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Einbruch um Drogen zu stehlen: 27-Jährigem droht die Psychiatrie

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Von: Peter Kilian

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Einbruch um Drogen zu stehlen: Ein 27-jähriger legte sich in der fremden Wohnung schlafen. Er leidet außerdem an paranoider Schizophrenie. Symbolbild: Barbara Kamisli
Ein 27-Jähriger legte sich nach einem Einbruch in der fremden Wohnung schlafen. Er leidet außerdem an paranoider Schizophrenie. © Barbara Kamisli

Ein 27-Jähriger aus dem Landkreis Kassel muss sich in augenscheinlich verwirrtem Zustand vor dem Landgericht Kassel verantworten.

Wolfhagen – Verständnis und Einfühlungsvermögen des Vorsitzenden Richters Dr. Kleinherne waren zum Prozessauftakt gefragt, als sich ein 27-Jähriger aus dem Landkreis Kassel wegen Einbruchs und mehrerer Sachbeschädigungen zu verantworten hatte.

Augenscheinlich in sehr verwirrtem Zustand betrat der Beschuldigte den Verhandlungssaal im Landgericht Kassel. Fahrig strich er sich permanent durch die langen Haare und redete unverständlich vor sich hin. Schon die Feststellung seiner Personalien gestaltete sich schwierig. Immer wieder musste nachgefasst werden, um Namen, Geburtsjahr und Wohnort zu erfahren. Zwar redete der Befragte ohne Pause, das aber zumeist nuschelnd und weit ausschweifend.

Beschuldigter offenbar psychisch erkrankt

Zu entscheiden hat die Große Strafkammer in diesem Fall, ob der Beschuldigte wegen einer psychischen Erkrankung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Vorgeworfen wird dem 27-Jährigen aktuell, im September 2021 mit einem Mittäter in eine Wohnung in Wolfhagen eingebrochen zu sein. Dort wurden unter anderem eine Spielkonsole, ein Notebook, ein Mobiltelefon und Kopfhörer entwendet.

Außerdem hält ihm die Staatsanwaltschaft vor, im Oktober vergangenen Jahres in Kassel mehrere Autos mutwillig beschädigt zu haben. Da laut Anklagebehörde die Ermittlungen ergaben, dass alle Taten wahrscheinlich aufgrund einer paranoiden Schizophrenie begangen wurden, ist nun zu prüfen, ob die Zwangseinweisung erforderlich ist.

Angeklagte räumte Einbruch ein

Zwar äußerte sich der Beschuldigte zu den Anklagepunkten und räumte den Einbruch auch ein, doch Einzelheiten zum Tathergang waren nicht aus ihm herauszubekommen. Auch hier machte sich die psychische Beeinträchtigung deutlich, und große Teile seiner Aussagen hatten nichts mit dem Einbruch zu tun.

Konkreter wurde es da schon, als der zweite Mann des Einbruchs als Zeuge aussagte. Demnach trafen sich die beiden aus Jugendtagen befreundeten Täter eher zufällig in einem kleinen Park. Alkohol und Drogen ließen den Plan reifen, in die Wohnung eines anderen Bekannten einzusteigen, um dort nach weiteren Rauschmitteln zu suchen.

Über den Balkon und ein aufgehebeltes Fenster verschaffte man sich Zutritt. Doch die Suche nach Drogen verlief erfolglos. Als die von Nachbarn alarmierte Polizei eintraf, flüchtete der zweite Täter und nahm einige Beutestücke mit. Der 27-Jährige hatte sich hingegen in ein Bett gelegt und schlief dort seinen Rausch aus.

Vater berichtet vor Gericht über Erkrankung

Ebenfalls als Zeuge aussagen durfte der Vater des Beschuldigten. Ergreifend die Schilderungen, die er über den Krankheitsverlauf seines Sohnes abgab. Demnach leidet dieser seit etwa acht, neun Jahren an einer psychischen Erkrankung. Wobei die Symptome von Jahr zu Jahr schlimmer wurden, wie der Vater sagte. Während der Schule, die er mit dem Abitur abschloss, sei noch alles normal verlaufen. Ein Studium habe er zunächst auch noch aufgenommen.

Dann trennten sich die Eltern, die Freundin verließ ihn, durch einen Unfall verlor er seinen Führerschein, und das Studium brach er ab. Diese Schicksalsschläge, so vermutet der Vater, hätten seinen Sohn aus der Bahn geworfen. Mittlerweile fürchte er sich vor ihm, liebe ihn aber immer noch und hoffe auf Hilfe. Auch diese Aussage erreichte den 27-Jährigen augenscheinlich nicht. Mit den Armen in der Luft rudernd, mitunter schmunzelnd, redete er unablässig weiter vor sich hin. Die Verhandlung wird fortgesetzt. (Peter Kilian)

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