Der Moderator über seine Liebe zur Musik

„Ein liebevoller Tritt in den Hintern“: Reinhold Beckmann tritt in Wolfhagen auf

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Kommt nach Wolfhagen: Mit seinem Gitarristen Johannes Wennrich stellt Reinhold Beckmann Lieder von seinem neuen Album Freispiel vor.

Er ist eines der bekanntesten TV-Gesichter Deutschlands, moderierte viele Jahre Sport- und Talkformate, bringt mit eigener Produktionsfirma Sendungen wie „Inas Nacht“ ins Fernsehen und erobert nun auch die Konzertbühnen: Reinhold Beckmann.

HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann sprach mit dem 63-Jährigen über seine Liebe zur Musik und das Konzert im Wolfhager Kulturladen.

Herr Beckmann, Sie haben mal gesagt, eine Ihrer Stärken sei stets Ihre innere Ruhe gewesen - kaum vorstellbar bei Ihrem früheren Arbeitspensum. War die Musik, die Sie im Privaten schon seit Ihrer Jugend betreiben, ein Ruhepol?

Vielleicht eher meine norddeutsche Seele, ich stamme ja aus einem kleinen Ort in der Nähe von Bremen. Da lässt man sich nicht so leicht erschrecken. Allerdings kenne ich tatsächlich auch Lebensphasen, in denen ich mich in die Musik geflüchtet habe – im Guten. Da habe ich Ruhe und einen Platz gefunden, wo ich ganz für mich sein konnte.

Irgendwann kam der Punkt, an dem Sie dennoch die Musik in die Öffentlichkeit gerückt haben. War das auch verbunden mit Sorge, dass die Musik als Ihre persönliche Energietankstelle darunter leiden könnte?

Um ehrlich zu sein, habe ich da gar nicht groß drüber nachgedacht, denn dieses wunderbare Musikprojekt war so ja nie geplant. Es war eher ein liebevoller Tritt in den Hintern, mit dem 2007 nach einem Auftritt bei Inas Nacht alles begann. Ich sang mit Ina Müller den Bossa Nova „Águas de Março“ von Antônio Carlos Jobim. Danach kamen zwei Musiker aus ihrer Band zu mir und sagten: „Reinhold, du bist doch eigentlich Musiker, lass uns mal was versuchen!“ Daraus ist dieses Projekt entstanden, und ich habe schnell die Möglichkeit für mich entdeckt, durch Songtexte Geschichten zu erzählen. Ich bin unendlich dankbar für diesen „Tritt“ der Kollegen.

Unterscheidet sich das Songtexten sehr von der journalistischen Schreibe?

Auf jeden Fall, Songtexte funktionieren ganz anders, allein schon aus dem Grund, dass sie viel persönlicher sind. In Songs erzähle ich Geschichten aus meinem Leben. Natürlich kann es auch mal um ein gesellschaftliches Thema gehen, auf der im nächsten Jahr erscheinenden neuen CD wird es auch wieder ein politisches Thema geben. Kreativität ist unberechenbar, das musste ich auch erst lernen. Songtexte lassen sich nicht auf Knopfdruck schreiben, es braucht den richtigen Moment. Ist der gekommen, muss man ihn nutzen und in die Tasten hauen.

Wie viel Raum nimmt die Musik mittlerweile in Ihrem beruflichen Alltag ein?

Sehr viel, ich würde fast 50 Prozent sagen, wir spielen ja allein schon 40 bis 50 Konzerte im Jahr.

Ist es vorstellbar, dass irgendwann auch die übrigen 50 Prozent Journalismus für die Musik dran glauben müssen?

Ich bin glaube ich auf einem guten Weg dahin (lacht). Ein bisschen Fernsehen werde ich wohl immer machen, aber derzeit bin ich einfach dankbar für die Chance, mich in der Musik so ausprobieren zu dürfen. Das Schöne ist, dass man immer dazu lernt, wenn man sich so intensiv mit etwas beschäftigt, wie ich seit einigen Jahren mit dem Musikmachen. Es ist eine spannende Entdeckungsreise, ich weiß aber noch nicht, wo mich die hinführen wird. Das genieße ich sehr.

Macht Musik glücklicher als Journalismus?

Das eine hat mit dem anderen nicht viel zu tun. Es gibt auf jeden Fall nichts Besseres, als live auf der Bühne zu stehen. Manchmal, wenn man sie schon öfter gespielt hat, bekommen einige Stücke nochmal eine ganz andere Kraft – es ist ein bisschen wie Fliegen, ein absoluter Glücksmoment.

Ist es gewollt, dem Publikum mit Ihren Texten näher zu kommen als mit Fernseharbeit, oder ist das ein Prozess des Liedermachens?

Ich glaube, Letzteres trifft es ganz gut. „Hypochonder“ etwa ist aus einer simplen Laune heraus entstanden, ich hatte gar nicht die Absicht, dass es zu solch einem Live-Favoriten wird. Vor allem die Frauen im Publikum sind immer wieder amüsiert, wenn sie ihre Männer wiedererkennen.

Gibt es Texte, bei denen es schwerfällt, sie live mit dem Publikum zu teilen?

Beckmann: Ich bin gerade dabei, für die neue Platte ein Lied fertigzustellen, in dem es um meine kürzlich verstorbene Mutter geht. Sie hatte im Krieg ihre vier Brüder verloren, und über die habe ich nun einen Text geschrieben. Ob und wie das auf der Bühne funktionieren wird, kann ich nicht einschätzen.

In den Kulturladen bringen Sie und Ihr Gitarrist Songs ihrer ersten beiden CDs mit. Werden die Wolfhager einen Reinhold Beckmann erleben, den sie aus dem Fernsehen kennen?

Ich stehe bei Konzerten ja in keiner Funktion, irgendetwas bedienen zu müssen. Das ist beim Fernsehen häufig anders, sei es als Sportmoderator oder in der politischen Diskussion. Da geht es um andere Menschen und um Themen, nicht aber um einen selbst. Bei einem Abend wie nächsten Freitag in Wolfhagen gehen viele Türen auf, die Leute werden jede Menge über mich erfahren und ich über die Menschen in Wolfhagen. Das ist der Zauber eines solch intimen Abends. Vom Kulturladen jedenfalls habe ich nur Gutes gehört. Ich freue mich sehr drauf.

Tickets: Karten für das Konzert am Freitag, 18. Oktober, um 20 Uhr gibt es für 23 Euro im Vorverkauf in der HNA-Geschäftsstelle, der Buchhandlung Mander, im Kulturbüro im Rathaus und im Kulturladen in der Triangelstraße 19 in Wolfhagen. Internetseite: kulturladen-wolfhagen.de

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