Mit Technik gegen die Milchkrise

Video: Landwirt aus Rhöda zeigt den Melkroboter

Rhöda. Der rote Laserstrahl leuchtet am Euter der Kuh. Der Computer sucht so die Zitzen. Hat er sie gefunden, setzt er die Melkbecher an und beginnt damit, die Milch abzupumpen.

Bei Familie Liese läuft das Melken vollautomatisch. So haben sie mehr Zeit, die Äcker zu bewirtschaften. Durch die Struktur als Misch-Betrieb kann die Familie in Rhöda mit ihrem Hof der Milchkrise trotzen. Obwohl auch sie die niedrigen Preise spüren.

Der Hof der Lieses ist ein kleiner Familienbetrieb. 50 Milchkühe haben sie zurzeit. „Das sind etwa zwölf weniger als früher“, sagt Reinhold Liese, der gemeinsam mit seiner Frau Claudia und ihrem Sohn den gesamten Hof bewirtschaftet. „Das Angebot an Milch liegt im Moment höher als 100 Prozent.“ Von der Molkerei bekommt er zurzeit nur 28,5 Cent für einen Liter Milch. „Das ist viel zu wenig.“

Viele Betriebe, die noch Altlasten haben, hätten durch den geringen Preis jetzt große Probleme, über die Runden zu kommen. „Wenn der Liter Milch nur 15 Cent mehr kosten würde, wäre das Problem gelöst“, sagt Liese. Er ist sich sicher, dass auch die meisten Kunden bereit wären, mehr zu zahlen. Im Moment würden die Milchpreise aber von den Discountern gedrückt.

Die Produktion der Milch ist bei den Lieses hochmodern und computergesteuert. Die Zeiten, in denen auf dem Hof in Rhöda am Melkstand gemolken wurde, ist seit zehn Jahren vorbei. Damals schaffte der Betrieb einen Melkroboter an - als einer der ersten Höfe in der Region.

Meistens läuft alles ohne weiteres Zutun der Menschen. Gibt es doch einmal ein Problem, ruft der Roboter auf dem Handy von Reinhold Liese an. „Die Computerstimme sagt mir dann, was nicht glatt läuft. Dann muss ich nachsehen, auch nachts.“

Trotz der ständigen Arbeit haben er und seine Frau viel Spaß an dem, was sie auf ihrem Hof tun. Die Kühe sind ihr ein und alles. Jedes Tier hat einen Namen und von jedem wissen sie, was es mag und wann es protestiert. Dennoch müssen auch sie sehen, dass sie profitabel wirtschaften können. Dem Preiskampf sehen sich die Lieses jedenfalls hilflos ausgesetzt. „Streiken dürfen wir ja auch nicht mehr“, sagt Claudia Liese. Die Familie hat mitbekommen, wie viele andere Betriebe aufgeben mussten. „Der Markt konzentriert sich immer mehr“, sagt Reinhold Liese.

Sie selbst haben jedoch noch keine großen Schwierigkeiten. Sie wollen ihren Betrieb mit weniger Kühen aufrecht erhalten. Sie haben keine Altlasten und sind neben Milch- auch als Ackerbauern tätig. Das sichert ihnen das Überleben. „Nur von der Milch zu leben, wäre im Moment sehr schwierig“, sagt Claudia Liese.

Der Melkroboter in Zahlen:

6,5 Stunden machen die Kühe meistens Pause, bis sie das nächste Mal gemolken werden.

365 Tage im Jahr ist der Melkroboter auf dem Hof der Familie in Betrieb.

1400 Gramm saugt der Roboter in einer Minute durchschnittlich aus einer Zitze am Euter ab.

1600 Liter Milch produzieren die Kühe der Familie Liese an einem Tag.

100.000 Kilogramm Milch geben die besten Kühe von Reinhold Liese in ihrem Leben.

130.000 Euro hat der Melk- roboter bei der Anschaffung gekostet.

580.000 Mal hat der Melk-roboter in den knapp zehn Jahren, in denen er auf dem Hof Liese in Betrieb ist, eine Kuh gemolken.

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