In Breuna aufgewachsen

Wolfgang Büscher kehrte nach Breuna zurück und las aus aktuellem Buch

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Geschichten aus Jerusalem: Autor Wolfgang Büscher, aufgewachsen in Breuna, las in der Kulturscheune seines Heimatortes aus seinem neusten Buch vor.

Breuna. Die Kulturscheune in Breuna war rappelvoll, als Wolfgang Büscher sein Buch „Ein Frühling in Jerusalem“ vorstellte.

Der erfolgreiche Autor und Journalist wuchs in Breuna auf, wo seine Eltern noch heute leben.

In seinem neuesten Werk beschreibt er während eines zweimonatigen Aufenthalts in einem arabischen Hostel und in einem griechischen Konvent seine Erlebnisse in der Heiligen Stadt. Aber es ist kein Geschichtsbuch und auch kein Reisebericht im üblichen Sinne. Wolfgang Büschers Ziel ist es, die Altstadt mit allen Sinnen zu erfassen. So sind es die Farben, Gerüche, Geräusche und Formen in den verschiedenen Altstadtvierteln, die ihn interessieren. Gleich zu Beginn der Lesung nimmt der Autor in dem Kapitel „Ist Jerusalem schön?“ mit seiner klaren, warmen Stimme das Publikum mit auf seinen täglichen Weg durch die verwinkelten Gassen, auf die Stadtmauer, zu den Basaren und an die Stadttore. Seine Sprache ist bildhaft. So wird der Grabeswächter zu einem „schwarzen Engel“, Jerusalem zu einem „harten Brot, gebacken nach uraltem Rezept, gewürzt mit Geschichten“.

Lebensgeschichten

Doch eine Stadt wird vor allem von ihren Menschen geprägt. In Jerusalems Altstadt leben auf engstem Raum Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund. Im Kapitel „Das Flüstern der Häuser“ stellt Wolfgang Büscher einige von ihnen und ihre von Leid geprägte Lebensgeschichte vor. Da ist Nora, eine Palästinenserin, die durch die Juden ihr Haus verloren hat, Elia, ein Kurde, dessen Familie getötet wurde und der auf Umwegen nach Jerusalem kam und Charly Effendi, ein armenischer Fuchs, der die Stadt wie seine Westentasche kennt. Es gibt auch lustige Begegnungen. So führt der Autor einen Dialog mit einem Araber, der kein Wort Deutsch spricht, aber dafür die Namen der Fußballer des 1. FC Bayerns kennt. Das wirkt alles sehr authentisch und dadurch glaubhaft. Empathie und Emotionen spielen eine große Rolle im Buch.

„Jerusalem lässt keinen kalt, entweder man liebt es oder man hasst es“, sagte Wolfgang Büscher am Ende der Lesung. Die Besucher jedenfalls lauschten Wolfgang Büschers Worten ergriffen. Elke Müldner dankte dem Autor mit den Worten: „Ihre Lesung hat mich zum Schlucken und auch zum Lachen gebracht.“

Im Anschluss an seine Lesung beantwortete der Nordhesse Fragen aus dem Publikum. Sein Fazit: Als wichtigstes Ergebnis des Aufenthalts seien ihm die vielen Freundschaften in Erinnerung geblieben, die immer noch hielten. Die zwei Monate in Jerusalem haben ihn zu einem Teil der Stadt werden lassen.

Zur Person

Wolfgang Büscher, geb. 1951 in Volkmarsen, wohnte in Breuna, von 1970 bis 1975 studierte er Germanistik, Politik und Sozialwissenschaften in Marburg. Er arbeitete als Journalist bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen, wie „Spiegel“, „Zeit“, „Welt“ und „Geo“. Sein erstes Buch: „Drei Stunden Null“ (Fest Verlag 1998) beschreibt Berlin in den Jahren 1945, 1968 und 1989. Weitere Bücher folgten: Bestseller „Berlin - Moskau“, eine Reise zu Fuß (Rowohlt 2003), „Ein Frühling in Jerusalem“ (Rowohlt 2014), 19,95 Euro. Für seine Bücher und Reportagen erhielt er zahlreiche Preise. Wolfgang Büscher ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Berlin.

Von Ursula Neubauer

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