1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen

Die Zukunft der Kirche immer im Blick: Vizepräsident Dr. Volker Knöppel geht in den Ruhestand

Erstellt:

Kommentare

Freut sich auf den Ruhestand: Volker Knöppel, 16 Jahre Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, wird am Freitag verabschiedet.
Freut sich auf den Ruhestand: Volker Knöppel, 16 Jahre Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, wird am Freitag verabschiedet. © Norbert Müller

Nach 16 Jahren im Amt des Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), geht der gebürtige Naumburger Dr. Volker Knöppel nun in den Ruhestand. Gut möglich, dass man ihn künftig öfter mit einem Lächeln im Gesicht durch die Gegend radeln sieht, dänische Redewendungen repetierend, den Blick auf historische Landmarken gerichtet.

Die Tage des Abschieds sind auch bestimmt von der Rückschau auf die lange Zeit im Kirchendienst, in der die Work-Life-Balance selten im Lot war. „Aber das war mir in der Position klar, da weiß man, auf was man sich einlässt.“ Er habe immer versucht, sich so viele Wochenenden wie möglich freizuhalten, „Das war wichtig für die Familie und zum Auftanken der eigenen Batterien“, sagt der dreifache Familienvater und dreifache Opa. „Aber wäre ich der junge Mensch von damals, und ich könnte diesem jungen Menschen etwas einflüstern, ich würde ihn nicht davon abhalten, diesen Weg wieder zu gehen“, sagt der 65-Jährige lächelnd.

Gestaltungsspielräume

Der Weg begann nach dem Abitur in Wolfhagen als Student in Marburg. Der angehende Jurist setzte seine Schwerpunkte in Verwaltungsrecht und deutscher Rechtsgeschichte. „Ich wollte gerne einen Beruf ergreifen, der im weitesten Sinne mit Verwaltung zu tun hatte, weil es mir wichtig war, im beruflichen Leben Gestaltungsspielräume zu haben.“

Nach seinen Staatsexamen und der Promotion über „Forstnutzungsrechte im Landkreis Wolfhagen“ trat er seine erste Stelle im Landeskirchenamt in Hannover an. Vier Jahre war er dort Bau- und Grundstücksreferent, dann wechselte er zum Landeskirchenamt nach Kassel, wo er den Job des persönlichen Mitarbeiters des Vizepräsidenten übernahm.

Gefühl für Menschen

Ein Jahr später war er dann schon Baudezernent. „Da sitzt man nicht nur am Schreibtisch, sondern man kommt viel rum, lernt die Leute kennen und wie sie ticken. Man bekommt ein Gefühl für die Menschen und die unterschiedlichen Mentalitäten.“

All das kam ihm dann auch zugute, als er 2006 ins Amt des Vize-Präsidenten aufrückte. Damit war er der juristische Vertreter des Bischofs beziehungsweise der Bischöfin, der Dezernent für Haushalt und Finanzen der Landeskirche und dazu auch noch der Behördenchef des Landeskirchenamtes mit all seinen Mitarbeitern. Es taten sich ganz neue Gestaltungsspielräume auf, die er auch nutzte.

Einnahmen werden wegbrechen

„Ich habe Jahre erlebt, in denen die Kirchensteuer sprudelte“ und das Phänomen, dass trotz zurückgehender Kirchenmitgliederzahlen die Steuereinnahmen nominal steigen. Zu verdanken sei dies der wirtschaftlichen Entwicklung gewesen. Die gute Einnahmesituation habe vor allem damit zu tun, dass die Babyboomer-Generation auf das Ende ihrer Erwerbsbiografie zusteuere, einer Phase, in der man üblicherweise die höchste Einkommensstufe erreiche. „Aber das wird wegbrechen mit deren Eintreten in den Ruhestand“, sagt der scheidende EKKW-Vize. „Und darauf bereiten wir uns vor.“ Das und der Mitgliederschwund bedeuten auch, dass „Aufgabenfelder mit weniger oder vielleicht auch gar keinen Mitteln mehr ausgestattet werden“. Trotz aller Sparzwänge gehe er davon aus, „dass wir auch in Zukunft ein stabiles Pfarrstellennetz in den Gemeinden haben und damit in der Fläche vertreten sein werden“. Und „dass wir als Landeskirche selbstständig bleiben“.

Bei allen Anstrengungen gehe es immer darum, „uns zukunftsfähig zu machen“. Dazu zählte schon die Einführung des Kirchenerhaltungsfonds, auch die Ablösung der Kirchenbaulasten gegen Entschädigung und die Strukturreform, in deren Zuge größere Organisationseinheiten geschaffen wurden: Aus 28 Kirchenkreisen wurden 14. Das alles hat Volker Knöppel maßgeblich mitgestaltet.

Ohne Termindruck

Anderes hat er seitens der EKKW bereits angepackt, große Aufgaben wie die Ablösung der Staatsleistungen, der sich nun seine Nachfolgerin Dr. Katharina Apel annehmen wird, wenn er bereits die neue Zeit ohne dienstlichen Termindruck genießt. „Ich freue mich jetzt auf den Ruhestand“, sagt der Mann aus dem Naumburger Stadtteil Elbenberg, der sich verstärkt der Familie, der heimatgeschichtlichen Forschung, dem Radeln und dem Erlernen der Sprache des Landes widmen kann, in dem die Familie am liebsten den Urlaub verbringt: Dänemark. (Norbert Müller)

Auch interessant

Kommentare