzt sehnt sie sich so sehr nach ihrer lieben Freundin. Sie einmal noch zu sehen, das wäre ihr Herzenswunsch. „Aber ich weiß ja nicht mal, ob sie noch lebt“, sagt Margret Daubert, und schon laufen ihr Tränen über die Wange. Nun hofft sie, dass irgendjemand ihre Geschichte liest und ihr helfen kann.

Wer Informationen hat, kann sich am Wochenende oder täglich nach 16 Uhr bei Margret Daubert unter der Telefonnummer 05641 / 6701 melden. Oder per E-Mail an mow@hna.de

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