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Eine neue Generation übernimmt beim Wolfhager Figurentheater

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Von: Maike Lorenz

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Etwa 150 Puppen besitzt das Wolfhager Figurentheater. Besonders stolz ist die Familie Kaselowsky jedoch auf einen etwa 70 Jahre alten Kasper, der vom Puppenbildner Till de Kock geschnitzt worden ist.
Etwa 150 Puppen besitzt das Wolfhager Figurentheater. Besonders stolz ist die Familie Kaselowsky jedoch auf einen etwa 70 Jahre alten Kasper, der vom Puppenbildner Till de Kock geschnitzt worden ist. © Norbert Müller

Jetzt ist die junge Generation am Zug: Sidney und Gerardo Kaselowsky spielen im Wolfhager Figurentheater das Stück „Neinhorn“.

Wettesingen – „Für mich stand schon als kleiner Junge fest, dass ich später einmal Figurentheater spielen möchte“, sagt Gerardo Kaselowsky. Spätestens jetzt ist dieser Traum Wirklichkeit: Gemeinsam mit seiner Schwester Sidney (21) führt der 19-Jährige seit etwa einem halben Jahr das erste eigene Stück im Wolfhager Figurentheater auf: „Das Neinhorn.“

Die beiden Geschwister treten damit in die Fußstapfen der Eltern, Jessica und Rinaldo Kaselowsky, die im Jahr 2000 das Wolfhager Figurentheater gründeten. Die Eltern sind ebenfalls in Puppenspielerfamilien aufgewachsen, Sidney und Gerardo stellen deshalb mittlerweile schon die achte Puppenspieler-Generation.

Mutter Jessica Kaselowsky (41) erinnert sich: „Schon im Grundschulalter hat Gerardo ab und zu kleinere Rollen im Theater gespielt. Er hatte da gar keine Berührungsangst.“

Nächste Auftritte des Wolfhager Figurentheaters

Bis Ende Januar 2023 gibt es nach Angaben des Figurentheaters noch Aufführungen in Melsungen (14.01., 16 Uhr), Warburg (15.01., 16 Uhr), Lispenhausen (16.01., 16 Uhr), Röddenau (17.01., 16 Uhr), Treysa (20.01., 16 Uhr), Gudensberg (23.01., 16 Uhr) und Sachsenhausen (25.01., 16 Uhr). Der Eintritt kostet für Erwachsene 11 Euro und für Kinder 10 Euro.

Nachwuchspuppenspieler in Wolfhagen: „Ich bin schon mein ganzes Leben lang unterwegs“

Anders als bei ihrem Bruder steht für Sidney Kaselowsky erst seit Kurzem fest, dass sie einmal in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wird. Eine Zeit lang habe sie überlegt, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen, sagt Sidney. Der Grund, weshalb sie sich nun doch dagegen entschieden hat: „Ich bin schon mein ganzes Leben lang unterwegs. Es wäre für mich schwer gewesen, nur an einem Ort zu leben.“

In Nicht-Pandemiejahren ist die Familie von März bis zum Beginn der Adventszeit mit dem Puppentheater auf Tour. „Meist zieht es uns in Richtung Norden. Im Sommer spielen wir regelmäßig auf der Ostseeinsel Poel“, berichtet Jessica Kaselowsky. Bis zur coronabedingten Pause kannte die Familie das Wolfhager Land deshalb nur aus dem Winter und Frühling.

Die 41-Jährige sagt: „Mein Mann und ich haben unsere Kinder nie dazu gedrängt, dass sie das Figurentheater übernehmen sollen.“ Der Stolz darüber, dass ihre Kinder nun das erste eigene Stück spielen, ist ihr dennoch anzumerken. „Mein Mann und ich sind weder beim Schreiben des Textes noch bei den Proben dabei gewesen“, berichtet sie. „Wir haben uns überraschen lassen.“

Corona als Belastung für das Wolfhager Figurentheater: Nun endlich wieder auftreten wie gewohnt

Etwa drei Monate lang haben die Nachwuchsspieler an dem Text geschrieben und geübt. Wie die Geschwister berichten, sei das teils eine Geduldsaufgabe gewesen, aber für Sidney überwiegt die Freude daran, „die Seiten eines Buches auf die Bühne zu bringen“. Und auch Gerardo sagt: „Ich habe Spaß daran, den Text zu schreiben und daraus nach und nach ein Gesamtkunstwerk zu machen.“

Weniger gute Erinnerungen hat die Familie an die ersten Phasen der Corona-Pandemie. Die Zeiten, in denen coronabedingt keine Auftritte möglich gewesen sind, sind für das Figurentheater eine Belastung gewesen. Jessica Kaselowsky berichtet: „Wir sind unheimlich froh, dass es wieder in Richtung Normalität geht. Etwa zweieinhalb Jahre sind wir durch Höhen und Tiefen gegangen.“ Erst seit einem halben Jahr könne das Figurentheater „Gott sei Dank“ nun wieder wie gewohnt auftreten.

„Viele Familien haben jetzt das Bedürfnis, rauszukommen“, berichtet die 41-Jährige. „Seit letztem Sommer sind wir von unseren Besucherzahlen angenehm überrascht.“

Wolfhager Puppenspieler berichten: „Heute ist es schwieriger, Leute ins Figurentheater zu locken.“

Obwohl das Wolfhager Figurentheater momentan gut besucht ist, kann die Familie Kaselowsky von dem Ansturm auf die Figurentheater älterer Generationen nur träumen.

Jessica Kaselowsky berichtet schmunzelnd: „Meine Großeltern sind früher während des Krieges mit Pferd und Wagen unterwegs gewesen. Wenn sie in ein Dorf gekommen sind, mussten sie nur ein einziges Plakat an der Milchtankstelle aufhängen und allein das hat schon gereicht, um die Vorstellung vollzubekommen. Damals war das eine große Attraktion. Heute ist es schwieriger, Leute ins Figurentheater zu locken.“

Das Figurentheater an sich habe sich über die Jahre nicht großartig verändert, sagt die 41-Jährige: „Vom Prinzip her ist vieles geblieben, wie ich es aus der Kindheit kenne. Nur der Kasper wird jetzt seltener gespielt und es wird heute weniger mit Holzfiguren gearbeitet.“ Jessica Kaselowsky sagt: Es wäre schade, wenn der Kasper ganz verschwindet. Deswegen haben wir ihn noch im Programm.“ (Maike Lorenz)

Nicht alle Puppen haben es so gut. Deswegen gibt es Leute wie Gabriela Schmidt aus Lichtenau bei Paderborn. Sie heilt Teddys und Puppen, die durch allzu starkes Knuddeln oder einfach altersbedingt Arme, Augen oder Ohren eingebüßt haben.

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