„Dass die Gesundheit so bleibt“

Was man sich mit 87 Jahren noch wünscht: Eine Breunaerin erzählt

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Kämpfernatur: Die gebürtige Breunaerin Anneliese Bodenhausen genießt ihren Lebensabend. 

Breuna. Zum neuen Jahr hat man traditionell viele Wünsche. Doch diese ändern sich im Laufe der Zeit. Und wenn man wie Anneliese Bodenhausen mit 87 Jahren im Altersheim lebt – was wünscht man sich dann noch?

„Dass die Gesundheit so bleibt wie sie ist. Mehr kann man nicht erwarten“, sagt Bodenhausen. Seit einem Jahr ist die gebürtige Breunaerin im Pflegeheim Haus am Walde in Breuna – und fühlt sich wohl. Sie geht gern spazieren, auch wenn das draußen nicht mehr ohne Hilfe geht. Seit 1985 leidet Bodenhausen an einer Augenerkrankung, sie ist fast blind. Doch über die Flure spaziert sie mit dem Rollator gerne. „Man braucht viel Bewegung um gelenkig zu bleiben.“

„Der Mensch kann viel aushalten.“

Den Großteil ihres Lebens hat Anneliese Bodenhausen schwer geschuftet. Nach dem Krieg war sie mit ihrer Mutter und den Großeltern alleine – Vater und Bruder sind im Krieg geblieben. Kurz darauf heiratete sie. Ihr Mann war kriegsversehrt, hatte ein lahmes Bein. Die beiden bauten ein Haus in ihrem Geburtsort Breuna. Für Bodenhausen galt es, auf 1900 Quadratmetern Landwirtschaft zu betreiben. Zwei Töchter zog Bodenhausen nebenbei noch groß. Vor 24 Jahren starb ihr Mann. Von nun an musste sie sich um Haus und Grundstück alleine kümmern. Doch Bodenhausen ließ sich nie unterkriegen: „Wenn man muss und Willen hat, kann man viel erreichen.“

Mit ihrer Situation im Heim hadert Bodenhausen nicht: „Ich fühle mich hier zuhause. Ich habe ein schönes Zimmer, meine Bekannten sind hier, und ich habe den Wald vor der Nase.“

Zudem sei immer jemand für einen da, so fühle man sich nicht fremd. Für den Platz im Heim hatte sie sich schon vor gut 20 Jahren angemeldet. Bodenhausen genießt ihren Lebensabend. Dass sie fast blind ist, stört da auch nicht mehr: „Jeder Mensch hat was. Ich kann nicht mehr sehen, dafür kann ich alles andere.“ Auch sonst ist Anneliese Bodenhausen eine Kämpfernatur: „Ich bin durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Aber der Mensch kann viel aushalten.“

„Das letzte bisschen kriege ich auch noch hin. Vor dem Tod habe ich keine Angst.“

Zu den Höhepunkten ihres Lebens zählt sie die Heirat, den Bau des eigenen Hauses und die Geburt zweier Töchter. Aber auch Tiefen hat Anneliese Bodenhausen einstecken müssen, wie den Verlust von Bruder, Vater und Ehemann.Der absolute Tiefpunkt war der Krebstod ihrer ältesten Tochter.

Wie blickt man nach so einem bewegten Leben, das auch vom Krieg und harter Arbeit geprägt wurde, in die Zukunft? „Ich habe es bald geschafft. Das letzte bisschen kriege ich auch noch hin. Vor dem Tod habe ich keine Angst“, sagt Anneliese Bodenhausen.

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