1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen

Der Grischäfer Erich Holzhauer hat der Säule im Bad Emstaler Park eine Kur spendiert

Erstellt:

Von: Norbert Müller

Kommentare

Ganz ohne Blumen: Erich Holzhauer neben der neugestalteten Säule im Bad Emstaler Kurpark.
Ganz ohne Blumen: Erich Holzhauer neben der neugestalteten Säule im Bad Emstaler Kurpark. © Norbert Müller

Verliebt ins satte Blau des großen Vorbilds.

Bad Emstal – Akademisches Dozieren ist nicht Erich Holzhauers Sache. Statt des trockenen Parlierens liegt dem Mann mit der silbernen Mähne eher das Schwärmen. 82 Jahre ist die nordhessische Gastronomie-Legende mittlerweile alt, und wenn er sich mit etwas beschäftigt, dann immer noch mit derselben Begeisterung, mit dem gleichen Enthusiasmus, wie in jungen Jahren. Das gilt erst recht, wenn es um die Kunst geht. Und die spielt bei dem Mann, der als Grischäfer einst die Promis in sein Restaurant im verschlafenen Sand lockte, gerade eine ganz zentrale Rolle.

Grund ist eine Säule, die der Elgershäuser Junge, wie er sich gerne noch auf seine Herkunft anspielend bezeichnet, vor gut 20 Jahren der Gemeinde und dem Kurpark spendiert hatte. Gut vier Meter hoch ist das Stahlkonstrukt mit seinen hölzernen Flanken und zwei Tonnen schwer, erzählt der Mann in Schwarz, während sein luftiger, orangefarbener Sommerschal in der Septemberbrise tänzelt. Was der Millionen Jahre alte Basaltbrocken, der die Säule krönt und aus einem Fluss aus Holzhauers bevorzugter Urlaubsregion in Österreich stammt, wiegt, wisse nur der liebe Gott.

Als die Säule ihren Platz im Park bekam, nannte man sie die Blumen-Stele, was vor allem mit der abstrakt-floralen Bemalung zu tun hatte, die Erich Holzhauer mit flottem Strich aufgetragen hatte. „Alle zehn Jahre sollte dann ein anderer Künstler die Stele bemalen“, erinnert er sich an das ursprüngliche Konzept. „Es kam aber keiner.“ Und so welkten die Blumen über die Zeit vor sich hin, bis sich Bad Emstals Bürgermeister Stefan Frankfurth kürzlich erkundigt habe, was denn nun werden solle mit dem blümeranten Objekt.

Da musste der Schöpfer und Spender nicht lange grübeln. Auf seinem Anwesen auf der Insel Lanzarote, wohin Erich Holzhauer mit seiner Frau Gisela schon vor gut einem Vierteljahrhundert übergesiedelt ist, nachdem beide das Geschäft den Söhnen Frank und Rainer übertragen hatten, machte sich das nordhessische Multitalent ans Werk.

„Die Malerei liegt mir im Blut“, diagnostiziert Holzhauer, wohl auch deswegen, weil er als Jüngling erst mal eine Malerlehre absolvierte, ehe er seine große Liebe Gisela kennenlernte, deren Eltern in Sand ein Gasthaus betrieben. Aus dem flotten Malergesellen und jung Verheirateten wurde damals schnell ein Metzgermeister voller Ideen für neue Wege im ländlichen Gastgewerbe.

Auf der Vulkaninsel widmete sich der Schöngeist mit dem breiten Kreuz verstärkt der Kunst. Inzwischen ist der Kreative ein veritabler Vertreter des Colour Field Paintings, der monochromen Farbfeldmalerei. „Mein großer Liebling ist Yves Klein, der ein Blau entwickelt hat, das einmalig ist auf der Welt.“ Wen wundert’s, dass der längst verblichene französische Künstler die Inspiration für die Neugestaltung der Stele im Kurpark ist.

„Blau, das ist meine Farbe. Irgendwie war sie das schon immer“, ereifert sich Holzhauer. Als Gastronom hat er als Besonderheit den Train Bleue auf die Schiene der Naumburger Kleinbahn gestellt für besondere festliche Anlässe der Kundschaft, „und bei mir auf der Insel gibt es im Haus einen Salon Bleue“. In Tirol habe er einem Bekannten einen „Blue Room“ mit Bildern ausgestattet.

Die Stele sollte dann mit einer an Yves Kleins patentiertem Ultramarin angelehnten Tönung, gewissermaßen dem „Erich-Blau“, monochrom runderneuert werden. Inzwischen ist sie es, und seit Montag sind auch die vom Säulenspender in Auftrag gegebenen Zitate an der Stele befestigt. Goethe hat mit einem Statement zur Farbe Blau seinen Platz gefunden, dazu Friedrich Schiller „mit meinem Lieblingssatz“. Und schon deklamiert er begeistert: „Die Kunst ist die Tochter der Freiheit.“

Vom Ergebnis der Arbeit ist Erich Holzhauer, der seit Wochen schon mit seiner Frau in der alten Heimat die Sommerfrische verbringt, ganz hingerissen. Er steht mit ausgebreiteten Armen vor der nahezu einfarbigen Säule, die als zusätzlichen Schmuck noch Lavagestein von Lanzarote trägt, und schwärmt davon, wie es ist, „wenn man sich in das Blau versenkt: Es beruhigt, das ist Balsam für die Seele.“ Und das gibt der kontaktfreudige Kreative auch gerne in seiner ihm eigenen charmanten Art an Passanten weiter: Mit einer älteren Dame, die gerade mit ihrem Hund durch den Kurpark spaziert, kommt er gleich ins Gespräch. Sein gut gemeinter Rat lässt nicht auf sich warten: „Gute Frau, wenn es Ihnen mal nicht so blendend geht, kommen Sie doch hier an die Stele. Das Blau tut Ihrer Seele gut, das baut auf.“

Ihm selbst ist die Farbe des Himmels und des Meeres offenbar so etwas wie ein Lebenselixier. Beim Blick auf die in der Spätsommersonne strahlende frische Farbe schwärmt Erich, der Grischäfer: „Ich habe mich in das Blau so wahnsinnig verliebt.“ Da spüre er schon einen Hauch von Trennungsschmerz, weil er ja am Montag mit der Gemahlin wieder zurück auf seine Sonneninsel vor der Küste Westafrikas jettet. (Norbert Müller)

Auch interessant

Kommentare