Kreisleistungshüten in Wettesingen

Stock und Hunde statt Elektrozaun

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Die erfolgreichen Schäfer mit ihren Hunden beim Kreisleistungshüten in Wettesingen: Thomas Köster (von links), Peter Safranek, Burghardt Sautschek, Frank Plötzer und Manuel Gerland. 

Wettesingen. Beim Leistungshüten des Kreisschäfervereins Kassel in Wettesingen siegte in diesem Jahr  Thomas Köster aus Trendelburg-Friedrichsfeld. Bei dem imposanten Wettbewerb wurde auch deutlich, dass dieser Beruf vom Aussterben bedroht ist. 

Wettesingen. Wenn sich Manuel Gerland auf seinen hölzernen Hütestock stützt und unter dem riesigen Hut die Augen gen Weide richtet, sieht er aus, als sei er aus längst vergangenen Zeiten direkt ins Jetzt gesprungen. Aus Zeiten, in denen das Schafehüten noch mehr war als bloß ein schönes Hobby, als es noch ganze Familien ernährt und als Haupterwerb getaugt hat. Dass dem heute nicht mehr so ist, weiß der 37-Jährige Wettesinger nur zu gut, denn er kann sich um seine rund 250 Schafe nur neben seiner Vollzeitarbeit fürs Veterinäramt kümmern. „Das war auch mal anders“, erinnert sich Gerland, der einer Familie entstammt, in der sich seit Generationen alles um die wollenen Vierbeiner dreht. „Mein Uropa hatte acht Kinder und konnte von 50 Schafen leben, mein Opa hatte vier Kinder und musste trotz 150 Schafen in den 70er Jahren schon nebenbei arbeiten gehen, um die Familie ernähren zu können.“ Sein Vater habe schließlich ganz aufs Schafehüten verzichtet und er selbst betreibe es in erster Linie aus Spaß an der Freude, und – das ist ihm ganz wichtig - um die Tradition nicht ganz verloren gehen zu lassen.

Aus dem Grund hat er am Sonntag seine Herde auch für das diesjährige Leistungshüten des Kreisschäfervereins Kassel zur Verfügung gestellt. Das an dem gerade einmal noch vier Schäfer aus der Region und einer aus Thüringen teilnehmen, zeige deutlich, dass es sich um einen aussterbenden Beruf handele.

Auch Gerland selbst nimmt daran teil, stellt sich gleich als Erster den strengen Augen der Wertungsrichter, die all das begutachten, was zum Alltag eines Schäfers dazu gehört: die Herde aus und in einen Pferch treiben, sicher an einem Auto vorbei oder über eine Brücke führen. „Eigentlich geht es dabei weniger um die Schafe selbst, sondern mehr um die Hunde, die ihre Arbeit machen müssen“, so der junge Schäfer, der sich auf seine altdeutschen Hütehunde Seppel und Flo immer verlassen kann. Obwohl sie beim Kreisleistungshüten in Wettesingen ihren Job nicht schlecht machen, reicht es am Ende nicht zum Sieg. Thomas Köster, ein junger Schäferkollege aus Trendelburg-Friedrichsfeld, ist mit seinen Vierbeinern Cindy und Max einfach einen Ticken besser. Enttäuscht sei er dennoch nicht, denn bei Wettkämpfen wie diesem gehe es schließlich weniger ums Siegen, sondern vielmehr um die Darstellung und den Erhalt des alten Berufsstandes in einer Zeit, in der Elektrozäune ihn fast schon überflüssig machen. (zhf)

Hintergrund

Ein aussterbender Beruf

Ganze 50 Mitglieder zählt der Kreisschäferverein Kassel heute noch, ungefähr die Hälfte von ihnen hat laut Vereinsvorsitzendem Harald Köster noch eine eigene Herde. Der Trend sei weiter rückläufig, auch deshalb seien Veranstaltungen wie das Kreisleistungshüten so ungemein wichtig.

In diesem Jahr siegte Thomas Köster aus Trendelburg-Friedrichsfeld mit seinen Hunden Cindy und Max vor Burghardt Sautschek aus Henningsleben (Thüringen) gefolgt von Manuel Gerland (Wettesingen) und Peter Safranek (Kassel) auf zwei dritten Plätzen. Schlusslicht und damit Vierter ist Frank Plötzer aus Hessisch-Lichtenau. Die Arbeit der teilnehmenden Schäfer begutachtete neben Köster Kurt Schirmer.

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