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Die Äpfel verfaulen auf den Obstwiesen im Wolfhager Land

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Von: Monika Wüllner, Johannes Rützel

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Viele Äpfel an und unter den Obstbäumen in Breuna: Jugendliche werden jetzt die Äpfel einsammeln und zu leckerem Kuchen, Gelee und Saft verarbeiten.
Viele Äpfel an und unter den Obstbäumen in Breuna: Jugendliche werden jetzt die Äpfel einsammeln und zu leckerem Kuchen, Gelee und Saft verarbeiten. © monika wüllner

Nur wenige Leute wollen Früchte von den kommunalen Bäumen ernten, berichten die Kommunen. Dabei kostet das Ernterecht nur 5 Euro.

Wolfhagen – Im Herbst werden normalerweise die Äpfel geerntet. Vielerorts im Wolfhager Land fallen sie allerdings reif vom Stamm und verfaulen dann auf der Wiese. Das Problem betrifft vor allem die Bäume und Obstwiesen in der Hand der Kommunen. Wer dort Äpfel und Obst ernten darf, das legt jede Gemeinde selbst fest.

In Wolfhagen kann man Obstbäume pachten oder eine Patenschaft übernehmen. Paten müssen den Baum pflegen und dürfen dafür das Obst gratis ernten. „Das Interesse ist mehr als gering“, sagt Stephan Schmidt von der Stadt Wolfhagen. Mehrere hundert Obstbäume dürfte es auf Wiesen und an Wegen geben. Darunter seien auch viele seltene und alte Sorten, die für den Genpool erhalten bleiben sollen, sagt Schmidt.

Svenja Jedamski organisiert die Ernterechtvergabe für die Gemeinde Bad Emstal. „Dieses Jahr haben sich nur wenige Leute gemeldet, weniger als zehn“, sagt sie. Für das Ernterecht müssten die Leute nur fünf Euro bezahlen. Die Baumpflege liege im Verantwortungsbereich der Gemeinde.

Jakob Peter von der Baumschule Pflanzlust in Wolfhagen-Nothfelden sagt, dass das Obstjahr insgesamt sehr gut sei, so gut, dass er sogar an zwei Tagen die Woche Äpfel für die Mosterei annehme. Sonst käme er mit der Menge nicht hinterher. Die Keltereien sind mit der Ware sehr zufrieden: „Dieses Jahr gibt es kaum faules Obst und keine Überschuss-Ware, sondern nur frisch vom Baum geschüttelte Äpfel“, sagt er.

Bei den Äpfeln von den kommunalen Bäumen seien die Sorten oft unbekannt, problematisiert Jakob Peter. Das heißt, dass die Leute oft nicht wissen, ob die Äpfel, die sie ernten, auch lagerfähig sind. Deshalb wurde von den kommunalen Bäumen früher fast alles vermostet.

Dagegen hat Claudia Thöne von der Verwaltung in Naumburg etwas unternommen. Viele der rund 1000 Obstbäume der Gemeinde wurden in den vergangenen zehn Jahren von Fachleuten bestimmt. Vor allem die lagerfähigen Sorten erfreuten sich schon größerer Beliebtheit, sagt sie. Viele Leute würden Jahr für Jahr die Ernte am gleichen Baum für fünf Euro kaufen.

In Naumburg können Bäume auch gepachtet werden. Dafür müssen die Pächter die Bäume schneiden, erklärt Claudia Thöne. Das Wissen dafür wird in Seminaren vom Verein Raum für Natur vermittelt. Auch deshalb gebe es in Naumburg einige junge Familien, die Bäume pachten. Jedes Jahr kämen auch neue Pächter hinzu, berichtet Claudia Thöne stolz. Es sei auch noch jede Menge ungeerntetes Obst verfügbar, Interessenten könnten sich inNaumburg stets melden.

Obstbäume, die in der Gemeinde Breuna nicht verpachtet werden konnten, werden jetzt von der Jugendarbeit Breuna angesteuert. Jugendbetreuer Michael Gassner von der Abenteuer4ma will mit den Jugendlichen die Äpfel pflücken oder aufsammeln und sie zum Teil zum Mosten bringen. Weitere Äpfel sollen zu Kuchen und Gelee verarbeitet werden. „Das wird ein Projekt über drei Wochen“, sagte Gassner. Er rechnet damit, dass sich 20 Jugendliche an dieser Aktion und dem Projekt beteiligen. „Wäre echt schade umd die Äpfel“, so Michael Gassner.

In der Gemeinde Habichtswald sollten freie Bäume eigentlich durch ein gelbes Band markiert werden. Die Aktion „Gelbes Band“ funktioniert ganz einfach: Obstbaumbesitzer oder die Gemeinde können ihre Bäume durch ein gelbes Band kennzeichnen und damit signalisieren: Hier darf kostenlos und ohne Rücksprache geerntet werden. Doch wegen der Haftungssituation gebe es noch Klärungsbedarf, wie der Habichtswalder Bürgermeister, Dr. Daniel Faßhauer, erklärte. Deshalb habe die Gemeinde Habichtswald eine Anfrage an den Hessischen Städte- und Gemeindebund gestellt. Die Antwort steht noch aus.

Wer aber Fallobst einsammeln möchte beziehungsweise Äpfel in greifbarer Höhe pflücken möchte, dürfe dies auf eigene Gefahr hin tun. Die Aktion „Gelbes Band“ werde vermutlich im nächsten Jahr folgen.

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