Tradition und Gaudi beim Wickeltanz in Breuna

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Ganz schön vernebelt: Diesmal ging es beim Wickeltanz nicht nur durch Wasser und Stroh, sondern auch durch dichten Rauch.

Breuna. Willi Wiegand hat den übrigen Breunaern gezeigt, wie es geht, als er am Montagabend beim traditionellen Wickeltanz an den Start gegangen ist.

Während einige der jüngeren Kirmesmacher wegen des schlechten Wetters oder auch der Partynachwirkungen vom Vortag das feuchtfröhliche Treiben schwänzten, stürzte sich der alte Herr mit seinen 85 Jahren mitten hinein ins Getümmel.

Mit Anlauf nahm er den Kornanhänger, der seit fast sieben Jahrzehnten als erstes Hindernis aufgebaut wird. Putzmunter schmiss er sich ins Stroh, sauste über die Rutsche ins dreckige Nass und nahm auch noch eine eiskalte Dusche - Feierspaß über die Generationen hinweg, alle Jahre wieder.

Zeigt den Jungen, wie es geht: Willi Wiegand stürzt sich mit seinen 85 Jahren mitten hinein in die Wickeltanzgaudi.

Dabei ist es diese eine Melodie der Kapelle Immerdurst, die immer und immer wieder von neuem beginnt und die Kirmesburschen samt Frauen durchs festlich geschmückte Breuna begleitet. Wie hypnotisiert folgten sieauch in diesem Jahr wieder den Endlosklängen von Trompeten und Trommeln, tapsten im Takt zur Musik über die von hunderten Passanten gesäumten Straßen, die sich am Montagabend in einen kniffligen Hindernisparcours verwandelt hatten. So übel die Aufgaben auch sein mochten, der Spaß stand dabei immer im Mittelpunkt. Klettern, krabbeln und ganz ganz viel Zauberschnaps - das gehört einfach dazu. Wie auch die Rutsche an der Kirchmauer, die von den schadenfrohen Zuschauern dicht umlagert wurde und in eine Brühe aus Wasser, Stroh und Styroporkügelchen führte.

Es gibt da aber noch ganz andere Traditionen, die viel wichtiger sind als die Gaudi. Die Küsse unter dem Schutz der wehenden Kirmesflaggen etwa, oder auch der Tanz auf der großen Open-Air-Tanzfläche an der Tränke, wo sich die Kirmesschar spiralförmig ein- und wieder auswickelte. Dort zelebrierten die Breunaer den Tanz, der dem Kirmeshöhepunkt seinen Namen gegeben hat, um sogleich der Endlosmelodie zu den verbleibenden Stationen zu folgen, über den Kreisel direkt zum Dorfgemeinschaftshaus, an dem es wie gewohnt über eine Leiter durchs Fenster ging. Was dort auf die Wickeltänzer wartete? Ein letzter Abend Kirmesspaß, und den ließ sich auch Willi Wiegand nicht entgehen. (zhf)

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