„Jetzt muss auch was passieren“

Wettesingen versorgt sich als Bioenergiedorf komplett selbst – und hofft auf Nachahmer

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Klimafreundlich: Dieter Hösl, von der Energie-Genossenschaft in Wettesingen, im Pellet-Heizwerk. Dank des Werkes muss das Dorf selbst in sehr kalten Zeiten keine Energie dazukaufen.

Fridays For Future, Greta Thunberg – und nun auch noch CSU-Politiker Markus Söder, der den Klimaschutz im Grundgesetz verankern will: Der Klimawandel und was dagegen zu tun ist, ist in aller Munde.

In Wettesingen ist man bereits einen Schritt weiter: Der Breunaer Ortsteil versorgt sich als Bioenergiedorf bei Strom und Wärme komplett aus Erneuerbaren Energien.

„Wir sind in Deutschland Vorreiter für alle, die zu 100 Prozent erneuerbare Energie nutzen wollen“, sagt Dieter Hösl, Vorstandsvorsitzender der Energie-Genossenschaft in Wettesingen, nicht ohne Stolz. Wettesingen ist neben Jühnde in Südniedersachsen eines der wenigen Bioenergiedörfer in Deutschland. „Wir sind das erste Dorf, das komplett auf fossile Brennstoffe und fremde Konzerne verzichtet hat“, erklärt Hösl. Während andere Dörfer in Spitzenzeiten mit Öl heizen, braucht man das in Wettesingen nicht.

Möglich macht das ein Pellet-Kraftwerk. Dort werden in drei großen Öfen Holzpellets verbrannt. Jetzt, im Sommer, stehen die Öfen still. In der Heizperiode schaltet sich das Kraftwerk automatisch an. Damit deckt die Energiegenossenschaft den höheren Bedarf und muss keine Energie dazu kaufen.

Die drei Säulen des Bioenergie-Projekts in Wettesingen: Auf den Bildern oben ist das Pellet-Heizwerk zu sehen. Unten links das Blockheizkraftwerk im Ort, rechts die Biogasanlage mit Kraftwerk. Sie ist die Keimzelle der Bioenergie.

„Wir müssen uns fragen: Was wollen wir für unsere Kinder tun?“, erklärt Hösl die Motivation der Wettesinger. Für ihn war die Entscheidung hin zum Bioenergiedorf die richtige. Zwar sei herkömmlicher Strom derzeit etwas günstiger, dennoch habe sich das Projekt gelohnt.

Das umso mehr, weil die Vorteile überwiegen. „Egal wie hoch der Ölpreis gerade ist – und der wird wieder steigen –, man bekommt Wärme“, sagt Hösl. Gleichzeitig steigere eine Gemeinde ihre Attraktivität mit solchen Projekten. „Beispielsweise ist es durch die Verlegung der Rohre kein Problem, auch Glasfaser bis zu den Häusern zu legen“, sagt er.

Natürlich macht es auch viel Arbeit, das Projekt am Leben zu halten. Engagement ist unerlässlich. In Wettesingen kümmern sich vor allem vier Mitglieder der Genossenschaft um einen reibungslosen Ablauf.

Die SPD-Landtagsabgeordneten Oliver Ulloth (rechts) und Stephan Grüger links) informieren sich mit Dieter Hösl und Breunas Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann im Blockheizkraftwerk.

Wie das Ganze funktioniert, haben sich kürzlich die SPD-Landtagsabgeordneten Oliver Ulloth und Stephan Grüger gemeinsam mit Breunas Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann angeschaut. Sehr zur Freude von Hösl, denn: „Die Politik hat solche Projekte in den vergangenen Jahren aus den Augen verloren.“ Der Wunsch der Genossenschaft: Dass Bioenergiedörfer mehr gefördert werden. So gingen bei der Finanzierung kaum Banken das Risiko ein und gäben Kredite. Helfen könnten da Bürgschaften des Staates. „Mit Blick auf die Folgegeneration muss die Politik jetzt etwas tun“, fordert Hösl.

In Wettesingen hat man derweil klare Ziele. Dort will man das Netz weiter ausbauen. Außerdem hoffen die Wettesinger auf Nachahmer. Das Ziel ist klar: „Alle reden vom Klimawandel. Jetzt muss auch was passieren.“

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