Ehrenbürgermeister Noe: Übers Wochenende geht es in die Heimat

Zuhause in Kassel: Ludwig Noe wohnt seit einem Jahr am Stadtrand. Von seinem Balkon blickt er auf den Habichtswald. Die Wochenenden verbringt der 85-Jährige überwiegend in Naumburg. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Vor 50 Jahren zog Ludwig Noe mit seiner Familie nach Naumburg, um dort das Bürgermeisteramt zu übernehmen. 24 Jahre leitete er die Verwaltung. Inzwischen wohnt der Witwer in einer Kasseler Seniorenresidenz.

„Es hat Zeit gebraucht, bis ich gesagt habe, es war der richtige Schritt.“ Ludwig Noe meint damit seinen Umzug von Naumburg nach Kassel ins Augustinum, einer Seniorenresidenz am Rand des Habichtswaldes. Kurz vor Weihnachten 2014 zog er um in ein Apartment mit insgesamt 41 Quadratmetern Fläche. „Mein Wohnzimmer in Naumburg war 61 Quadratmeter groß“, sagt der 85-Jährige.

Einen ähnlich weitreichenden Schritt ging Noe schon einmal vor 50 Jahren. Er wechselte aus seiner pfälzischen Heimat nach Nordhessen. Der Leiter der Liegenschaftsverwaltung von Frankenthal wurde Bürgermeister in Naumburg. Mit Frau und fünf Kindern, das jüngste war noch keine zwei Jahre alt, stellte er sich einer neuen Herausforderung.

In Naumburg gewöhnte man sich bald ein. Dazu mag beigetragen haben, dass die Stadt ebenso katholisch geprägt war, wie Noes Geburtsort Bobenheim. Und im Parlament hatte die CDU das Sagen, ihr gehörte der neue Bürgermeister schon seit den 1950er-Jahren an.

Auf den neuen Verwaltungschef wartete eine Fülle großer Aufgaben. „Als ich kam, war die Burgstraße von der Unteren Straße bis zum Rathaus aufgebrochen“, sagt Ludwig Noe, die Wasserversorgung wurde erneuert. Im ersten Monat seiner Amtszeit kam die Genehmigung für den Neubau der Schule. In seine erste Amtszeit fielen außerdem der Beginn der Altstadtsanierung, der Neubau des Freibades, die 800-Jahrfeier.

24 Jahre blieb Ludwig Noe Bürgermeister in Naumburg, verkörperte im Amt Tugenden wie Zuverlässigkeit, Disziplin und Pflichtbewusstsein. In seiner letzten Wahlperiode wurde er von CDU und FWG getragen. „Gegen Ende der Wahlperiode war mir klar, dass ich über die Klinge springen würde“, erinnert sich der 85-Jährige. CDU und SPD hatten im Parlament gleichviele Stimmen, „die FWG ging dann mit der SPD zusammen“. Die neue Mehrheit schickte ihn 1989 mit 59 Jahren in den Ruhestand.

Der sollte nicht lange dauern. Der erfahrene Verwaltungsmann wurde gebraucht. Zehn Tage nachdem er seinen Schreibtisch im Rathaus geräumt hatte, fiel die Mauer. Ludwig Noe ging als Berater für den Aufbau der Kommunalverwaltung nach Thüringen. Von 1993 bis 1995 arbeitete er zudem für die Treuhandanstalt in Berlin. „Ich habe den Umbruch in Deutschland hautnah miterlebt.“ Das Ehepaar Noe fand auch die Zeit, Berlin gemeinsam zu genießen.

Als Pensionär engagierte sich Ludwig Noe für den Geschichtsverein, die Städtepartnerschaft mit dem ungarischen Komárom, dessen Wegbereiter er war, die Kolpingfamilie und die katholische Kirchengemeinde, für die er seit 15 Jahren Seniorenfahrten organisiert. Und er wandert alljährlich mit Freunden eine Etappe auf dem Jakobsweg.

Im Januar 2012 starb nach fast 58-jähriger Ehe Gattin Luise. Drei Jahre wohnte er allein im Eigenheim, das nun viel zu groß war. Noe: „Es war dann an der Zeit zu sagen, es muss sich etwas ändern.“ Seine Kinder schenkten ihm eine zweiwöchiges Probewohnen im Augustinum. Noe entschied sich zum Umzug. „Es ist kein Altenheim, man wohnt eigenständig.“

Die Zeit von Samstag bis Montag früh verbringt der Ehrenbürgermeister in Naumburg. Er ist fit und mobil, fährt noch selbst Auto, auch längere Strecken. Reisen ist seine Leidenschaft. Der Pfälzer Ludwig Noe bezeichnet inzwischen Naumburg als seine Heimat, auch wenn er nun in Kassel angekommen ist. „Das ist mein Refugium. Ich fühle mich hier wohl.“ Auch wenn es bis dahin einige Zeit brauchte.

Von Norbert Müller

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