Mit Gespür für schwere Maschinen

Edgar Henkelmann, der letzte der Naumburger Dampflokführer, feiert 85. Geburtstag

Edgar Henkelmann feierte 85. Geburtstag
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Erinnert sich gerne an die Zeit der Dampflokomotiven: Edgar Henkelmann. Am Sonntag feiert der letzte noch lebende Dampflokführer der Naumburger Kleinbahn seinen 85. Geburtstag. 

Er hat die goldenen Zeiten, als die Dampflokomotiven auf der Strecke zwischen Naumburg und Kassel die Personen- und Güterzüge bewegten, noch hautnah im Führerhaus der Maschinen miterlebt. Am Sonntag wurde der letzte noch lebende Dampflokführer der Naumburger Kleinbahn, Edgar Henkelmann, 85 Jahre.

Naumburg – „Wir hatten wunderbare Zeiten mit der Dampflok“, sagt der gebürtige Naumburger. Und er lässt keinen Zweifel, dass die eisernen Zugpferde ihn während seiner insgesamt 46-jährigen Dienstzeit bei der Kleinbahn, in der er letztlich alles gefahren ist, was bei seinem Arbeitgeber Räder hatte, besonders faszinierten.

Henkelmann schwärmt vom „wunderschönen Schlag“, dem Paffen beim Anfahren und auf der Strecke, diesem rhythmischen Klangbild, an das keine der Dieselloks, die er später auch fuhr, heranreichte.

Henkelmann begann zunächst eine Lehre als Maschinenschlosser

„Es ist ein gutes Gefühl, in einer Dampflok zu stehen“, anders als in den vibrierenden, mit Diesel befeuerten Maschinen. „Und man musste ein Gespür für die Dampflok haben. Aber das war auch das Reizende.“

Bis Henkelmann allerdings im Führerhaus das Kommando hatte, dauerte es seine Zeit. Im Herbst 1949 machte er seinen Schulabschluss, dann begann er eine Lehre als Maschinenschlosser auf dem Naumburger Bahnhof. Bis dahin hatte der 14-Jährige schon zwei heftige Schicksalschläge wegzustecken. Der Vater fiel 1944 in Italien, zwei Jahre später starb auch die Mutter. Edgar Henkelmann und seine ein Jahr jüngere Schwester wuchsen bei den Großeltern auf.

Nach der Lehre arbeitete Henkelmann gut drei Jahre in der Betriebswerkstatt, lernte dabei jedes Teil der Lok als Schrauber kennen, ehe er die schwarzen Riesen auch fahren wollte. Sechs Dampfloks der gleichen Baureihe waren seinerzeit für die Kleinbahn im Einsatz. Edgar Henkelmann stieg als Heizer ein.

Sechs Tage wurde damals noch pro Woche gearbeitet, zusammen 54 Stunden. Der erste Zug startete gegen 4 Uhr nach Kassel, erzählt er, eine Stunde vorher wurde im Kessel „das Feuer aufgebaut“. Der letzte Zug kam gegen 23 Uhr aus Kassel zurück, erinnert sich Henkelmann. Drei bis vier Tonnen Kohle, schätzt er, „habe ich pro Schicht mit der Schippe in das Loch geworfen“, um die Lok auf Betriebstemperatur zu halten.

Die Strecke zwischen Kassel und Naumburg und der Strang bis zum VW-Werk blieben sein Revier

Anfang Oktober 1961 bestand Edgar Henkelmann die Prüfung zum Triebfahrzeugführer. Damit durfte er alles fahren, was die Kleinbahn als Zugmaschinen im Einsatz hatte: Dampf- und Dieselloks und auch den dieselgetriebenen Schienenbus, den Triebwagen. Die gut 33 Kilometer lange Strecke zwischen Kassel und Naumburg und der Strang bis zum VW-Werk blieben sein Revier. 1977 wurde dann der Personenverkehr und in den 80er-Jahren auch der Güterverkehr auf den Gleisen der Kleinbahn nach Naumburg eingestellt.

Für Edgar Henkelmann ging es als echtem Allrounder aber auch danach bei der Kassel-Naumburger Eisenbahn, wie sie sich dann nannte, rund. Denn er durfte auch Busse fahren und war damit bereits in den 60er-Jahren – da hatte die Kleinbahn ihr Angebot schon auf die Straße ausgedehnt – immer wieder im Einsatz. Auch dafür begeisterte er sich, sei es im Linienverkehr oder noch mehr, auf Tour mit Gruppen ins europäische Ausland.

Hemkelmann saß im Aufsichtsrat

In den Jahren, ehe er 1995 in den Ruhestand ging, war er Betriebsratsmitglied und saß auch im Aufsichtsrat.

„Die Zeit auf dem Bahnhof war herrlich“, blickt Edgar Henkelmann zurück, „die Gemeinschaft war eine feine Sache“. Deswegen hat er im Ruhestand auch gerne die jährlichen Rentnertreffen organisiert. In diesem Jahr musste es wegen Corona ausfallen. Auch den Geburtstag will er klein feiern. Mit dabei auf jeden Fall: seine Frau, die beiden Kinder sowie die vier Enkel und vier Urenkel.

Dann wird sein großer Garten ein Gesprächsthema sein, in dem er sich täglich auf- und fit hält. Und vielleicht auch die Zeit der Naumburger Dampfloks, von der nur eine nicht verschrottet wurde und heute für den Hessencourrier auf der alten Strecke unterwegs ist.

Auch sie hat Edgar Henkelmann, der letzte der Naumburger Dampflokführer, in seiner Zeit bei der Kleinbahn gefahren.

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