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Die „Seelenklempnerin“ geht

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Von: Dorina Binienda-Beer

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Drei Chefinnen: Friseurmeisterin Ingeborg Löber (Mitte) geht, ihre langjährigen Mitarbeiterinnen Moni Müller (links) und Simone Dietrich übernehmen gemeinsam ihren Breunaer Salon.
Drei Chefinnen: Friseurmeisterin Ingeborg Löber (Mitte) geht, ihre langjährigen Mitarbeiterinnen Moni Müller (links) und Simone Dietrich übernehmen gemeinsam ihren Breunaer Salon. © Dorina Binienda-Beer

Friseurin Ingeborg Löber verlässt Breuna und schaut zurück auf eine lange Zeit.

Breuna – Niemand verwendete damals den Begriff Hairstylistin. Alle sagten schlicht Friseuse, als Ingeborg Löber ins Berufsleben startete. Genau ein halbes Jahrhundert ist das her. Aus der Friseuse wurde im Sprachgebrauch nach und nach die Friseurin, aus dem Lehrmädchen eine Friseurmeisterin. In fünf Jahrzehnten hat sie Haarmoden und Schneidetechniken kommen und gehen gesehen. 30 ihrer 50 Berufsjahre sorgte Ingeborg Löber auch in Breuna für gepflegte Köpfe. Zeit, nun kürzerzutreten, sagte sich die Volkmarserin.

Mit der Übergabe an zwei langjährige, gestandene Mitarbeiterinnen verwandelt sich in diesen Tagen das Haar- & Kosmetikstudio Ingeborg in den Friseursalon Haarteam Simone (Dietrich) & Moni (Müller). Ihrer bisherigen Chefin fällt, wenngleich sie ihr Geschäft am Heimatwohnort weiter betreibt, der Abschied von Breuna nicht leicht. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, räumt sie ein.

Ja, nun bleibt der Mitsechzigerin mehr freie Zeit. Dafür aber, bedauert sie, lässt sie viele ihr ans Herz gewachsene Kunden zurück. Erinnerungen werden wach. An die herausragenden Momente etwa, wenn sich unter ihren Händen Frauen haartechnisch und kosmetisch in Bräute verwandelten. Das geschieht oft bei den Hochzeitern daheim. Ingeborg Löber erzählt: „Jede Braut ist aufgeregt. Man selbst fiebert mit und freut sich riesig, wenn sie beim Blick in den Spiegel am Ende glücklich strahlt.“ Auch die überschwänglichen Reaktionen der angehenden Ehemänner mitzuerleben, „das ist immer wieder ein Aha-Erlebnis“.

Überhaupt die Hausbesuche: Man werde ein Stück weit ins Familienleben integriert, sagt die 66-Jährige stolz auf den Vertrauensbeweis. Ältere und nicht mehr mobile Kunden daheim zu besuchen, war der Friseurin und ihren Mitarbeiterinnen selbstverständlich. So will es auch das neue „Haarteam“ halten. Wo Höhen sind, sind auch Tiefen. Krebspatientinnen mit Chemotherapie in ihrem Zuhause zu besuchen, um ihnen schweren Herzens den Kopf zu rasieren, geht den Fachfrauen massiv an die Nieren.

Die Gedanken an die heiteren Episoden überwiegen. Ingeborg Löber und ihre Nachfolgerinnen beginnen herzhaft zu lachen, als sie sich an die Begebenheit mit dem Wimpernfärben erinnern. Eine etwas längere Prozedur, bei der die Augen fest verschlossen bleiben müssen. Routinemäßig kam die Frage: „Und, möchten Sie denn solange etwas lesen?“ Im Nachhinein komisch wirkt auch das Malheur mit dem tief in der Kleidung heruntergelaufenen Wasser beim Haarewaschen, als es kurzerhand den Schlüpfer mit der Kraft des Föhns zu trocknen galt.

Beim Friseur beginnen die Leute von sich zu erzählen. Jeder kennt das. Ingeborg Löbers Devise als Seelenklempnerin aber lautet: „So was Privates geb ich nicht weiter.“ Das gilt auch für ihre Nachfolgerinnen. Simone Dittrich und Moni Müller zitieren augenzwinkernd ein gängiges Sprichwort: „Oft braucht es keinen Psychologen, sondern nur einen guten Friseur.“ Einfühlungsvermögen ist auch ihre Spezialität neben dem Umgang mit Shampoo, Schere und Föhn. (Dorina Binienda-Beer)

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