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Die Bewohnerzimmer in den Pflegeheimen bleiben warm

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Von: Bea Ricken

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Zumindest auf den Fluren könnte es künftig in Altenheimen etwas kühler werden. In den Zimmern werden die Heizungen aber nicht heruntergeregelt.
Zumindest auf den Fluren könnte es künftig in Altenheimen etwas kühler werden. In den Zimmern werden die Heizungen aber nicht heruntergeregelt. © Bernd Weißbrod/dpa

Die Energiekrise bringt die Altenheime im Kreis Kassel ans Limit. Denn die Altenhilfe kann nur begrenzt Energie und Strom sparen.

Kreis Kassel – Die Energiekrise stellt Alten- und Pflegeheime im Landkreis Kassel vor eine schwere wirtschaftliche Herausforderung. Die Betreiber können die Preisexplosion bei den Energie- und Verpflegungskosten kaum abfedern. „Es ist eine katastrophale Situation. Bei uns sind die Energiekosten seit 2021 um 500 Prozent und die Stromkosten um 300 Prozent gestiegen“, so Christoph Jaworski von Ascleoncare, der Seniorenheime und Tagespflegen unter anderem in Zierenberg, Immenhausen, Helmarshausen und Wolfhagen betreibt.

Vom Bund gebe es keine Hilfe und die Krankenkassen als Kostenträger weigerten sich, mehr als einen Inflationsausgleich von zehn Prozent zu zahlen. „Da werden private Betreiber, die nur ein Heim unterhalten, zugrunde gehen“, prophezeit Jaworski. Er habe einiges in energetische Sanierungen gesteckt und 15 Elektroautos angeschafft. Aber bei den hohen Stromkosten wäre es derzeit günstiger, Verbrenner zu fahren. Zusätzlich seien die Pflegekräfte rar, und man müsse ihnen etwas bieten. Ascleoncare zahle Tarif und biete andere Vorteile, was natürlich auch ins Geld gehe. „Und wir können auch nicht die älteren Menschen, die sich im letzten Lebensabschnitt befinden, frieren lassen“, empört sich der Unternehmer.

Christoph Jaworski Seniorenheimbetreiber
Christoph Jaworski Seniorenheimbetreiber © medicalnetworks

Niedrige Temperaturen in Pflegeheimen und Tagespflegen sind auch für Judith Ehret, Geschäftsführerin beim ASB Nordhessen, Regionalverband Kassel, keine Option. Der ASB betreibt unter anderem zwei Tagespflegen in Baunatal und Lohfelden. „Derzeit laufen energetische Sanierungen auf Hochtouren. Wir haben auf allen eigenen Dächern Fotovoltaik angebracht.“ Aber auch das helfe nicht gegen die Kostenexplosion. Sie hofft auf Hilfe vom Bund oder einen Ausgleich durch die Kostenträger.

„Was auf uns zukommt, stellt sich in horrenden Zahlen dar“, sagt auch Christiane Gahr, Sprecherin der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen, die im Landkreis Standorte in Zierenberg, Hofgeismar, Lippoldsberg und Ahnatal betreibt. Sie rechnet für 2023 mit Kostensteigerungen um das Achtfache. Dies wären Mehrausgaben von 1,5 Millionen Euro.

Christiane Gahr, Altenhilfe Gesundbrunnen
Christiane Gahr, Altenhilfe Gesundbrunnen © Hoffmann, Gitta

Die Betreiber von Seniorenheimen hoffen, dass es hinsichtlich der Preisexplosion bei Energie und Verpflegung Hilfe vom Bund gibt. „Momentan ist noch vieles im Fluss. Die Politik hat angekündigt, Unterstützungssysteme für unsere Branche auf den Weg zu bringen, Rettungsschirme oder Preisdeckel. Sie sollen gegebenenfalls direkt von den Kostenträgern gemanaget werden“, erklärt Christiane Gahr, Sprecherin der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen, die 22 Altenpflegeheime betreibt, vier davon im Landkreis Kassel. Das sind Altenpflegeheime in Hofgeismar, Lippoldsberg-Wahlsburg, Zierenberg und Ahnatal-Heckershausen. Außerdem gehören zum Gesundbrunnen unter anderem auch ein Ambulanter Dienst, Tagespflegen, Betreutes Wohnen und das Krankenhaus Gesundbrunnen.

Geheizt wird vor allem mit Gas

Was das Thema Heizen betrifft gehe es der Altenhilfe wie den meisten Privathaushalten und Unternehmen: „Da kommt etwas auf uns zu. Die meisten unserer Einrichtungen werden ganz konventionell mit Gas geheizt, zwei haben eine Ölheizung - dazu gehört auch die Hofgeismarer Außenstelle Schloss Beberbeck“, so Gahr. In Hofgeismar selbst, auf dem großen Gelände am Gesundbrunnen mit vier Altenheimen, einem Betreuten Wohnen, mehreren Schul- und Verwaltungsgebäuden sowie dem Café Gesundbrunnen gebe es ein Nahwärmesystem und eine Pellet-Anlage, damit würden alle Gebäude beheizt. An einem weiteren Standort in Marburg werde ausschließlich mit Pellets geheizt.

„Natürlich versuchen wir, Einsparungspotenziale zu nutzen, diese sind jedoch bei uns vergleichsweise gering. Wir haben beispielsweise überlegt, ob sich an der Beleuchtung sparen lässt, zum Beispiel an der Ausleuchtung der Flure. Allerdings leben bei uns in überwiegender Zahl Menschen mit Geh- und Seh-Beeinträchtigungen, und für die muss es einfach hell sein.“ Wenn die Lux-Zahl nicht hoch genug sei, steige die Gefahr von Stürzen. Eine Umrüstung auf energiesparende Beleuchtungssysteme gehe die Altenhilfe sukzessive an.

„Allerdings sprechen wir hier ja nicht von Ein- beziehungsweise Zweifamilienhäusern: Die meisten unserer 22 Altenpflegeeinrichtungen haben zwischen 70 und 90 Zimmer, sie verfügen über Aufenthaltsräume, Schwesternzimmer, Großküchen, die rüstet man nicht mal eben um, gibt die Sprecherin der Altenhilfe zu bedenken.

Temperaturreduzierung kommt nicht in Frage

Trotz Sparzwang will die Altenhilfe die Temperaturen in den Altenheimen nicht herunterregeln. „Die Aufenthaltsräume und die Zimmer der Bewohnerinnen und Bewohner werden auch weiterhin genauso beheizt wie bisher. Natürlich versuchen wir, dort zu sparen, wo es möglich ist.“ Dazu zählten Flure, Lager- oder Kellerräume.

Die Fachabteilungen im Hause erarbeiteten derweil auch Richtlinien für alle Standorte zum Energiesparen. So werde beispielsweise in der Hauptverwaltung in Hofgeismar am Ende des Arbeitstages oder am Wochenende die Heizung abgesenkt.

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