Uropa hatte erste Schankerlaubnis

Ehlener Poststuben feiern ihr 150-jähriges Bestehen als Gasthaus

Die Ehlener Poststuben feiern ihr 150-jähriges Bestehen als Gasthaus. 1864 erhielt Justus Schmelz erstmals die Genehmigung, "Branndwein" auszuschenken.

 „Dem Justus Schmelz zu Ehlen wird hierdurch ... die Concession erteilt, während des Jahres 1868 ... Kleinhandel mit Branndwein zu betreiben...“ heißt in dem am 6. Oktober jenes Jahres ausgestellten Dokument des Königlich Preußischen Landratsamtes Wolfhagen. Es ist die erste Schankerlaubnis und damit die Geburtsstunde der heutigen Ehlener Poststuben, die seit nunmehr 150 Jahren nahezu ununterbrochen als Gasthaus betrieben wird. 

Und das will Gastronom Miro Grasa, der das Restaurant mit angeschlossenem Hotelbetrieb in der heutigen Kasseler Straße 11 seit 24 Jahren führt, am Jubiläumswochenende 26. und 27. Oktober gebührend mit seinen Gästen feiern (siehe auch Hintergrund). Justus Schmelz war der Urgroßvater von Ruth Birkmann (81), die auch heute noch nur einen Steinwurf von den Poststuben entfernt lebt. Den Uropa kannte sie nicht, dafür aber Opa Carl Lorenz, der den Betrieb weiterführte, umso besser. 

„Der hat häufig mit einer Trillerpfeife um den Hals in der Schankstube gesessen und gepfiffen, wenn ein Gast kam. Und dann eilten wir herbei, um ihn zu bedienen“, erinnert sich die 81-Jährige. Sie und ihre Schwester mussten regelmäßig im Gasthaus helfen. Ein Familienbetrieb eben.

Opas Nachfolge trat dann Birkmanns Mutter Marie-Wilhelmine an, die nach dem Tod ihres ersten Mannes Mitte der 1930er-Jahre Ruths Vater, Karl Müller, ehelichte. Als dieser 1958 starb, folgte ihm Ruths Schwester Ilse mit Ehemann Sony Mueller. Nachdem dieser 1975 Ehlen verlassen hatte und Ilses Mutter zwei Jahre darauf starb, wurde das Gasthaus 1978 verpachtet. Aber keinem Pächter gelang es, an die alte Blüte anzuknüpfen. Ruth erinnert sich wie heute an den regen Gastbetrieb in den 1950er- und 1960er-Jahren. „Bei uns was immer etwas los. Das Gasthaus war der kulturelle Mittelpunkt Ehlens“.

Dort wurden Kirmes und Karneval gefeiert und unzählige Familienfeiern ausgerichtet.“ „Wir hatten den ersten und lange Zeit den einzigen Fernseher im Ort. Da kamen die Menschen nach getaner Arbeit zu uns“. Eine besondere Erinnerung hat Birkmann an das Fußball-WM-Endspiel von 1954, als Helmut Rahn in der 84. Minute das entscheidende 3:2 gegen Ungarn erzielte und das Turnier unerwartet für Deutschland entschied. Das legendäre Spiel ist als „Wunder von Bern“ in die Geschichtsbücher eingegangen. „Der Saal war rappelvoll, und als das Siegtor fiel, brach ein unglaublicher Jubel aus“, erinnert sich Birkmann. Und im Saal wurde oft getanzt. Darunter befand sich der Stall, und wenn es mal wieder hoch herging, stapfte der Opa in Sorge um das liebe Vieh nach unten, um zu sehen, ob die Balken hielten. Damals gehörte auch eine Tankstelle zum Betrieb, an der Birkmann so manchen Kunden bedient hat.

Den Namen Poststuben gibt es übrigens erst seit den 1990er-Jahren. Bevor Grasa den Betrieb übernahm, war dort die Post untergebracht. Den Familiennamen Schmelz gibt es in Ehlen nicht mehr. Er verschwand durch Eheschließungen. In Neuseeland dagegen tragen diesen Namen noch mehr als 40 Menschen, sie sind Nachkommen von Carl Heinrich Schmelz. Der Sohn von Justus und Bruder von Carl Lorenz Schmelz wanderte seinerzeit zunächst nach London und später nach Neuseeland aus.

Sause mit Grimmsteig Alm Musi

Miro Grasa lädt für Freitag, 26. Oktober, und zum darauffolgenden Samstag zu einem Jubiläumsfest ein. Am Freitag spielt die „Grimmsteig Alm Musi“ mit zünftigen Bierzeltklängen und Schlagerklassikern auf. Die erfahrenen Musiker haben Spaß an handgemachter Blasmusik und sind dafür bekannt, dass sie auf die Wünsche des Publikums eingehen. Zur Stärkung gibt es hessisch-bayerische Spezialitäten. Der Eintritt ist frei. 

Am Samstag werden ebenfalls zünftige Speisen serviert, Live-Musik gibt es an jenem Tag aber nicht. Grasa hat die Ehlener Poststuben 1994 übernommen und und führt die Gastronomie seither nahezu ununterbrochen. 2016 ging er in die Schwäbische Alb, wo er mit Partnern ein altes Gasthaus wiederbelebte. Im vergangenen Jahr kehrte er nach Ehlen zurück und eröffnete die Poststuben neu. 

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