Ein Geschenk für beide Seiten

Sonja Berg aus Zierenberg hilft Menschen aus Äthiopien in Deutschland

Deutsch-äthiopische Familie: Sonja Berg und Ahmed Abdulkadir mit Nanati (von links), Naol und Tinsea.
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Deutsch-äthiopische Familie: Sonja Berg und Ahmed Abdulkadir mit Nanati (von links), Naol und Tinsea.

Sie kümmern sich uneigennützig um ihre Mitmenschen. Selbstloses Engagement eint die Alltagsengel unserer Serie. Heute: Sonja Berg, die für die Rechte benachteiligter Menschen aus Äthiopien kämpft.

Zierenberg – „Wenn jemand ein Engel ist, dann Sonja.“ Ahmed Abdulkadir strahlt übers ganze Gesicht, wenn er von Sonja Berg erzählt, die ihm, seiner Familie und unzähligen anderen geholfen hat, die aus Äthiopien geflüchtet und nach Deutschland gekommen sind.

Es sei „ein Geschenk und großes Glück“ gewesen, ausgerechnet auf sie zu treffen, sagt er und muss nicht lange warten, bis ihm die sympathische Zierenbergerin ins Wort fällt: „Ein Wahnsinns-Geschenk und großes Glück war das auch für mich“, sagt sie in ihrer bescheidenen Art und kommt aus dem Schwärmen gar nicht heraus, wenn sie von „ihrer äthiopischen Familie“ berichtet. Die gehöre mittlerweile zu ihrem Alltag dazu und habe ihn auf ganz wunderbare Art bunter gemacht. „Ich habe ganz viel über ihre Kultur und auch über ihre Religion gelernt, mittlerweile feiern wir zusammen Ramadan, aber auch Weihnachten, und all das möchte ich nicht mehr missen.“

Dass mittlerweile solch ein großes Vertrauen da ist, mache sie glücklich, anfangs schließlich sei gerade das ein Problem gewesen. „Vertrauen gab es da in Nichts und Niemanden“, erinnert sich die engagierte Frau und kann das mit ihrem heutigen Wissen nur zu gut nachvollziehen. „Wo sollte das auch herkommen, sie hatten doch in ihrer afrikanischen Heimat schreckliche Dinge erleben müssen, und auch hier in Deutschland sind sie wirklich nicht überall mit offenen Armen empfangen worden.“

Gern denkt Berg nicht zurück an die Zeit, als die Flüchtlingskrise über Europa hereinbrach. Noch immer ist sie erschüttert von den Bildern, die im Minutentakt über die Fernsehschirme flimmerten. Bilder von überfüllten Booten im Mittelmeer, notleidenden Menschen am Ende ihrer Kräfte und Verzweiflung, die einem aus den Augen der Gestrandeten entgegen strahlte. „Ich musste damals einfach etwas tun, das war für mich gar keine Frage.“

Anfangs waren es Spenden, die sie sammelte, später dann kleine Alltagshilfen, als die ersten Flüchtlinge ihre Heimatstadt erreichten. Sie engagierte sich bei der Zierenberger Flüchtlingshilfe, merkte aber schnell, dass ihr das nicht reichte. Sie wollte nicht einfach nur helfen, sie wollte verstehen. Verstehen, warum die Abdulkadirs und all die anderen in ihrer Heimat so sehr um ihr Leben fürchten mussten, dass sie keinen anderen Ausweg sahen, als zu flüchten.

Heute, unzählige Gespräche später, ist Berg längst Expertin rund um die Themen Asyl- und Bleiberecht geworden, weiß genau, worauf die nach Deutschland gekommenen Menschen achten müssen und gibt ihr Wissen gern weiter. Neben ihrer Arbeit als selbstständige Kosmetikerin ist sie nicht mehr nur in ihrer nordhessischen Heimat, sondern bundesweit für äthiopische Flüchtlinge im Einsatz, pflegt Kontakte zu hohen politischen Vertretern, hat das Bündnis für faires Asylrecht mit Schwerpunkt Äthiopien gegründet und kämpft mit aller Kraft für mehr Menschlichkeit und Fairness in der Asylpolitik.

Ahmed Abdulkadir und seine Familie müssen nicht mehr kämpfen und brauchen sich auch keine Sorgen machen, wieder abgeschoben zu werden. Sie haben seit diesem Jahr ihr Bleiberecht, sind hervorragend integriert, Ahmed arbeitet in einem Altenheim und sie alle fühlen sich rundherum wohl in Zierenberg – auch und vor allem dank Sonja Berg, die für die Abdulkadirs und unzählige andere ein wahrer Engel ist. (Sascha Hoffmann)

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